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Campus Der Mannheimer Psychologiestudent Benedikt Held betreibt einen Video-Kanal über Rhetorik

250 000 Abonnenten auf Youtube

Auf die Frage, wer für ihn der talentierteste Rhetoriker der Welt sei, hat Benedikt Held eine klare Antwort: Barack Obama. Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten verstehe es wie kein Zweiter, situationsabhängig verschiedene Emotionen glaubhaft zu transportieren. Egal ob Traurigkeit, Begeisterung oder Demut – immer schlage er den richtigen Ton an.

Fünf bis zehn Minuten lang

Held hat auch über die Redetechniken von Barack Obama schon ein Video hochgeladen. Der Mannheimer Student betreibt seit zweieinhalb Jahren den Youtube-Kanal „RedeFabrik“. Zwei Mal in der Woche lädt er dort fünf- bis zehnminütige Videos zu den Themen Kommunikation, Rhetorik und Körpersprache hoch – mit großem Erfolg. 250 000 Menschen haben den Kanal abonniert. Einige seiner Videos wurden mehr als eine halbe Million Mal aufgerufen. Mit seinen 20 Jahren hat es der Student zu einer gewissen Berühmtheit geschafft. Neben seiner Youtube-Karriere studiert er im vierten Semester Psychologie an der Uni Mannheim.

Das Themenfeld der Kommunikation habe er bereits in der Schulzeit für sich entdeckt. „Das war in der Oberstufe“, erinnert sich Held, „damals war ich Mitglied in einer Rhetorik AG.“ Deren Mentor habe beim ersten Treffen zwei Reden gezeigt. In der ersten habe sich der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber beim Werben für eine Transrapid-Strecke zwischen dem Münchener Flughafen und der Innenstadt verloren. Die zweite Rede sei von Loriot gewesen. „Der hatte zwar keine wirklichen Inhalte, die er vermitteln wollte, drückte sich aber so gut aus, dass er den Zuschauer trotzdem in seinen Bann zog“, erzählt Held. „Diese beiden Reden haben mir gezeigt, wie mächtig Sprache und Rhetorik sein können.“

Anschließend stürzte sich Held regelrecht auf das Thema. Er verschlang unzählige Bücher, machte ein Praktikum bei einem Kommunikationstrainer und schaute sich bis tief in die Nacht Videos von alten Reden im Netz an. Doch schon bald habe es ihm nicht mehr gereicht, Wissen nur zu konsumieren. „Ich wollte es mit anderen Menschen teilen“, sagt der Psychologiestudent. Am 14. September 2016 lud er sein erstes Video auf Youtube hoch. Bei selbst produzierten Beitragen ist dies ebenso wie die Nutzung der Online-Plattform gratis und ohne vorherige Anmeldung möglich. Der Titel seines ersten Videos: „7 Techniken für den überzeugenden Anfang einer Präsentation.“ Damals trug er noch ein bedrucktes rotes T-Shirt. Heute stellt er sich nur noch mit Hemd und Sakko vor die Kamera.

Aufwendigere Analysen

Thematisch ist sich Benedikt Held treu geblieben. In den Videos vermittelt der Kommunikationsexperte beispielsweise Techniken, die sich im Optimalfall im realen Leben anwenden lassen.

„Dabei profitiere ich von dem Wissen, das ich mir über die letzten Jahre angeeignet habe. Die deutlich aufwendigeren Videos sind meine Analysen. Hier nehme ich die Körpersprache von Politikern oder die Charakterentwicklung von Serienhelden genauer unter die Lupe“, sagt Held. Praktisch ist, dass der 20-Jährige seine Videos nicht mehr selbst scheiden muss. Dafür hat der Psychologiestudent seit ein paar Monaten jemanden angestellt. Überhaupt ist aus dem Ein-Mann-Projekt längst eine größere Unternehmung geworden.

„Preise angemessen“

Neben den Aktivitäten auf Youtube, vertreibt Held über seine Internetseite mehrteilige Videokurse. Für den 15-stündigen „Meisterkurs der Rhetorik“ verlangt Held 400 Euro. Wer „Körpersprache lesen lernen“ will, zahlt für eineinhalb Stunden Videomaterial knapp 55 Euro. Held verteidigt die Preise und behauptet, dass es durchaus einen Markt für seine Kurse gebe. Gelegentlich trete er auch bei Veranstaltungen als Sprecher auf. Es sei sogar schon vorgekommen, dass ihn Unternehmen für einen Workshop oder Politiker für ein persönliches Coaching gebucht hätten.

Vor etwa eineinhalb Jahren hat sich Held selbstständig gemacht und auch ein Gewerbe angemeldet. Sein Bachelor-Studium möchte er noch beenden. Danach will er sich hauptsächlich um seinen Youtube-Kanal kümmern und als Kommunikationstrainer arbeiten.

„Zum Glück haben mich meine Eltern immer unterstützt“, sagt er. Auch von seinen Freunden habe er fast nur positives Feedback bekommen.