Hirschberg

Hirschberg Warte des Odenwaldklubs sorgen dafür, dass Wanderer im Wald nicht die Orientierung verlieren / Unterwegs mit Friederike Preuß und Walter Helfert

Wo bunte Rechtecke den Weg weisen

Wer durch den Odenwald streift, dem stechen sie sofort ins Auge: eine kleine blaue Burg auf weißem Grund, ein leuchtend gelbes „B“ an Bäumen oder ein roter Balken auf weißen Rechtecken. Was Uneingeweihten wie eine Geheimsprache vorkommt, erfüllt einen einleuchtenden Zweck: Es sind Markierungen, die Wanderern und Spaziergängern den Weg weisen. Angebracht und gepflegt werden sie von den Wegwarten des Wandervereins Odenwaldklub (OWK).

Walter Helfert aus Großsachsen ist Wegwart. „Ich gehe den Weg, für den ich zuständig bin, ab und kontrolliere, ob die Markierungen eindeutig sichtbar sind“, erklärt er, während er eine Gartenschere aus seinem Korb nimmt und sorgfältig die Äste abschneidet, die ein auf einen Baum gepinseltes weißes Rechteck mit einem roten Balken darin verdecken. Diese Markierung steht für den Hauptweg Odenwald-Vogesen, der auf 184 Kilometern Gesamtstrecke von Darmstadt bis ins französische Maservaux führt und dabei Weinheim kreuzt. Einen Teil dieser Strecke pflegt Walter Helfert.

„Es gibt viele Wegwarte, die jeweils ein Teilstück von rund 20 Kilometern Länge betreuen“, erklärt Friederike Preuß, die ihrerseits als Hauptwegwartin für die Koordination aller Wegwarte und deren Arbeit zuständig ist. Beide arbeiten ehrenamtlich und haben damit gewissermaßen ihr Hobby ausgebaut. „Es ist eine wunderschöne Beschäftigung in der freien Natur“, schwärmt Friederike Preuß und fügt hinzu: „Man wird sogar angesprochen, und die Menschen danken einem für die Arbeit.“

Denn das Hauptziel der Wegwarte ist, die Strecken klar zu kennzeichnen und so Orientierung für Wanderer zu schaffen. „Jemand aus Hamburg sollte sofort ohne Landkarte den Weg finden können“, erläutert Helfert seinen Anspruch, für den er einmal im Jahr alle Markierungen auf „seinem Weg“, wie er ihn liebevoll nennt, erneuert. Sieben Hauptwege, die es bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt, führen durch die nähere Umgebung und bilden so ein Netz aus attraktiven und abwechslungsreichen Wanderstrecken. Das Ziel sei dabei nicht unbedingt, eine gesamte Strecke zu gehen, erklärt Friederike Preuß. „Man soll die Rundwege miteinander kombinieren und sich so seine eigenen Routen zusammenstellen können, deswegen kreuzen sie sich.“

Bewegung in der Natur

Ein Knotenpunkt in Weinheim ist zum Beispiel die Wanderhütte an der „Vogesenschau“. Hier kreuzen sich der Blütenweg und der aus Weinheims Innenstadt kommende Hauptweg Odenwald-Vogesen, von Friederike Preuß und Walter Helfert kurz als „HW 7“ bezeichnet. Gemeinsam mit dem Burgensteig führt der HW 7 unter anderem zum Hirschkopfturm. Auf dem Weg dorthin zeigt sich, was die Wanderwege ausmacht: Vom Pfad durch den Wald geht es über eine Schonung junger Bäume bis hin zu einer Parkbank mit Aussicht über den Odenwald, ehe man mit dem Hirschkopfturm den ersten Gipfel erreicht. „Diese Abwechslung macht den Odenwald so besonders“, erklärt Preuß, während sie sorgfältig eine Markierung mit Acrylfarbe nachbessert, und Helfert ergänzt: „Als ich zum ersten Mal den HW 7 hochgelaufen bin, musste ich nach 100 Metern andächtig stehen bleiben, weil die Aussicht so toll war.“

Die Wege des Odenwaldklubs sind jedoch nicht nur etwas für geübte und regelmäßige Wanderer, betont Friederike Preuß: „Das Tolle ist, dass jeder seine Strecke individuell gestalten kann. Jeder läuft so schnell und so weit, wie er kann. Das Draußensein und die Bewegung sind es, die einfach guttun.“ Dennoch sollten beim Wandern einige grundsätzliche Dinge beachtet werden. „Ein Rucksack mit etwas zu trinken und einigen Snacks ist wichtig, genauso wie festes Schuhwerk mit Profil“, erklärt die Hauptwegewartin und fügt lachend hinzu: „Für den Fall der Fälle ist es auch trotz Markierungen nicht schlecht, eine Wanderkarte dabei zu haben.“

Solche Karten erhalten Interessierte über den Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Wer den Odenwald zunächst einmal in einer Gruppe erkunden möchte, dem bietet Walter Helfert jedoch noch eine andere Möglichkeit: „Bei unseren Ortsgruppen sind Gastwanderer immer willkommen!“

Wer sich über das Programm des Odenwaldklubs informieren oder selbst Wegwart werden möchte, kann sich an die Geschäftsstelle des Odenwaldklubs in Bensheim-Auerbach wenden: Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 06251/855856 oder per E-Mail: info@odenwaldklub.de.