Hirschberg

Hirschberg Führung und Lesung zur Ausstellung „Ecce homo“

Klang und Bild treffen zusammen

„Das ist mal was ganz anderes“, sagt Karlheinz Treiber. Der Vorsitzende des Kulturfördervereins meint die Kombination aus Lesung und Musik, die das Publikum im Bürgersaal gerade in einer Art Trancezustand zurückgelassen hat. An sich ist das Zusammenwirken von Klängen und Bildern nichts Ungewöhnliches, doch Künstler Cesare Marcotto und Pianist Peer Findeisen haben eine hypnotische Mischung daraus gemacht, meditative Texte zu den Bildern des Neustädter Malers, die aus Pigmenten und Wasser entstehen. Der gebürtige Italiener hat vor 35 Jahren mit seiner ungewöhnlichen Technik angefangen, Farbe „zu schütten, zu werfen, sacken zu lassen.“

Herausgekommen sind immer neue, leuchtende Farbkombinationen, weiche Übergänge und an Landschaften erinnernde, schroffe Strukturen; vor sieben Jahren begann er mit dem Schreiben. Daraus entstand ein Buch, das jetzt erschienen ist und denselben Titel wie die Lesung trägt. Nahtlos geht der Autor von der Einleitung über zum Text, berichtet, wie er als Kind fasziniert war von Pfützen: „Eine Sinfonie von Farben, Zauber mit Linien.“

Seine Wandlungsfähigkeit, die Kraft, Landschaften zu gestalten und auch sein Einfluss auf die Kunst stehen im Mittelpunkt seiner Gedanken. Er wird nicht gern Künstler genannt, sieht in dem Wort etwas Trennendes: „Kreativ“ ist ihm lieber, wenn er berichtet, wie ihn das tiefe Blau des Himmels, Mittagshitze und die Naturmaterialien, die er verwendet, inspirieren. Debussy-Stücke erklingen dazu oder Ausschnitte aus John Adams’ „China gates“, brillant, präzise und leicht. Baumwipfel faszinieren den Maler, die Bewegungen ihrer Zweige erinnern ihn an Arme und Beine im Tanz – da ist der Abend wieder am Anfang angekommen. Als nämlich Treiber zu einer kurzen Führung nach nebenan in die Rathausgalerie bat: In der Ausstellung „Ecce homo“ hängen Thomas Duttenhoefers allegorische Bilder, steht seine Skulptur, die die Verwandlung der Quellnymphe Daphne zeigt. „Ihre Schönheit“, sagt Treiber, „wird gebrochen.“ Das Werk zeige den Moment, in dem sich Arme und Beine in die Zweige eines Lorbeerbaums verwandeln. Marcottos Lesung findet sozusagen zur „Halbzeit“ der Werkschau statt, die bereits jetzt viele Besucher angezogen ha.

Großformatige Ölgemälde

Tiergesichter, Menschenkörper, Fabelwesen sind vereint nach den strengen Regeln des klassischen Bildaufbaus, erklärt er im Obergeschoss und zeigt, dass die Darstellungen gerade den „erhabenen Moment“ einfangen, sozusagen den entscheidenden Augenblick. Man sieht ihn auch in Patrick Marquès’ großformatigen Ölgemälden: Die Akte, mal gezeichnet, mal in subtiler „Sfumato“-Technik mit Licht und Schatten aus dem Dunklen geholt, würden heute so gar nicht zur aktuellen Genderdiskussion passen, vermutet Treiber. Für ihn sind die sinnlichen Körper dagegen „das Bejahen des Lebens schlechthin“.

Selbst Künstler, berichtet der Vorsitzende kenntnisreich vom Malen mit Pigmenten, Leinöl oder Mohnbutter, vom Setzen von Kontrasten und den Kenntnissen, über die schon die großen Meister der Renaissance verfügten. Er hat ein großes Publikum, und zur Marcotto-Lesung gesellen sich noch weitere Zuhörer. stk