Hirschberg

Hirschberg Pfarrfasnacht im katholischen Gemeindezentrum Leutershausen steht ganz im Zeichen der Weinheimer OB-Wahl

Stimmung machen mit B-Wort

„Der Bürgermeischter will tatsäschlisch fort.“ Immer wieder kommt in der Bütt Manuel Justs Kandidatur um das Amt des Weinheimer OB zur Sprache, wird bei der katholischen Gemeindefasnacht der anstehende Wahlkampf aufs Korn genommen. Die Kommunalpolitik ist ein Selbstläufer: Der Martinssaal tobt, die Kapelle AM spielt einen Tusch nach dem anderen, und irgendwann reicht schon das B-Wort, um Stimmung zu machen. Just, im Schweinsteiger-Trikot als Fußballfan verkleidet, zieht schon gar nicht mehr den Kopf ein: Da muss man wohl durch, wenn man sich auf so ein Unternehmen einlässt.

Die „Bänkelsänger“ Alice Kunter und Uschi Busse – an diesem Abend noch als „Masseur“ und Sternsinger auf der Bühne – präsentieren gleich eine Lösung, falls Hirschberg nach der Wahl seinen Bürgermeister verliert: „Der Bletzers Fritz hat nix vor.“ Die „Sternsinger“ legen nach. Gemeindereferentin Gabi Mihlan-Penk mimt den schnurrbärtigen Chef einer eher unwilligen Truppe aus Heiligen Drei Königen (Busse, Kerstin und Sabrina Sprenger), die vor der Runde durch den Ort noch ein wenig lästern. Unter anderem darüber, dass im Rathaus nach Justs Weggang alles wieder auf Erwachsenengröße umgebaut werden müsse: „Der hat damals alle Decken abgehängt, damit er größer wirkt.“

Besonders originell gehen die Ministranten das Thema an. Johanna, Lukas und Fabian Baumann, Pascal Petrusch, Anna-Maria Ziegler, Miriam Bähr, Lukas Funk, Joana Guedes Pinto, Olivia und Jonathan Meyer, Lea und Antonia Heckmann ziehen als „Minnies“ eine Miss-Wahl aus lauter Märchenprinzessinnen auf. Die zickigen Schönen wetteifern nicht nur um den Rang der Lieblichsten, sondern auch um die beste Qualifikation als neue Bürgermeisterin. Schneewittchen wirft ihre Talente als Bäckerin in die Waagschale, Cinderella will Pfarrer Stephan Sailer dazu bringen, auf der Kanzel künftig die SGL-Spiele zu analysieren, und Dornröschen möchte dafür sorgen, das Just die „Saasemer“ gleich mit nach Weinheim nimmt. Dröhnendes Gelächter antwortet ihr, in das eine Stimme ruft: „Isch tu die Lkw stelle zum Hiefahre!“

Großartiges Gesangssoli

Zwischendurch darf Just durchatmen: Das Büttelborner Prinzenpaar begrüßt die „Heisemer“ singend und hat auch gleich die „Moorlochfinken“ und ein kleines Musical mitgebracht. In orientalische Kostüme gewandet, erzählt der Chor eine Geschichte aus dem Morgenland, garniert mit großartigen Gesangssoli und der passenden Zugabe „Die Karawane zieht weiter“.

Die Hessen haben einen weiteren Trumpf, nämlich ihre sexy Tanzgruppe: Mit wallenden roten Perücken und winzigen A-Körbchen-BHs haben sich die Herren des Männerballetts, darunter der Hirschberger Sven Fertig, als „Arielle, die Meerjungfrau“ ausstaffiert. Ein Glücklicher darf die Krabbe Sebastian spielen, die anderen zeigen viel Haut und schwenken die Beine in engen grünen Glitzerhosen zu Kirmesmusik wie „I don’t care“: Ein Knaller, der nach einer Zugabe verlangt.

Die müssen auch die rassigen Spanierinnen (Carola Holzmann, Beate Gassmann, Ulla Hug, Susanne Kunz, Ursula Mack, Christiane Schlör und Sabine Betzwieser) geben, die „Sieben Zwerge“ (Alice Kunter, Rosemarie Welbl, Ilse König, Marion Pribyl, Elfi Dünchem, Helga Stadler, Christiane Schlör) und Michele Kesslers SGL-Mädchentanzgruppe mit ihrem fetzigen HipHop (Clara Bertsch, Marleen Volk, Antonia Heckmann, Anna-Maria Ziegler, Marleen Gramlich und Fatma Süzer). Dazwischen verleiht der Fünferrat Orden, der Preis für das beste Kostüm geht an das Gärtnerpaar Gisela und Jürgen Gieser, die Kapelle ruft zu Tanz- und Schunkelrunden, und Udo Löhr erzählt launige Anekdoten.

Sitzungspräsident Franz Götz stellt schon mit der gereimten Eingangsrede sein großes Talent für die Bütt unter Beweis und berichtet schließlich in Liedform von seiner Zeit als „Lehrbu“ bei gleich vier Wirten. „Butze, koche, Hinkel robbe un bediene“ ist sein hartes Brot, und den von der „Quetsch“ begleiteten Kehrreim singt das Publikum mit: „Drum schallt’s vum Bickel bis zum Hersch, es lewe hoch ja unser Werd.“ Das ist so schön im Dialekt, dass sich eine Übersetzung ins Hochdeutsche verbietet.

Vor dem rauschenden Finale nachts um halb zwei ist schließlich noch ein echtes Original dran: der „Poschte Lui“ alias Simon Kolb. Der knollennasige Postler beendet die Prunksitzung wieder „politisch“; er hat den Elvis-Klassiker „In the getto“ umgedichtet und einem frustrierten Weinheimer Gemeinderat die Worte „Is noch Geld do“ in den Mund gelegt. Eine Gebietsreform und Hirschberg als neue Kreisstadt könnten die Lösung bringen, sinniert er. Alle fallen ein in „dann is Geld do“: Der Ohrwurm geht einem nicht mehr aus dem Kopf. stk