Hirschberg

Hirschberg Duo „Commedia Nova“ spielt in der Alten Synagoge

Eine Mischung aus Konzert und Satire

Archivartikel

Gepuderte Perücken, Kartenspiele, Alkohol und lautstarke Unterhaltungen: In einer Theaterloge des 18. Jahrhunderts ging es ein wenig anders zu. Während man heute einer sorgfältig einstudierten Aufführung ruhig beiwohnt, konnte es vor 300 Jahren schon mal passieren, dass genervte Besucher ihre Getränke ins Parkett schleuderten: Der Begriff „Fiasko“ hat nicht von ungefähr mit dem italienischen Wort für „leere Flasche“ zu tun. Einer, der die Zustände der damaligen Zeit genau kannte, war der Komponist Benedetto Marcello. In der Satire „Il teatro alla moda“ nahm er sie aufs Korn.

Das „Modische Theater“, 1722 ohne Autorenangabe erschienen, rechnete gleich mit der gesamten Oper ab. Irgendwann bekam das deutsch-italienische Duo „Commedia Nova“ das Buch des Venezianers in die Hände, vertiefte sich darin. Sie studierten Arien aus Marcellos Oper „Arianna“ sowie Werke von Zeitgenossen ein und kombinierten alles zu einer eigenwilligen Bühnenproduktion, mit der Gaby Bultmann und Daniele Ruzzier jetzt bei „Musik in Hirschberg“ im Rahmen der Reihe „Concerti e piú“ gastierten.

Man hätte der Aufführung in der Alten Synagoge mehr Publikum gewünscht, doch wer sie erlebte, durfte optisch und klanglich eintauchen in das Venedig der Barockzeit: An der Wand hing eine Flagge mit dem Markuslöwen, ihre warmen Farben abgestimmt auf das Holz des Cembalos und das Orangerot der verschiedenen Kostüme, in welche die Musikerin und der Schauspieler anderthalb Stunden lang schlüpften.

Gekonnte Darstellung

Langsam zog eine behäbige Bach-Interpretation hinein in die längst vergangenen Zeiten, während Ruzzier geschäftig herumlief, vorgab, Kerzen anzuzünden und zu einem Flötenstück die Glocke schlug.

Mit Reifrockgestell und grauen Locken verwandelte sich Bultmann in die Primadonna, erfreute das Publikum mit glasklar gesungenen Arien, während ihr Partner als überdrehte Mutter der Künstlerin oder ihr schrulliger Gönner durch die Szene wirbelte und der Schönen Duftwässerchen, Riechsalz, Getränke, ihren Papagei und sogar das Käuzchen zur Belustigung brachte. Rhythmusgefühl oder saubere Intonierung konnte die Diva getrost vernachlässigen, dafür zwitscherte sie die Koloraturen mindestens so selbstverliebt wie der Sänger mit der Sonnenkönig-Perücke, der nachher zu seinem faszinierenden Solo ansetzte.

Was war das nun? Konzert, Schauspiel, Satire oder Geschichtsstunde? Wahrscheinlich von allem etwas. Vor allem unterhaltsam, scharfzüngig und virtuos aufgeführt.