Hirschberg

Hirschberg AWO-Ortsverein feiert hundertjähriges Bestehen

Starker Partner für Schwache

Die einst selbstständigen AWO-Ortsvereine Leutershausen und Großsachsen durften bis zum Zusammenschluss jeweils ihr 70-jähriges Bestehen feiern. Das nächste große Jubiläum, das 100-jährige Bestehen der Bundes-Organisation, die zu den ältesten Wohlfahrtsverbänden der Republik zählt, findet nun in organisatorisch veränderter Form statt.

Eine Fusion der beiden Vereine zu einem Ortsverein Hirschberg mit nunmehr knapp 160 Mitgliedern bahnte sich schon länger an. Doch bis es soweit war, brauchte es viele Gespräche; ein letztes Mal wurde getrennt getagt, dann wählten die 48 erschienenen Mitglieder bei der Versammlung in der Rathausgalerie ihren Vorstand.

Großsachsens Vorsitzender Horst Metzler erinnerte daran, dass er sein Amt nur noch kommissarisch ausübte, denn in den Jahreshauptversammlungen der vergangenen Jahre erklärte sich niemand bereit, den Posten zu übernehmen. Darüber hinaus waren die Posten des Kassierers und des Schriftführers verwaist, sodass Metzler auch diese Ämter ausfüllte.

Nachdem die Mitglieder der AWO Großsachsen entschieden, den Ortsverein nicht aufzulösen, sondern eine Fusion mit der AWO-Leutershausen anzustreben, bildete sich eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Leutershausener Vorsitzenden Ingrid Scholz, um eine neue Satzung auszuarbeiten und Details der Fusion zu klären.

„Was lange währt, wird endlich gut“, fasste es Gerhard Kleinböck, Kreisvorsitzender Rhein-Neckar, bei der Fusionsversammlung zusammen. Nun gelte es, einen neuen Vorstand zu wählen. Er und Bürgermeister Manuel Just leiteten die Wahlen. Ingrid Scholz wurde zur Vorsitzenden gewählt.

Nächster großer Termin für den neuen Ortsverband ist der 27. November: In der Leutershäuser „Löwenscheune“ soll dann das 100-jährige Bestehen der AWO Deutschland gefeiert werden. Gegründet wurde die Organisation am 13. Dezember 1919 auf Initiative von Marie Juchacz. Die deutsche Sozialreformerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin erlangte zuvor die Zustimmung des SPD-Parteiausschusses zur Gründung eines „Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt“. Er bezweckte die Mitwirkung der Arbeiterschaft der Wohlfahrtspflege, um hierbei die soziale Auffassung der Arbeiterschaft durchzusetzen. Nicht zuletzt ging es in der von Hunger, Elend und Unruhen geprägten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg um Hilfe für Versehrte, zudem wurden eine gesetzliche Regelung der Wohlfahrtspflege und ihre sachgemäße Durchführung angestrebt. Verbunden ist seine Geschichte auch mit den Frauenrechten, denn die Gründerin zog im Frühjahr 1919 als eine von 37 Frauen ins Parlament ein. Sie war auch die erste Frau, die in der Weimarer Nationalversammlung sprach.

Mit der ungewöhnlichen, die Verhältnisse widerspiegelnden Anrede „Meine Herren und Damen!“ löste sie im Hohen Haus laut Protokoll „Heiterkeit“ aus. In den zwanziger Jahren entstand jedenfalls ein dichtes Netz von Nähstuben, Suppenküchen und Erholungsheimen. Später war die AWO bekannt für ihre Schülerförderung.

1933 löste sich der Verband auf, um sich der Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten zu entziehen, Juchacz flüchtete in die USA. 1949 zurückgekehrt, wurde sie später Ehrenvorsitzende. Das 100-jährige Bestehen feiert die AWO mit einer Jubiläumskampagne. Ihr Gesicht ist das der Gründerin Marie Juchacz, ihre Kernthemen sind die Anliegen, mit denen sie das Selbstverständnis und den Anspruch der AWO prägte: Frauenrechte, Vielfalt, aber keine Almosen, sondern Teilhabe, menschenwürdiges Leben, Gerechtigkeit und Solidarität. wh