Hirschberg

Hirschberg Trockenheit hat Bäumen schwer zugesetzt / Verkehrssicherheit ist gefährdet / L 596 wird während der Fällaktion in den Herbstferien gesperrt

Kompletter Waldstreifen muss fallen

Der Klimawandel hat seinen Preis: Wegen der Trockenheit des vergangenen Jahres sind viele Bäume abgestorben. Borkenkäfer und Pilzkrankheiten breiten sich aus. Das gilt für den ganzen Hirschberger Wald. Besonders stark betroffen ist ein Bereich nördlich der Talstraße, der sich über 300 Meter zwischen der Kunz’schen Mühle und der Gemeindegrenze am Ortseingang in Heiligkreuz erstreckt. Das Forstamt empfiehlt, alle Bäume, die auf die Straße fallen könnten, zu fällen. Der Gemeinderat folgte in seiner jüngsten Sitzung dem Rat der Fachleute. Die Aktion soll in den Herbstferien zwischen dem 28. und 31. Oktober stattfinden. Die Straße wird in diesem Zeitraum gesperrt.

„Der Wald leidet“, sagte Bürgermeister Ralf Gänshirt und wies auf den großen Bestand an Bäumen hin, die nördlich der Talstraße in Süd-Westlage wegen Wassermangel abgestorben sind. Der Baumbestand ist instabil und könnte auf die Talstraße gelangen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen die Bäume daher gefällt werden. Zum Einsatz soll dabei ein sogenannter Fällbagger kommen, der die Bäume in einem Arbeitsgang fällt und gleich bis zur Straße herausnimmt. Weil der Hang so steil ist, können die gefällten Bäume nämlich nicht am Hang liegen bleiben; sie könnten herunterrutschen.

Keine Aufforstung geplant

Im Einzelnen sollen alle Bäume entlang der Straße auf einer Tiefe von 25 bis 30 Metern gefällt werden. Orientierungspunkt ist dabei die Baumhöhe. Es muss sichergestellt werden, dass kein abknickender Baum die Straße erreichen kann. Diese Arbeiten werden von einer Spezialfirma mit dem Fällbagger ausgeführt.

Auch weiter oben am Hang bis auf Höhe des Teuerbrunnenweges müssen laut Verwaltung Bäume entfernt werden, die auf die Straße rutschen oder in Bruchstücken auf diese rollen könnten. Diese Arbeiten soll die Forstwirt-Arbeitsgruppe mit dem Rückeschlepper vornehmen.

Die Arbeiten lassen sich nur durchführen, wenn die L 596 voll gesperrt ist. Nach Rücksprache mit der Straßenmeisterei in Weinheim sollen dafür die Herbstferien genutzt werden. Noch ungeklärt ist, ob die Straße auch nachts gesperrt bleibt und ob die Straße für den Busverkehr der Linie 682 jeweils geräumt werden muss. Die Gemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von 26 000 Euro, etwas mehr als 20 000 Euro für die Arbeiten mit dem Fällbagger, der Rest für Umleitung und Straßensäuberung.

„Das ist unausweichlich“, sagte Ferdinand Graf von Wiser (CDU). Auch Karlheinz Treiber (GLH) befand: „Da gibt es nichts zu diskutieren.“ Es sei „todtraurig“, welche Baustelle der Wald geworden sei. Bürgermeister Gänshirt hatte zuvor der Forstwirt-Arbeitsgruppe seine Anerkennung ausgesprochen, die seit vergangenem Jahr versuche, die Schäden einzudämmen und eine weitere Ausbreitung der Schädlinge zu verhindern. Bernd Kopp (FW) regte an, auch auf der gegenüberliegenden Seite nach dem Zustand der Bäume zu schauen und gegebenenfalls zu handeln. Das ist laut Gänshirt aber offensichtlich nicht erforderlich.

Die südwestexponierte Lage, die jetzt betroffen ist, war seit jeher ein Grenzstandort des Waldes, weil sie sehr steil und flachgründig ist. Versuche in den 1940er-Jahren, dort eine Douglasien-Kultur anzulegen, scheiterten an der Trockenheit. Seither blieb der Bereich unbewirtschaftet. Dort wachsen Robinien, Eichen, Buchen, Hainbuchen, Eschen, Lärchen und wenige Douglasien. Sämtliche Baumarten weisen Schäden auf. Die Nadelbäume und die älteren Buchen sind zum großen Teil abgestorben.

Eine Aufforstung des steinigen Bereichs ist nach Aussage von Revierleiter Walter Pfefferle nicht geplant. Die betroffene Fläche habe keinen großen ökologischen Wert. Allenfalls sei es denkbar, an einzelnen Stellen wärmeresistente Baumarten wie Elsbeere, mediterrane Eichenarten oder Kirsche zu pflanzen, ansonsten will der Forst erst einmal warten, was sich natürlich dort ansiedelt. Büsche sollen zur Hangsicherung stehen bleiben. maz