Heidelberger Druckmaschinen

Maschinenbau Anleger von Prognose enttäuscht / Konzernchef Hundsdörfer setzt bei Sanierung voll auf Digitalisierung

„Es dreht sich alles um die Daten“

Frankfurt.Bereut? Nein, bereut habe er es nicht, zu Heideldruck gegangen zu sein. Der Konzern habe Zukunft, sagt Chef Rainer Hundsdörfer (Bild), wenn auch nicht mehr als reiner Hersteller von Druckmaschinen. Vor allem Daten sollen künftig das Überleben des Unternehmens sichern. Als digitaler Dienstleister. An diesem Umbau werkelt Hundsdörfer, seit er vor anderthalb Jahren auf den Chefsessel von Heideldruck gewechselt ist. Ergebnisse präsentiert er gestern bei der Bilanzpressekonferenz. „Die Transformation schreitet mit großen Schritten voran“, verkündet er.

Die Anleger kann er gestern aber nicht überzeugen. Zwischenzeitlich rutscht die Aktie ans SDax-Ende. Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres – die Zahlen hatte der Konzern bereits im Mai vorgelegt – wurde massiv von US-Präsident Donald Trumps Steuerreform beeinträchtigt. Dazu kommt die Aussicht für das laufende Jahr: Mit moderatem Wachstum rechnet Heideldruck, das operative Ergebnis soll zwischen sieben und 7,5 Prozent vom Umsatz liegen. Experten hatten mehr erwartet. Für „recht unambitioniert“ hält Commerzbank-Analyst Malte Schulz diese Vorgaben. Die mittelfristigen Ziele bestätigt der Konzern: Bis 2022 sollen die Umsätze auf drei Milliarden Euro steigen, das Nettoergebnis soll dann über hundert Millionen Euro liegen.

„Wir werden wieder zu einem Leuchtturm der Industrie werden“, versichert Hundsdörfer. Aber eben nicht mehr mit dem klassischen Geschäftsmodell. Maschinen bauen, verkaufen, nach der Gewährleistungsfrist Ersatzteile vertreiben – damit allein gewinne man keinen Blumentopf mehr. „Es dreht sich alles um die Daten“, sagt Hundsdörfer. Maschinen seien auslesbar. „Wir wissen genau, wie Kunden unsere Produkte betreiben. Wie effizient oder wie ineffizient.“ Das sei die Basis für neue Geschäftsmodelle. Im Kern der Offensive stehen die neuen Abo-Konzepte. Maschinen werden nicht mehr nur verkauft, sondern auch verliehen. Kunden zahlen für ihren Output, und nicht für Gerät und Tinte. „So erreichen wir Kunden, die vielleicht keine Maschine bei uns gekauft hätten“, meint Hundsdörfer.

Die erste Dienstleistung dieser Art wurde kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres besiegelt, mittlerweile bestehen 17 solcher Verträge. Bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen es 30 sein. Im Ergebnis werden sich die aber vermutlich erst im nächsten Geschäftsjahr niederschlagen. „Auf Kurs“ sei man außerdem in Sachen Digitaldruck. Zwei Maschinen sind mittlerweile in Serienproduktion. Geld verdienen will der Konzern zudem mit der Tinte, die „das Gold des Digitaldrucks“ sei. In vier bis fünf Jahren soll damit mehr Umsatz gemacht werden, als mit der Maschine an sich.

Blick über den Tellerrand

Heideldruck – so richtig stimmt der Name nicht mehr. Vergangenes Jahr überraschte der Konzern mit der Ankündigung, Ladestationen für E-Autos bauen zu wollen. Seit Kurzem sind die Strom-Kästen frei verkäuflich. Mit Technik wie dieser hofft Hundsdörfer auf Wachstum abseits des klassischen Geschäfts. Das alles nennt er einen „Kulturwandel“, für den man auch die Strukturen und Standorte anpacken müsse. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum inklusive seiner 1000 Beschäftigten zieht ab September in eine ehemalige Fabrikhalle nach Wiesloch – das alte Zentrum in Heidelberg wurde verkauft. In Wiesloch sollen die digitalen Marketingaktivitäten gebündelt werden.

„Aus der Not eine Tugend machen“, laute die Devise beim Umbau, sagt Hundsdörfer. Heideldruck solle wieder ein Unternehmen werden, auf das „Mitarbeiter so stolz sein können wie vor 15 Jahren“.

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