Hirschberg

Hirsschberg Vortrag in der Alten Synagoge am 11. November / Film mit 14 Zeitzeugen im „Olympia“-Kino

Nicht überall waren sie willkommen

Mit der Plünderung und Zerstörung jüdischen Besitzes und jüdischer Gotteshäuser begann vor 80 Jahren die millionenfache Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten. Anlässlich des Gedenktages am 9. November laden jetzt der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen und das Olympia-Kino zu zwei Veranstaltungen ein.

Über „Die Rückkehr jüdischer Nachbarn im ländlichen Raum“ hält Anna Junge vom Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin am Sonntag, 11. November, um 18 Uhr in der Ehemaligen Synagoge Leutershausen einen Vortrag. Dazu lädt der Synagogen-Arbeitskreis ein. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

In Hessen existierten bis zu der Zeit des Nationalsozialismus besonders viele jüdische Landgemeinden. Heute zeugen davon jüdische Friedhöfe und Synagogengebäude oder jüdische Schulen, die zum Teil seit den Novemberpogromen 1938 unverändert als Scheune genutzt oder bewohnt werden. Die Bewohner der Orte duldeten diese jüdischen Spuren bei gleichzeitiger, zum Teil noch bis heute bestehender Abwehr einer öffentlichen Auseinandersetzung oder einer Weitergabe der Erinnerungen.

1945 gab es keine „Stunde Null“ – vielmehr gab es ein Wiedersehen: Jüdische Soldaten als Angehörige der alliierten Streitkräfte besuchten ihre Herkunftsdörfer, Jüdinnen und Juden überlebten in „Mischehen“, andere kehrten aus Konzentrations- und Vernichtungslagern zurück, begaben sich auf die Suche nach Verwandten oder wollten hierlangfristig wieder sesshaft zu werden. Der Vortrag geht den Fragen nach, wie die Überlebenden 1945 von ihren Nachbarn empfangen wurden, welche Auseinandersetzungen geführt wurden und inwiefern schon damals die Vergangenheit verhandelt wurde.

Anna Junge berichtet von Lokalforschungen und Interviewerfahrungen mit jüdischen und nichtjüdischen Zeitzeugen zu Nationalsozialismus und Nachkriegsgeschichte im ländlichen Hessen. Es geht darum, welche Geschichten heute wie erzählt und gedeutet werden, und mit welchen Problemen Lokalforschungen zu Nationalsozialismus und jüdischer Geschichte heute konfrontiert sind.

Die Referentin studierte Jura, absolvierte einen Masterstudiengang „Holocaust Communication and Tolerance“ und ist seit Ende 2016 Doktorandin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Den Film „Wir sind Juden aus Breslau“ zeigt das Olympia-Kino am Samstag, den 10. November und Samstag, den 17. November jeweils um 18 Uhr. Es geht darin um junge, erwartungsfrohe Menschen, die in Breslau, der Stadt mit der damals drittgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands, lebten.

Vergangene Lebenswelten

Ab dem Zeitpunkt von Hitlers Machtergreifung verbindet sie das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige wirkten bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mit.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wroclaw, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen.

Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus, schreiben die Veranstalter, schlage der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft. WN