Hirschberg

Hirschberg Bau-Ingenieur Thomas Thünker nutzt Corona-Flaute zur Umsetzung einer Geschäftsidee / Wichtige Orte auf Holz gebrannt

Für jedes Traumziel das passende Schild

Nicht alles ist nur schlecht an der Corona-Pandemie. Bei den einen sorgt sie für Entschleunigung, andere werden in dieser Zeit kreativ und wagen sogar den Schritt in die Teil-Selbständigkeit. So auch der Großsachsener Thomas Thünker. Was er macht, das sieht man bereits, wenn man seinen Vorgarten betritt: Dort wartet ein Schild auf die Besucher, dessen Pfeile in viele verschiedene Richtungen zeigen. „Traumurlaub“ steht auf dem einen, „Geburtsort“ auf dem anderen, ganz oben „Dein-Sign“.

„Dein-Sign“ – der Name ist Programm. Die deutsch-englische Wortkreation steht dafür, dass jeder bei Thünker seinen eigenen, individuellen Wegweiser kreieren kann. Was steckt dahinter? Und wer soll so etwas kaufen? Von Corona wusste man in Deutschland noch nichts, als Thomas Thünker im Dezember vergangenen Jahres die Idee kam, Freundin Cathrin mit einem ganz persönlichen Geburtstagsgeschenk zu überraschen – eben solch einem Wegweiser, der markante geografische Punkte im Leben der Familie aufgreift.

Das gute Stück befindet sich im schönen Garten des Einfamilienhauses in der Schillerstraße. New York steht dort in Großbuchstaben auf das Nadelholz gebrannt, mit der Kilometerangabe 6236. Noch sind sie dort nicht gewesen. Es ist das gemeinsame Traumziel. Der Pfeil weist zumindest schon einmal in die richtige Richtung.

Nach Köln, so sieht man, sind es vom Wohnhaus der Familie nur 199 Kilometer. Da kommt Cathrin her. Den Köln-Pfeil gibt’s in der Muttertagsversion auch am Wegweiser im Vorgarten: Dort steht „Kölle“ – versehen mit einem roten Herzen . Alles Pfeile zu den geografischen Schätzen eines Lebens, die wegweisend waren.

„In den vergangenen Wochen und Monaten sind sämtliche Termine ausgefallen“, erklärt Thünker. Kein Tennisspielen, keine Proben und Auftritte mit dem Shantychor, kein Treffen mit Freunden, keine Kneipenbesuche. Aber ganz viel Zeit für Muße und Kreativität, um mit der Wegweiser-Idee in Serie zu gehen und einen Prototypen zu entwickeln. Schließlich meldete Thünker sogar ein Nebengewerbe an und freut sich nun über Aufträge.

Wer zählt bisher zu seinen Kunden? Hochzeitspaare werden gerne mit einem solchen Schild beschenkt, verrät der kreative Großsachsener. Man kann den Kennenlernort, den Lieblingsplatz oder den Geburtsort einbrennen lassen, das Traumziel, den Hochzeitsort, die Stammkneipe, den Lieblingsverein und vieles mehr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch für Jubiläen, runde Geburtstage und vieles mehr eine prima Idee, findet der kreative Kopf. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und man kann natürlich jederzeit Ergänzungspfeile bestellen, etwa, wenn das erste Kind auf die Welt kommt oder das nächste Traumziel bereist wurde.

Sind die Ideen da, macht sich Thünker an die Arbeit. Das sägeraue Nadelholz wird auf die richtige Länge geschnitten – je nach Anzahl der Buchstaben. Die Kanten werden gebrochen, die Spitzen der Pfeile werden mit Farbe bemalt und dann geht es ans Brennen der Buchstaben und Zahlen. Dafür verwendet Thomas Thünker einen Brennkolben und Schablonen. „Zunächst habe ich mit Blechschablonen gearbeitet. Die ließen aber nur einen Schriftstil zu“, erklärt er. Nun hat er Kunststoffschablonen, malt die Konturen vor dem Brennen auf das Holz – so sind auch andere Schrifttypen möglich. Der Ort kommt auf die Vorderseite des Pfeils, die Kilometeranzahl – wahlweise Länge- und Breitengrade – auf die Rückseite. Ganz besonders viel Arbeit machen die Kilometerangaben – es zählt die Luftlinie – und die Ausrichtung der Pfeile. „Ich muss ganz genau wissen, wo der Wegweiser einmal stehen wird.“ Schließlich soll die Richtung stimmen. Deshalb wird der Wegweiser ganz genau ausgerichtet. Würde man immer geradeaus laufen, käme man tatsächlich ans Ziel. Der Wegweiser wird unbehandelt ausgeliefert. Wer möchte, kann das nachholen. Aber so ein bisschen Patina schadet dem rustikalen Hingucker nicht, findet Thomas Thünker.