Hirschberg

Hirschberg Eine der wenigen Synagogen, die erhalten ist

Fast wie 1868 – aber nur äußerlich

Die alte Synagoge von Leutershausen ist eine der wenigen in der Region, welche die Zerstörung jüdischer Gotteshäuser 1938 übersteht. Seit ihrer Einweihung 1868 ist sie steinernes Zeugnis wechselvoller Geschichte der Juden dieser Gemeinde.

Anfang 1939 verlassen die beiden letzten jüdischen Bürger den Ort. 24 schaffen es, in die USA, nach Argentinien oder Palästina zu fliehen. 21 werden Opfer des Holocaust, unter ihnen Kantor Meier Heller 1942 in Theresienstadt; heute trägt der Platz neben der Synagoge seinen Namen.

Doch schon im November 1938 existiert keine Jüdische Gemeinde mehr. Im Rahmen der von den Nationalsozialisten gepflegten Scheinlegalität übernimmt die politische Gemeinde mit einem „Kaufvertrag“ vom 4. April 1938 die Synagoge.

SA aus Ladenburg will wüten

Dies bewahrt sie allerdings vor der Zerstörung in der Pogromnacht vom 9. November 1938. Zwar erscheinen SA-Leute aus Ladenburg, um sie anzuzünden; doch Anwohner verweisen auf den Gemeindebesitz und die angrenzende „arische“ Tabakscheune, die dabei mit abbrennen würde.

Ab 1940 dient das Gebäude als Unterkunft für Kriegsgefangene. Nach 1945 fällt es an die Sachwalterin früheren jüdischen Vermögens in New York und von dieser – da es vor Ort keine Juden mehr gibt – 1952 an das Land, das es verkauft.

Zuerst wird es als Konservenfabrik genutzt. Dazu werden im Innern Verzierungen beseitigt, eine Zwischendecke eingezogen, die Rundfenster zu eckigen umgestaltet. Nichts erinnert mehr an das religiöse und historische Erbe. Diese Dickfelligkeit ändert sich nur langsam.

Wiederherstellung ab 1985

1985 erwirbt die Gemeinde das Gebäude und bringt zunächst die Fassade in einen würdigen Zustand. Der Auszug der Druckerei ermöglicht eine neue Phase in der Geschichte des Bauwerks. 1996 beschließt der Gemeinderat Hirschberg seinen Erhalt, die Sanierung und die Nutzung für kulturelle Veranstaltungen.

Die Zwischendecke wird entfernt und damit der ursprüngliche Zuschnitt im Innern wiederhergestellt. Beim Umbau werden zwei historische Glasfenster entdeckt; sie waren zugemauert und konnten dadurch den Sturm der Zeit überstehen.

Am Ende wird es ein eindrucksvolles Wiedererstehen, nicht zuletzt dank der vom schottischen Künstler John Clark gestalteten Rosenfenster. Am 11. November 2001 erfolgt die Einweihung mit Gästen aus den USA, Angehörigen ehemaliger jüdischer Familien. Seither besteht hier für alle ein Ort der Begegnung. -tin

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