Hirschberg

Hirschberg Bienen-Volksbegehren – Örtliche Landwirte kritisieren in Großsachsen das geforderte Gesetz

„Wir müssen es ausbaden“

„Es muss uns ermöglicht werden, dass wir von der Landwirtschaft leben können“, sagte ein Heddesheimer Landwirt im Rahmen des Runden Tisches zum Bienen-Volksbegehren in Großsachsen. Ob Blattläuse, Pilze oder andere Schädlinge, sie müssten bekämpft werden, kritisierte er das im Gesetzesentwurf vorgesehene generelle Pestizidverbot. Sonst falle die Ernte kleiner oder ganz aus. „Wenn die 20 Prozent der Grünen-Wähler alle bio kaufen würden, wäre es o.k. Aber es sind nicht einmal sieben Prozent Absatz“, verweist er auf die Diskrepanz zwischen der Zahl der Wähler der Grünen und deren Bereitschaft, entsprechend umweltverträglich zu handeln.

Ein weiterer Redner findet, dass die Preise für konventionelle Produkte hochgesetzt werden müssten. „Ohne uns Bauern würde jetzt gar nichts mehr blühen. Wenn das Gesetz kommt, gehen wir Bauern zugrunde“, argumentiert der Leutershausener Landwirt. „Dann kommt der Wald bis zur B 3 runter.“ Er prangert die Flächenversiegelung von 60 Hektar pro Tag an, den Verkehr und die Lichtverschmutzung in den Städten, die schuld seien, dass Insekten sich nicht mehr vermehren: „Die Insekten poppen nicht im Licht, die machen es nur, wenn’s dunkel ist.“ Welcher junge Landwirt wolle heute noch einen Hof übernehmen, angesichts dessen, was mit der neuen Gesetzgebung drohe?

Es wird immer deutlicher im Laufe des Nachmittages, wie groß die Existenzangst der Landwirte ist – gleich, ob sie konventionell wirtschaften oder Bio-Landwirte sind. Doch demgegenüber steht das drohende massive Artensterben. Einfach nur zusehen ist auch keine Alternative, das weiß man. Es ist kompliziert. „Wir müssen kreativ sein und Vorschläge machen, nicht nur blockieren“, sagte eine Dame aus der Agrarverwaltung. Und die Bauern sollten den eigenen Funktionären mehr auf die Finger schauen.

Weltbevölkerung wächst

„Zu kurz gedacht“, findet ein ehemaliger Obst- und Weinbauer, sei der Gesetzentwurf. Schon jetzt könne man die Menschen auf der Welt nicht ausreichend ernähren. Angesichts des zu erwartenden Bevölkerungswachstums wäre der gewollte Produktionsrückgang in der Landwirtschaft eine Katastrophe.

Ein Imker vom Verein für Naturpflege bestreitet ein massives Insektensterben: „Wir sehen weniger, aber sie sind alle da.“ Auch die Greifvögel seien wieder da, die Amselpopulation habe sich vom Usutu-Virus erholt. „Über die Bienen steht ja gar nichts drin im Gesetzesentwurf“, sagte er und greift die Initiatoren des Volksbegehrens an, die nur eigene Interessen verfolgen würden.

Eine Bio-Landwirtin findet, dass die Wertschätzung für die Produkte fehlt: „Wir sind so reich und satt. Ich wünsche mir, dass sehr viel für den Artenschutz getan wird. Aber auch bei der Bio-Landwirtschaft bedarf es der einen oder anderen Maßnahme. Wenn man eine Sache mal nicht behandelt, dann ernten wir nichts“, gibt sie zu bedenken. Sie wünscht sich von der Politik mehr Kontakt zur Basis, das Einsetzen von Fachleuten. „Wir werden in der Politik zu schlecht vertreten.“

„Wie können wir es in Zukunft besser machen?“, fragt ein weiterer Landwirt. „Wenn wir Lebensraum schaffen, sind die Insekten auch wieder da. Also müssen wir den schaffen. Wir stellen Fläche zur Verfügung, und dafür muss die Allgemeinheit die Kosten tragen. Wenn der Anbauer genauso viel Geld bekommt für eine Blumenwiese wie für Getreide und Mais, dann macht er das. Es kann nicht sein, dass der Landwirt die Folgen einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung tragen muss.“

„Wir kommen nicht drum herum, zukunftsfähig zu werden“, so eine Biologin. Ein Bio-Landwirt wünscht sich lieber „viele Einzelmaßnahmen als ein Hauruckgesetz. 50 Prozent bio – das ist irreal.“ Eine Bäuerin argwöhnt, dass die Biene nur als Vorwand diene. Wenn man dem Gesetz zustimme, sei die Biene bald ganz weg. Denn nur Landwirtschaft und Weinbauern böten den Bienen Nahrung. Bis vor fünf Jahren habe man versucht, neben den konventionellen auch Bio-Erdbeeren an den Mann zu bringen, so eine Landwirtin. Gerade einmal zehn Cent habe das 500-Gramm-Körbchen mehr gekostet. „Keine drei Prozent wurden verkauft, den Rest mussten wir entsorgen“, prangert sie den Unwillen des Großteils der Verbraucher an, für bio mehr zu bezahlen.

Preisverfall bei Bio

Hans Mayer stimmte bei, wies auf den Preisverfall beim Bio-Dinkel wegen des Überangebotes hin – vor fünf Jahren gab es noch 78 Euro pro Doppelzentner, heute seien es zwischen 45 und 48 Euro. „50 Prozent Bio-Landwirtschaft hört sich wunderbar an. Doch wer davon leben muss, muss es ausbaden.“

Ein Obstbauer bringt als Anschauungsmaterial Äpfel mit: Die einen wuchsen mit, die anderen ohne Pestizid-Einsatz. Der optische Unterschied ist markant: Das behandelte Obst sieht prächtig aus. Das unbehandelte dagegen ist kleiner, unansehnlicher und wird – trotz des besseren Geschmacks, so ergibt der Selbsttest – vom Verbraucher dann doch nicht gekauft. awa