Hirschberg

Hirschberg Zwei ausverkaufte Veranstaltungen mit dem preisgekrönten Film „25 km/h“

Freiluftkino zum Warmlachen

Archivartikel

Trotz komfortabler Lichtspielhäuser mit Dolby Surround hat das Open-Air-Kino bis heute nichts an Reiz verloren. Nicht nur die Qualität einer Filmwiedergabe zählt, sondern auch der Spielort: Wenn die Vorführung in der zauberhaften Idylle einer romantisch beleuchteten Blumenoase an einem murmelnden Bach stattfindet, wirkt das wie ein kleiner Urlaub. Pia Hesse und Klaus Gärtner hatten am Wochenende zusammen mit dem Olympia-Kino zum achten Mal ins kulinarische Freiluftkino in den ehemaligen Mühlen-Hofladen in Großsachsen eingeladen. Renate Keppler-Götz vom Förderkreis Olympia-Kino hatte mit ihrem Team ganze Arbeit geleistet, das Kino im Mühlenhof zu verwirklichen. Die Gemeinde stellte die Stühle, die Baumschule Huben prachtvolle Hortensien.

Vor dem Filmstart konnten Hunger und Durst gestillt werden. Im Angebot war nicht nur Popcorn, es gab unter anderem auch würzige Wildschwein-Bratwurst und Elsässer Flammkuchen. Dazu konnte man ein im Eintrittspreis enthaltene Gläschen Prosecco genießen oder einen trockenen Weißburgunder. Mit jeweils 200 Besuchern war die Freiluftveranstaltung am Freitag- und Samstagabend „ausverkauft“. Decken und Steppjacken kamen zum Einsatz, als die Sonne unterging und es im Mühlental empfindlich kühl wurde. Da kam das deutsche Roadmovie „25 km/h“ als „Film zum Warmlachen“, so Klaus Gärtner, gerade recht.

Trip durch Deutschland

Die urkomische Komödie um die entfremdeten Brüder Christian und Georg (Drehbuch: Oliver Ziegenbalg, Regie: Markus Goller) brachte den Zuschauern jede Menge Spaß und eine gehörige Portion Nachdenklichkeit. Traumhaft ist die Besetzung der Hauptrollen, aber auch die bis in die kleinsten Nebenrollen agierende Schauspielriege der Extraklasse wie Franka Potente, Jella Haase und Jördis Triebl. Allen voran jedoch der exzentrische Narzisst Lars Eidinger, der mit seiner selbstzerstörerischen Darstellung des Hamlet auch nach zehn Jahren Spielzeit ganze Völkerscharen nach Berlin lockt. Nicht weniger eindrucksvoll ist Bjarne Mädel, der weit mehr kann als „Tatortreiniger“ und bei „Stromberg“ den Trottel vom Dienst spielen, obwohl er seine Figuren längst zum Kult erhoben hat.

„25 km/h“, als bester Spielfilm für den Deutschen Filmpreis 2019 nominiert, beginnt in einem kleinen Schwarzwalddorf, wo sich der viel gereiste Topmanager Christian (Lars Eidinger) zur Beerdigung seines Vaters nach 30 Jahren erstmals wieder in seiner Heimatgemeinde blicken lässt – mit erheblicher Verspätung. Sein Bruder Georg (Bjarne Mädel) ist darüber so erzürnt, dass er am offenen Grab über ihn herfällt und es zu einer kindlich anmutenden Rauferei kommt. Bei Tischtennis und Alkohol finden die Brüder wieder zueinander und beschließen spontan, mit ihren alten Mofas den Trip durch Deutschland nachzuholen, von dem sie als Teenager geträumt hatten.

Besonders amüsant sind die Szenen, in denen sie ihre geplanten „Aufgaben“ in die Tat umsetzen, wie sich einmal beim Griechen durch die Speisekarte essen, eine schlafende Kuh umwerfen und am Timmendorfer Strand ins Meer pinkeln. Die erReise durch reizvolle Landschaften enthält klassische Motive des Roadmovies, der Film wird aber allein von den beiden Schauspielern Lars Eidinger und Bjarne Mädel getragen, die sich mal streiten und mal lieben. Ihre Beerdigungsanzüge, die sie während des Films nicht ablegen, werden dabei immer lockerer und schmuddeliger als Sinnbild eines unkonventionellen Lebens. rav