Heidelberger Druckmaschinen

Börse Trotz besserer Ergebnisse rutscht Aktienkurs auf Jahrestief / Leerverkäufer steigern ihren Anteil auf mehr als zehn Prozent

Neue Attacken gegen Heideldruck

Archivartikel

heidelberg.Deutlich mehr Aufträge und eine bestätigte Jahresprognose: Die Nachrichten, die die Heidelberger Druckmaschinen AG Anfang November über das zweite Geschäftsquartal präsentiert hatte, waren eigentlich gar nicht schlecht. Dennoch rauschte direkt im Anschluss der Aktienkurs um über zehn Prozent in die Tiefe. Am vergangenen Freitag erreichten die Papiere mit einem Kurs von 1,65 Euro sogar ein neues Jahrestief. Im Mai hatte der Wert noch bei 3,27 gelegen.

Und es könnte sogar noch schlimmer werden: Denn gleichzeitig interessieren sich die sogenannten Leerverkäufer, die auf weiter fallende Kurse setzen, wieder stärker für Heideldruck (siehe nebenstehende Tabelle). Neun verschiedene Hedgefonds wetten mittlerweile gegen die Heidelberger, zwei von ihnen haben ihre Position bei dem weltgrößten Druckmaschinenbauer im Anschluss an die Verkündung der Quartalszahlen Anfang November weiter ausgebaut. Mehr als zehn Prozent der Heideldruck-Aktien liegt nun in den Händen der hochspekulativen Fonds. Diese sind verpflichtet, ihre Leerverkäufe offenzulegen, sobald sie „signifikant“ sind, wofür eine Schwelle von 0,5 Prozent gilt. Eine offizielle Begründung müssen sie dabei nicht liefern.

„Kursrückgang übertrieben“

Entsprechend gering ist das Verständnis für die Fonds: Sicherlich seien die Ziele von Heideldruck angesichts eines sich eintrübenden konjunkturellen Umfelds „ambitionierter“ geworden, schreibt Thorsten Reigber, Analyst bei der DZ Bank. „Wir halten den massiven Kursrückgang der vergangenen Wochen aber für nicht gerechtfertigt“. „Die Reaktion der Märkte ist aus unserer Sicht übertrieben“, schließt sich Stefan Augustin von der Investmentbank Equinet an.

Einigermaßen ratlos steht auch das Unternehmen selber da: „Sicher muss man an der Börse liefern, was man angekündigt hat, aber das machen wir ja seit drei bis vier Jahren“, sagt ein Unternehmenssprecher mit Blick auf die mehrfach verfehlten Ziele Heideldrucks während der zurückliegenden Krise im Druckmaschinenbau. Vermutlich stehe eine zyklische Aktie wie Heideldruck in Zeiten zunehmender konjunktureller Unsicherheiten „einfach stärker unter Druck“. Heideldruck befindet sich nach Jahren des Schrumpfens in einem tiefgehenden Umbau und versucht mit neuen Geschäftsmodellen und Digitalisierung zu punkten. Um diese Neuausrichtung zu erklären und Vertrauen zu gewinnen, lade man regelmäßig Investoren ins Stammwerk nach Wiesloch ein, so der Sprecher. „Das alles braucht nur einfach Zeit“.

Auch die Arbeitnehmerseite steht hinter der Neuausrichtung und ärgert sich entsprechend über die Unruhe rund um die Aktie: „Das stört uns in unseren regulären Geschäftsabläufen“, sagt Mirko Geiger, Chef der IG Metall Heidelberg. Zu der Kursentwicklung selbst will der Gewerkschafter nicht Stellung nehmen.

„Heideldruck ist eine sehr sensitive, konjunkturabhängige Aktie“, erklärt Stefan Maichl, Analyst bei der LBBW in Stuttgart, die jüngsten Kursverluste. In dem aktuell unsicheren Umfeld hätten es solche Unternehmen schwer. Zumal die Heidelberger mitten im Umbruch steckten und daher eher ein „Hoffnungswert“ seien. „Derzeit wird aber eher auf Sicherheit gesetzt“, so Maichl.

Noch ohne Vertrauen

Bei manchem Anleger seien auch noch die zahlreichen verfehlten Prognosen von Heideldruck in der Vergangenheit im Gedächtnis. „Da ist das Vertrauen noch nicht wieder ganz hergestellt“. Insgesamt halte er die Aktie mittlerweile aber für unterbewertet. Ob es wieder nach oben ginge, hänge nun davon ab, ob Heideldruck seine Ziele für das Gesamtjahr erreichen kann.