Hirschberg

Hirschberg Im Rahmen der Französisch-AGs an der Großsachsener Grundschule sprechen Deutsche und Franzosen via Video-Chat

Schüler gehen zusammen online

„Kommt denn der Emmanuel Macron auch?“ Ein Junge hat hohe Erwartungen an das Skype-Gespräch, das die Französisch-AGs der Grundschule Großsachsen mit der École élémentaire Jean Moulin im verschwisterten Brignais führten. Klassenlehrerin Myriam Rachid-Dilling und Partnerschaftsvereins-Vorsitzende Danielle Fouache müssen verneinen: Der französische Präsident kann leider nicht an der Video-Übertragung teilnehmen. Dafür kommt aber ein anderer „Manuel“ dazu, nämlich Hirschbergs Bürgermeister Just.

Die 24 Schüler sind aufgeregt, bevor sie „online“ gehen. Für viele dürfte es das erste Mal sein, dass sie mit Franzosen skypen. Die Schüler der Martin-Stöhr-Grundschule haben eine solche Videoübertragung schon hinter sich – vor zwei Jahren sprachen sie mit den Schülern der École Claude Fournion über ihre Lieblingsnationalspieler zur Fußball-Europameisterschaft.

Gleich werden die Großsachsener Grundschüler ihre französischen Brieffreude – zumindest auf dem Bildschirm – kennenlernen und auf Französisch über ihre Vorlieben zum Frühstück reden. Wochenlang haben sich die Dritt- und Viertklässer auf diesen Moment vorbereitet. Sich auf Französisch vorzustellen und über die eigenen Hobbys zu reden, haben sie ebenfalls drauf.

Als sich die Klassen schließlich virtuell „gegenüberstehen“, verschwindet ihre anfängliche Aufregung. „Bonjour, comment ça va?“, singen die deutschen Schüler aus voller Kehle, die Franzosen antworten mit einem ebenfalls gesungenen „Guten Tag“. Rachid-Dilling begrüßt kurz ihre französische Kollegin Fanny Desfrasnes, dann bauen sich die kleinen Franzosen im Wechsel vor der Kamera auf. „Ich mag Apfelsaft“ – „Ich mag Müsli“ – „Ich mag Kakao“, spulen die französischen Schüler der Reihe nach runter. Eine Tasse „chocolat chaud“ wäre auch die Wahl von Bürgermeister Manuel Just gewesen. Er zog es aber dann doch vor, anstelle eines Satzes auf Französisch kurz in die Kamera zu winken.

Während die Franzosen sprechen, hören die deutschen Grundschüler höflich zu. Der ein oder andere winkt unauffällig aus den Reihen oder macht lustige Handzeichen, was hier und da von einem Video-Gesprächspartner erwidert wird.

Crêpes zum Frühstück

Dann sind die Großsachsener Schüler dran. „J’aime la baguette“, berichten mehrere von ihnen. Auch Crêpes oder Croissants mögen sie gern zum Frühstück – diese Essenswahl fällt durchaus schmeichelhaft für die französischen Freunde aus. Élouan, der mehrsprachig aufgewachsen ist, formuliert ein sprachliches Sahnehäubchen: Er isst gern „galette“. Der Rest ist Geschmackssache – ein Junge ernennt Pizza zu seinem Leibgericht, ob er sie auch zum Frühstück isst, bleibt fraglich.

Zwar rauscht der Ton, weshalb viele Wörter und Sätze verloren gehen, die Schüler machen ihre Sache aber durchweg gut. Mehrfach sagen einige französische Schüler, dass sie gern „computern“, was für Erheiterung sorgte. Die Deutschen haben einen kleinen sprachlichen Vorsprung, obwohl sie nur einmal die Woche 45 Minuten Französisch lernen.

Nicht nur Essgewohnheiten, auch die Gesprächspartner an sich interessierten die Schüler. Viele waren neugierig, wie ihr Brieffreund oder ihre Brieffreundin wohl aussehen mag. „Wer hat mir geschrieben?“, fragt eine Schülerin in die Kamera. Ein Mädchen wünscht sich eine „correspondante“. Und als Mattea ihre Brieffreundin vor sich sieht, ist ihr anzusehen, dass sie ein bisschen bewegt ist. Der Beginn einer echten Freundschaft? Möglich wäre es. Sich die moderne Kommunikation für eine Video-Übertragung zunutze zu machen, erleichtert den Kindern, erste freundschaftliche Bande zu knüpfen. Die echte Begegnung bleibt unübertroffen. Vielleicht ergibt sich ein reale Treffen in der geografischen „Mitte“: Wenn alles gut läuft, machen die Kinder der Französisch-AGs einen Ausflug nach Straßburg. wn