HeidelbergCement

HeidelbergCement Konzernchef Bernd Scheifele verteidigt nach Kritik von Aktivisten bei der Hauptversammlung Präsenz in Konfliktregionen

„Prügel kriegen wir immer“

Heidelberg.Der lange Winter in Nordamerika und Europa und die geringere Anzahl von Arbeitstagen haben im ersten Quartal 2018 den Umsatz und das Betriebsergebnis von HeidelbergCement gedrückt. In der Branche sind die ersten drei Monate des Jahres wegen des Winterwetters grundsätzlich die schwächsten. Trotzdem schaffte der Zementhersteller einen leichten Quartalsüberschuss, vor allem dank Erträgen aus Verkäufen wie der deutschen Kalksandsteinsparte.

Gleichzeitig übernahmen die Heidelberger das Zementgeschäft von Cementir Italia und ein Baustoffrecycling-Unternehmen in Australien. Vorstandschef Bernd Scheifele (kleines Bild) kündigte bei der Hauptversammlung am Mittwoch weitere „gezielte Zukäufe“ an, aber auch die Trennung von nicht notwendigen Geschäften. Scheifele bestätigte den Ausblick für 2018: Der Gewinn soll deutlich im zweistelligen Prozentbereich zulegen.

Trumps Entscheidung vom Dienstag, das Atomabkommen mit dem Iran aufzukündigen, birgt auch Risiken für HeidelbergCement. Wenn als Reaktion darauf der Ölpreis steigt, erklärte Scheifele, wirkt sich das auf die Bilanz des Unternehmens aus: Da die Zementherstellung sehr energieintensiv ist, ist das ein großer Kostenfaktor. Im Iran ist HeidelbergCement wegen der politischen Risiken nicht präsent.

Daniel Jenderek von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zollte dem Vorstand Anerkennung für die steigenden Dividenden. „Sie halten Kurs.“ Er bedauerte, dass der Aktienkurs nicht mithalten könne. Von einer „beeindruckenden Leistung“ sprach Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Sie haben die Kapitalkosten verdient, das ist nicht selbstverständlich.“

Aus Protest Füße einzementiert

Breiten Raum nahm bei der Hauptversammlung das Thema Menschenrechte ein. Schon vor dem Eingang zur Heidelberger Stadthalle liefen die Aktionäre – wie im Vorjahr – an Aktivisten vorbei, die sich die Füße einzementieren ließen. Sie protestierten gegen Pläne für ein Zementwerk im indonesischen Kendeng-Gebirge. Der indonesische Umweltaktivist Mokh Sobirin warf dem Konzern vor, die Umweltschutzvorgaben in dem geschützten Karstgebirge zu missachten. Dem hält Scheifele entgegen, dass das Werk weit außerhalb der ökologisch sensiblen Karstzone gebaut würde.

Wie schon im Vorjahr gab es Kritik vom Dachverband Kritische Aktionäre, weil HeidelbergCement einen Steinbruch im israelisch besetzten Westjordanland betreibt. Scheifele erklärte dazu, der Konzern habe eine neue Tochterfirma in Palästina gegründet und arbeite mit der palästinensischen Selbstverwaltungsbehörde zusammen.

Für ein Unternehmen sei es schwer, sich in diesen politischen Konflikten zu bewegen, sagte Scheifele. „Prügel kriegen wir immer, von der einen oder andern Seite.“

So beschuldigte die Schülerin Khadja Bedati HeidelbergCement, durch ein Mahlwerk in der von Marokko annektierten Westsahara die Rechte der Einheimischen zu missachten. Von dem Werk, konterte Scheifele, profitierten doch gerade die Menschen vor Ort. Die Kritik der Aktivisten hinderte eine große Mehrheit der Aktionäre nicht daran, Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten. Sie bestätigten außerdem das ehemalige BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale als Nachrückerin im Aufsichtsrat. (Bild: HeidelbergCement)