Hirschberg

Hirschberg Generaldebatte um Friedhöfe / „Parkähnliche“ Gestaltung trifft auf Zustimmung im Gemeinderat

Volk: „Bestattungsformen ändern sich“

Archivartikel

Soll Hirschberg irgendwann einen „Zentralfriedhof“ bekommen? In der Gemeinderatssitzung ging es eigentlich um Maßnahmen, die für die kommende Zeit in den beiden örtlichen Friedhöfen geplant oder umgesetzt werden könnten. Doch irgendwie geriet die Debatte auf ein anderes Gleis, als Gemeinderat Jürgen Steinle (GLH) dieses Stichwort am Ende seiner Wortmeldung fallen ließ. Dr. Ulrich Scholz (SPD) hielt davon nichts, dachte an die älteren Menschen, die sich noch selbst um die Grabpflege kümmern und keine weiten Wege auf sich nehmen können, und auch Matthias Dallinger bemerkte: „Ich sehe den Druck für einen gemeinsamen Friedhof nicht so sehr.“

Auch Bürgermeister Manuel Just bekannte, kein Freund dieser Idee zu sein, schon weil die passenden Flächen fehlten. Außerdem sei ein solches Projekt „eine sehr, sehr langfristige Geschichte“, die angesichts von jahrzehntelangen Liegezeigen auf einen Zeitraum von 40 oder 50 Jahren vorgeplant werden müsse. „Ich habe hier nicht den Zentralfriedhof gefordert“, versicherte Steinle, und damit war das Thema vom Tisch.

Eigentlich ging es um ein „Grobkonzept“, das die Gemeinde für die Zukunft beider Friedhöfe erstellt hatte. „Ich habe das bereits mehrfach in meinen Neujahrsansprachen angekündigt, aber es kam nicht dazu“, bekannte Just. Sollte der Leutershausener Friedhof irgendwann mehr Platz brauchen, schlug er eine Erweiterung nach Norden vor. Allerdings zeigte sich auch, dass die befürchtete Platznot nicht gar so drängend war, denn statt der früher üblichen Erdbestattungen wurden die kleineren Urnengräber stärker nachgefragt.

Auch Steinle registrierte diese Entwicklung: Bundesweit würden Urnenbeisetzungen mittlerweile 60 Prozent ausmachen, statt des früher favorisierten Familiengrabs würden sich viele für anonyme Gräber interessieren. Letzteres war auch Vorschlag der Verwaltung, die eine solche Gestaltung für Teile der Friedhöfe in beiden Ortsteilen anregte. Ausgeführt werden könnte sie durch die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner, die die Planung und Pflege des Geländes übernehmen und es, so Just, „parkähnlich“ gestalten würde. Voraussetzung sei ein Vertrag zwischen der Gemeinde und der Genossenschaft; wer hier eine Grabstelle erwerbe, schließe mit der Genossenschaft einen Dauerpflegevertrag. Auf die Gemeinde kämen keine Kosten zu.

Vorschlag und Vertrag fanden die Zustimmung des Gremiums; Werner Volk (FW) erinnerte an die Vorstellung des Themas im technischen Ausschuss und an seine anfängliche Skepsis: „Aber dann waren wir überrascht, wie gut das aussieht. Die Bestattungsformen ändern sich eben, und darauf muss man reagieren.“ Einig waren sich die Ratsmitglieder auch in einer anderen Sache: Dass auf dem Parkplatz beim Leutershausener Friedhof Container abgestellt würden, sei „nicht das Gelbe vom Ei“, monierte Steinle, und auch Tobias Rell (FDP) kritisierte: „Bei größeren Bestattungen bricht regelmäßig ein Verkehrschaos aus.“ Just nickte und bemerkte: „Wir müssen ihren Standort überdenken.“ stk