Hirschberg

Hirschberg Der Leutershausener berichtet in der Alten Synagoge über sein ereignisreiches Leben / Veranstaltungsreihe der Volkshochschule

Nepal ist Richard Mays zweite Heimat

In Leutershausen daheim, in der Welt zu Hause: Richard May hat in seinem Leben schon viel gesehen. Als Kraftwerksbauer montierte er mitten in der Umbruchs- und Revolutionszeit Ende der 70er Turbinen im Iran, lernte bei Arbeiten am ägyptischen Assuan-Staudamm die Nil-Kultur kennen, bestieg als leidenschaftlicher Bergsteiger das Karakorum-Gebirge in Pakistan und den Kilimandscharo in Afrika. Seine zweite Heimat aber fand er in Nepal, wo der heute 76-Jährige soziale Projekte unterstützt.

Und doch ist May immer ein waschechter „Heisemer“ geblieben. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hirschberger Lebensläufe“ hat die VHS den Weltenbummler deshalb in der Alten Synagoge vorgestellt. Durchs Gespräch führte, mal humoristisch, mal ernst, der selbst ernannte „Dialektübersetzer“ Martin Stöhrer.

Vorstellen oder gar übersetzen brauchte er das „Heisemer Original“ aber nicht – kaum jemand im voll besetzten Saal kannte May nicht. Neues gab es dennoch für jeden zu hören. Zu zahlreich scheinen die Abenteuer des gelernten Werkzeugmachers, der als Bergsteiger und BBC-Monteur die Welt erkundete. Unerschöpflich die Anzahl seiner Anekdoten und Geschichten zum „alten“ Leutershausen, die viele Gäste in Erinnerungen schwelgend nicken ließen.

Dabei begann das Leben des Mays unter äußerst schwierigen Bedingungen. Mitten im Krieg kam er als Sprössling von Hedwig und Richard May am 29. Oktober 1943 in Heidelberg zur Welt. Gewohnt hat er aber schon immer im Oberdorf von Leutershausen. Im Bergweg „In der Steig“, berichtete er. Für die Geburt seines Sohnes hatte Vater Richard sogar Heimaturlaub bekommen. Doch die Freude über die Geburt seines Erstgeborenen hielt nicht lange. Nur sechs Wochen später fiel er mit 28 Jahren auf der Halbinsel Krim. „Das war damals nun mal so“, erzählte Sohn Richard mit stockender Stimme.

Gemeinsam mit seiner verwitweten Mutter wohnte er fortan bei seiner Großmutter. „Sechs Buwe waren wir“, erinnert er sich. Neben seinen Cousins kam dort nach dem Krieg auch sein jüngerer Bruder Günther zur Welt. Besonders seine Geschichten über „Lehrer Willi Lobsinger“, die Hebamme „Keinz Gretche“ oder „Schwester Lispia“ im katholischen Kindergarten sorgten für Gelächter unter den älteren Gästen im Publikum. Nach seiner Lehre und der Meisterprüfung bei den Hommel- Werken in Mannheim zog es Richard May schnell hinaus in die Welt. Nach seinem Wechsel zur benachbarten BBC bereiste er als Monteur viele fremde Länder – auch mit Frau und Kindern. „Liebe auf den ersten Blick“ sei es mit seiner Frau Ilse aus „Venne“ gewesen.

Immer höhere Berge erklommen

Nach der Hochzeit 1967 kam Tochter Kirsten zur Welt, inzwischen hat die Familie auch zwei Enkel. Mit Kind und Kegel reiste der Monteur für seinen Job in den Iran. „Als der Umbruch kam und die Bundesregierung unsere Sicherheit nicht mehr gewährleisten konnte, sind meine Frau und Tochter aber vorzeitig zurück“, so May. Er selbst ist geblieben. Und hat auf seinen „Dienstreisen“ gemeinsam mit einem Siemens-Monteur immer mehr die Bergwelt lieben gelernt. Schon vorher war er dem Alpenverein in Weinheim beigetreten, ist außerdem seit 1996 Vorsitzender des Laufsportvereins.

Neben Läufen von Leutershausen nach Berlin oder Wien erklomm er immer höhere Berge. Auf Bergstraße folgte Schwarzwald, auf Alpen Dolomiten. Allein viermal – einmal mit Enkel Viktor – kletterte May die Zugspitze hinauf. Nach dem Groß-Glockner und dem Ortler wusste er aber irgendwann: Es muss noch höher sein. Auch der Kilimandscharo mit fast 6000 Metern war ihm nicht genug. „Ich wollte die 8000er sehen“, so May.

Deshalb ging es für ihn nach einem Aufenthalt in Pakistan mit dem Flugzeug nach Nepal. „Ein Kindheitstraum“, wie er sagte. Dort lernte er aber nicht nur den Himalaja und den Schicksalsberg der Deutschen, den über 8000 Meter hohen Nanga Parbat, sondern auch eine Kultur kennen, die ihn nie wieder losließ. „Eine ganz andere Welt“ – in die er immer wieder zurückkehrte. Seit 18 Jahren unterstützt der 76-Jährige, überwältigt von der Armut, dort zwei Kinderhäuser, den Aufbau einer Schule sowie ein Hospital im Bergdorf Bung. Und obwohl er zwei Stunden Zeit hatte – jede Geschichte hat er noch lange nicht erzählt. kms