Heidelberger Druckmaschinen

Heidelberger Druckmaschinen Vorstandschef Hundsdörfer kündigt Stellenstreichungen und Standortschließungen an

Heidelberger Druck kündigt „schmerzhafte Maßnahmen“ an

Archivartikel

Wiesloch.Heidelberger Druckmaschinen streicht im Zuge seines Sparprogramms bis zu 2000 Stellen weltweit. Das teilte das angeschlagene Unternehmen am Dienstagabend mit. Zudem trennt sich das Unternehmen von unprofitablen Geschäftszweigen. Die Pläne konzentrieren sich auf drei Bereiche. Hier der Überblick:

Stellenabbau

Bis zu 2000 Stellen weltweit will Heideldruck streichen. Auch Betriebsschließungen sind im Zuge des Arbeitsplatzabbaus nicht ausgeschlossen. Dieser soll so sozialverträglich wie möglich stattfinden. Um über mögliche konkrete Maßnahmen wie betriebsbedingte Kündigungen zu sprechen, sei es noch zu früh, sagte ein Sprecher gestern auf Anfrage. Auch in welchem Umfang einzelne Standorte und insbesondere die Belegschaft am Stammsitz in Wiesloch betroffen sein werden, ist offen. Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über den Stellenabbau sollen zeitnah starten.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Heideldruck wird die Produktion von zwei Maschinen bis spätestens Ende 2020 einstellen. Sie würden dem Unternehmen einen jährlichen Verlust von rund 50 Millionen Euro bescheren, hieß es zur Begründung. Betroffen ist zum einen die Primefire 106, eine Digitaldruck-Maschine für den industriellen Verpackungsdruck, die erst 2019 in die Serienproduktion gegangen war. Sie galt als Zukunftsgeschäft, der Markt entwickelte sich aber deutlich langsamer als geplant. Im Bogenoffsetdruck gibt Heideldruck zudem den Bereich Großformat auf. Beide Maschinen werden bisher am Stammsitz Wiesloch gefertigt.

Schuldenreduzierung

Eine der wichtigsten Aufgaben von Heideldruck ist es, die finanzielle Stabilität und Zahlungsfähigkeit zu sichern. Das Unternehmen will dazu rund 375 Millionen Euro, die in der Vergangenheit in einen Treuhandfonds gezahlt wurden, rückübertragen. Das Geld soll unter anderem verwendet werden, um eine Hochzinsanleihe mit einem Volumen von 150 Millionen Euro vorzeitig zurückzuführen. Die Netto-Finanzverschuldung werde dadurch fast vollständig abgebaut.

„Die Maßnahme ist ein Meilenstein für Heideldruck: Wir befreien uns in einem Schritt von der drückenden Schuldenlast und können gleichzeitig in den kommenden 18 Monaten die notwendige operative Neuausrichtung konsequent umsetzen“, sagte Finanzvorstand Marcus A. Wassenberg.

Vorstandschef Rainer Hundsdörfer sprach am Dienstag von einem „einschneidenden Schritt“, der mit „schmerzhaften Maßnahmen“ einhergehe. Die Neuausrichtung sei aber notwendig, um das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.

Die Konzernführung arbeitete bereits seit längerem an einem Sparprogramm. Heideldruck litt zuletzt unter einem schwachen Geschäft in Deutschland und Europa und musste in diesem Jahr bereits zweimal seine Prognosen senken. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres hatte das Unternehmen seinen Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich ausgeweitet – von zwei auf zehn Millionen Euro. Schon vor der Coronavirus-Krise in Europa sah das Unternehmen zunächst keine Trendwende in Sicht, weil sich angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung Unternehmen in Deutschland, Großbritannien und im Rest Mitteleuropas mit Investitionen zurückhielten.

Ziel des Pakets ist es dem Unternehmen nach, das Ergebnis (Ebitda ohne Restrukturierungsergebnis) um 100 Millionen Euro zu verbessern. Erst einmal kostet das Sparprogramm allerdings Geld: Heideldruck rechnet mit einer Einmaligen Belastung von rund 300 Millionen Euro. Deshalb, und auch weil sich das wirtschaftliche Umfeld durch die Corona-Krise weiter verschlechtert habe, korrigiert das Unternehmen noch einmal seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr, das am 31. März endet.

Heideldruck rechnet jetzt mit einem Umsatz deutlich unter dem Vorjahresniveau von rund 2,49 Milliarden Euro. Beim Nachsteuerergebnis erwartet es einen Verlust von etwa 300 Millionen Euro. Auch für das kommende Geschäftsjahr rechne Heideldruck mit roten Zahlen. Im Geschäftsjahr 2021/2022 soll sich die Neuausrichtung dann „substanziell“ positiv auswirken.