Hirschberg

Hirschberg Am Freitag, 12. Oktober, wird die Ausstellung „Hein Albig und Freunde“ in der Hirschberger Rathausgalerie eröffnet

Er hat Landschaften auswendig gelernt

Nackte Frauen rekelten sich auf den Bildern klassischer Künstler gerne auf Diwanen oder Blumenwiesen – Hein Albig zeigt eine lebensgroße Schönheit dagegen im Bad, und man hat den Eindruck, dass sie gerade aus der Dusche kommt. Die Erscheinung ist verschwommen, ihre die Konturen verschwimmen hinter dem geriffelten Glas einer Badezimmertür: 1972 malte der Künstler gleich drei dieser Akte hinter Türen, doch bei der neuen Ausstellung „Hein Albig und Freunde“ ist nur einer zu sehen. Ausgewählt hat ihn Thomas Duttenhoefer, Künstlerkollege aus der Gruppe „Argo“, der etwa 100 Werke aus den verschiedenen Lebensphasen Albigs zusammentrug und sie ergänzte durch Arbeiten von Rudolf Dister, Christiane Maether, Thomas Schubert, Karlheinz Treiber, Willy Weiglein und von ihm selbst. Untertitel der Bilderschau ist „Gedächtnisausstellung“ – im letzten Jahr verstarb Albig noch vor seinem 80. Geburtstag, den er dieses Jahr hätte feiern können.

Quadratische Leinwände

Er sei „mitten aus dem Leben gerissen“ worden, sagt Treiber, der ihn kurz vor seinem Tod noch im Krankenhaus besuchte. Zum Gespräch mit dieser Zeitung sind Albigs Frau Uli und eine seiner Töchter, Nanni, gekommen. Sie sagt: „Mein Vater hatte einen unermüdlichen Schaffensdrang.“ Der zeigte sich bereits in der Nachkriegszeit, wo Material knapp war. „Hein Albig hat im Speyerer Hafen nach Gebrauchsgegenständen gesucht und Kittel, Holzreste, Schürzen und vieles andere gefunden“, berichtet Treiber. Daraus entstanden Collagen; in der Rathausgalerie hängen schon die ersten: Quadratische Leinwände mit schwarz kolorierten Eierkartons, Holzfragmenten oder geometrischen Farbfeldern aus kräftig-rotem Schiffslack. Albig sei Perfektionist gewesen, sehr kritisch, habe sich in Details vertiefen können, erinnert sich Treiber: „Deshalb ist heute auch noch alles so gut erhalten.“

Unübersehbar die Einflüsse der Popart mit ihren kräftigen Farben, die die Kunstwelt vor 50 Jahren prägten, bei Albig jedoch auch das Bedürfnis weckten, zur Gegenständlichkeit zurückzukehren: Zeichnungen, Radierungen und Tuschebilder entstanden in den kommenden Jahren. Ihr Mann habe sich Landschaften in allen Einzelheiten merken können, berichtet Uli Albig, er habe sie „regelrecht auswendig gelernt“. Immer wieder arbeitete der junge Künstler aber auch mit Industrie-Relikten wie kaputten Schaltkästen; Treiber nennt sie „atomare Landschaften“.

Und immer wieder hätten auch „aleatorische“ Elemente eine Rolle in Albigs Bildern gespielt, die Produkte von Zufälligkeiten, wie man sie auf vielen sorgfältig gezeichneten Werken sieht; da gibt es Mädchenköpfe in Blau mit fein gestrichelten Linien, die beinahe an Geldscheine erinnern. Wenn da nicht irgendwo Farbspritzer oder Flecken wären. Liebevoll widmete sich der Zeichner seinen Modellen, bildete feine Linien, Einzelheiten der Iris oder Ringellöckchen im Nacken ab.

Der Kulturfördervereins-Vorsitzende erinnert sich an den Großsachsener aber auch wegen dessen Engagement für den Verein: Das Logo stammt aus seiner Feder, und von ihm kam die Idee für die „Hirschberger Kulturtage“. Eins von Albigs Schiffslack-Bildern hängt im Hirschberger Rathaus, andere Werke bei der Stadt Speyer, im „Ritter-Sport-Museum“, in der Pfalz-Galerie Kaiserslautern oder im Regierungspräsidium Rheinland-Pfalz. Wie groß das Lebenswerk des Malers ist, wisse die Familie noch gar nicht genau, erzählt Nanni Albig: „Wir entdecken ständig etwas Neues.“ Und auch die Hirschberger haben nun Gelegenheit dazu. stk