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Campus Die Karrieremesse „Career Fair“ an der Uni Mannheim steht von einigen Studierenden in der Kritik, nicht alle anzusprechen

Abseits des Anforderungsprofils

Mannheim.Vor Kurzem war es wieder soweit: Die Karrieremesse „Career Fair“ schlug ihr weißes Zelt auf dem Ehrenhof auf, um die Studierenden der Universität Mannheim über Möglichkeiten für ihre berufliche Zukunft zu informieren. Weit über 100 Unternehmen präsentierten sich an drei Messetagen. Hinzu kamen Firmenvorträge, Einzelinterviews und eine interdisziplinäre Vortragsreihe der Fakultät für Sozialwissenschaften. Auch Carlos Hanke Barajas und Ellen Fritzenschaft mischten sich unter die Leute.

Viele Unternehmen zu Gast

Doch als sie das Messegelände verließen, standen keine Antworten auf ihren Notizzetteln, sondern Fragen. Sie bildeten gemeinsam mit einem Gefühl der Unzufriedenheit die Grundlage für einen offenen Brief, den sie auf der Internetseite des Studierendenmagazins „uni[ma]gazin“ veröffentlichten. „Liebe Career Fair“ heißt es dort, „wir haben uns gefragt, was du für Studis abseits der Wirtschaftswissenschaften zu bieten hast.“ Der 21-jährige Barajas studiert Politikwissenschaften, die 22-jährige Fritzenschaft den Bachelor Kultur und Wirtschaft.

Ihrer Meinung nach hat die Mannheimer Karrieremesse ein großes Manko: Sie beherberge ausschließlich Unternehmen aus der Privatwirtschaft. „Auf der Suche nach Stiftungen, Gewerkschaften, NGOs (Nichtregierungsorganisationen, Anm. d. Red.) oder Kultureinrichtungen haben wir deinen kleinen blauen Katalog von vorne bis hinten durchgeblättert. Fehlanzeige“, schreiben sie. Und bei den Unternehmen, die angegeben haben, auch Sozial- oder Geisteswissenschaftler zu suchen, wäre man damit vertröstet worden, „leider nicht ins Anforderungsprofil zu passen“ oder es mit den entsprechenden Vorpraktika doch mal im Marketing zu versuchen. Aber schwierig würde es natürlich trotzdem werden.

In der Tat lässt sich bei einem ersten Blick auf das diesjährige Programm der Messe ein gewisser Überhang von wirtschaftswissenschaftlich geprägten Branchen nicht von der Hand weisen: Beratungsfirmen, Wirtschaftsprüfer, Banken und Versicherungsdienstleister dominieren das Portfolio. Auf der anderen Seite informierte das Vortragsprogramm der Fakultät für Sozialwissenschaften über „Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Auswärtigen Dienst“ und die „Karriere in der EU“. Außerdem standen Personaldienstleister und ein Verlag als Ansprechpartner bereit.

Veranstaltet wird die Messe von der Service und Marketing GmbH der Uni Mannheim. Auf Anfrage dieser Zeitung betont die Geschäftsführerin Betty Kübe, dass auf der Einladungsliste für die Career Fair neben Unternehmen auch verschiedene Stiftungen, NGO’s und Kultureinrichtungen stünden. „Ob diese teilnehmen oder nicht, liegt nicht bei uns“, so Kübe. Außerdem unterstreicht sie, dass sich die Messe an alle Studierenden der Uni Mannheim richte.

Dieter Zinser, der Leiter des Rektoratsbüros der Universität, merkt zudem an, dass mit der Organisation und Durchführung einer Messe dieser Größenordnung erhebliche Kosten verbunden seien. „Diese werden vollständig von den teilnehmenden Unternehmen übernommen“, sagt er. „Für NGO’s, Gewerkschaften und Kultureinrichtungen übersteigen also wahrscheinlich die entstehenden Kosten den Mehrwert, der für sie durch eine Teilnahme entsteht.“

Andere Fakultäten machen es vor

Nach einem von Paul Pasler von der Fachbereichsvertretung für Sprach- und Literaturwissenschaften eingeholten Meinungsbild bestätigen viele Studierende die im Brief geäußerte Kritik.„Es gab aber auch Studierende, die als Geisteswissenschaftler vielversprechende Gespräche hatten“, so Pasler. Für Geistes- und Sozialwissenschaftler gibt es im Gegensatz zu Studierenden anderer Fachrichtungen keine zusätzliche, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Messe. Die Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik veranstaltet beispielsweise alljährlich im Frühjahr den sogenannten MINT-Marktplatz. Vergleichbar ist auch der Fakultätskarrieretag für Jurastudierende.

Der Leiter des Rektoratsbüros, Dieter Zinser, sieht hier jedoch auch die Studierenden selbst in der Pflicht, einen entsprechenden Bedarf zurückzumelden. Das Organisationsteam der Career Fair hat mittlerweile auf die Kritik des Studierenmagazins „uni[ma]gazin“ reagiert. Um sicherzugehen, dass die vom Studierendenmagazin angesprochenen Organisationen, Gewerkschaften und NGO’s kontaktiert werden, hat es dem Redaktionsteam angeboten, eine Liste mit Wunschteilnehmern einzureichen.