Hirschberg

Kommunalpolitik Hauptamtsleiter Ralf Gänshirt siegt am 4. August bei Bürgermeisterwahl über CDU-Fraktionschef Christian Würz

15 Schritte zum Karrieresprung

Es sind nur 15 Schritte Entfernung von seinem alten zum neuen Büro – eigentlich eine kurze Distanz. Für Ralf Gänshirt markiert dies jedoch einen klaren Karrieresprung: Am 20. August wechselt der bisherige Leiter des Hauptamtes offiziell in das wenige Meter entfernte Dienstzimmer des Bürgermeisters. Eine neue Zeit beginnt für den 52-Jährigen, aber auch für die Gemeinde Hirschberg.

Dabei ist zu Beginn des Jahres 2019 noch gar nicht klar, wann überhaupt ein neuer Bürgermeister dieses Büro beziehen wird. Der bisherige Hausherr Manuel Just gewinnt zwar bereits im Vorjahr die Oberbürgermeisterwahl im benachbarten Weinheim, kann das Amt aber ein Jahr lang nicht antreten: Seine Kontrahentin Fridi Miller, die landesweit bekannte Überall-Kandidatin, erhebt Einspruch, der Behörden und Gerichte monatelang beschäftigt.

Just endlich nach Weinheim

Am 2. Mai 2019 sind alle Wege ausgereizt: Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg erklärt die OB-Wahl für gültig. Und dann ist es endlich soweit: Just kann wechseln. Am 13. Mai nimmt er auf dem Chefsessel in der Großen Kreisstadt Platz.

Damit werden an seinem bisherigen Wirkungsort die Karten neu gemischt. Schon lange haben zwei Interessenten ihren Hut im Ring: Hauptamtsleiter Ralf Gänshirt und CDU-Fraktionschef Christian Würz, miteinander befreundet und darüber hinaus dem gleichen politischen Lager, dem bürgerlichen, angehörig. Das Lager links der Mitte, allen voran die bei der vorausgegangenen Kommunalwahl so erfolgreichen Grünen, stellt keinen Kandidaten. Die Ausgangslage für Würz ist dennoch schwierig: Er wird nur von seiner eigenen Partei, der CDU, unterstützt.

Wer beide bekannte Gesichter aus dem Ort nicht will, dem bleibt als Alternative – der Gebäudereiniger Tobias Wolk ist das eher nicht – der Mannheimer Event-Manager Jens Flammann. Die 13 Prozent, die er im ersten Wahlgang am 21. Juli erhält, sind mehr als ein Achtungserfolg; sie zeigen, dass der Wunsch nach dem vielzitierten frischen Wind von außen durchaus seine Anhänger hat. Zwar hat Flammann keine Siegeschance, dennoch hat seine Kandidatur Folgen: Sie verhindert die absolute Mehrheit eines der beiden Platzhirsche in der ersten Runde. Mit 40 zu 45 Prozent bringt sie politisch ein Patt zwischen Würz und Gänshirt mit leichtem Vorsprung für letzteren – zu wenig für eine klare Vorhersage.

Sieg ohne absolute Mehrheit

Am 4. August kommt es zum Endspurt. Vier treten noch einmal an – und sogar noch ein neuer: Frederik Heil von der satirischen „Partei“. Gänshirt erhält 48,4 Prozent – weniger als die absolute Mehrheit, die bei diesem Wahlgang aber nicht vorgeschrieben ist. Würz bleibt ihm mit fast 44 Prozent dicht auf den Fersen – in seiner Heimat Großsachsen noch stärker als in Leutershausen. Längst überkommen geglaubtes Ortsteildenken ist plötzlich wieder Thema, was mit Sorge betrachtet wird.

Am 19. August erhält Gänshirt die Nachricht, dass niemand gegen die Wahl Rechtsmittel eingelegt hat und diese daher gültig ist – Fridi Miller hat hier ja nicht kandidiert. Für den Wahlsieger ein schönes Geschenk, feiert er doch an jenem Tag seinen 52. Geburtstag.