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Studium Der Studienabbruch ist heute keine Seltenheit mehr, das machen Hochschulen, Wirtschaft und Arbeitsagentur deutlich

„Aus jeder Erfahrung lernt man“

Archivartikel

Die Zahl der Studienabbrecher an deutschen Hochschulen steigt. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung aus dem vergangenen Jahr. Demnach zieht etwa jeder dritte Studierende in der Frühphase seines Studiums die Reißleine. Wer sich im eigenen Studiengang falsch aufgehoben fühlt, dem stellen sich viele Fragen. Warum bin ich unzufrieden mit meinem Studium? Welche Alternativen habe ich? Was muss ich bei einem Studiengangwechsel beachten?

„Zweifel am Studium kommen häufig vor“, sagt Linda Schädler, Pressemitarbeiterin der Universität Mannheim. Doch nicht immer müssen diese zu einem Wechsel oder Abbruch führen. Wichtig sei, dass sich Studierende klarmachen, warum und woran sie genau zweifeln. Manchmal reiche schon ein neuer Studienschwerpunkt oder eine neue Lernstrategie, um erneut Motivation für das eigene Studium zu schöpfen.

„Ein Studienabbruch oder Studienwechsel ist eine sehr individuelle Entscheidung. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig mit Studierenden ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, so Schädler. Häufig haben sich Studierende etwas anderes unter ihrem Studiengang vorgestellt, können die notwendigen Leistungen nicht erfüllen oder beklagen die mangelnde Praxis-Orientierung ihres Studiums. Im Schnitt liegt die Universität Mannheim im Bachelorbereich leicht unter der deutschlandweiten Abbruchquote von 30 Prozent.

Dass Studienzweifel keine Seltenheit sind, bestätigt auch Claudia Bruns. Als Beratungsfachkraft für Studierende an der Agentur für Arbeit in Mannheim erfährt sie tagtäglich von den Sorgen der Studierenden. „Nicht jeder traut sich, sich mit seinen Zweifeln an eine Beratungsstelle zu wenden“, sagt Bruns. Bei der Beratung sei es wichtig, den Ratsuchenden dort abzuholen, wo er gerade steht. Denn nicht immer ist ein Abbruch die beste Wahl.

Zu der Entscheidung stehen

„Stehen Studierende ganz kurz vor dem Abschluss, sollten sie die letzte Anstrengung noch angehen, da ein Hochschulabschluss in jedem Fall mehr Vorteile auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit sich bringt, als das Studium kurz vor Ende niederzulegen“, sagt die Beratungsexpertin. Studierenden, die diesen Schritt dennoch gehen, rät sie, konsequent zu ihrer Entscheidung zu stehen. Laut ihr ist der Abbruch mittlerweile fast schon salonfähig.

„Viele Studierende fühlen sich erst mal verunsichert und schrecken davor zurück, eine solch weitreichende Entscheidung wie den Studienabbruch zu treffen“, sagt Astrid Brandenburger, Sprecherin der Initiative „Spurwechsel Mannheim“. Das 2016 ins Leben gerufene Aktionsbündnis soll Studierenden bei Zweifeln helfen. Gründungsmitglieder sind neben den drei größten Mannheimer Hochschulen, auch der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Mannheim, das Studierendenwerk Mannheim, die Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar sowie die Initiative „Arbeiterkind.de“.

„Durch die Institutionen übergreifenden Beratungsangebote kann die Frage, ob ein Fachwechsel oder Studienabbruch sinnvoll ist, von ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden“, so Brandenburger. Studierenden, die sich über Wochen von Zweifeln und Ängsten belastet fühlen, rät sie, zunächst die Studienberatung der eigenen Hochschule zu kontaktieren. Ein Studienabbruch bedeute nicht zwangsläufig eine negative Lücke im Lebenslauf. „Es deutet daraufhin, dass man ausprobiert, aber auch bereit ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und die Konsequenzen zu ziehen, wenn man feststellt, den falschen Weg eingeschlagen zu haben“, sagt Brandenburger.

Lehramt statt Personalwesen

Wie viele andere Studienabbrecher wusste Lorena Knauber bereits zu Beginn ihres Studiums, dass ihr Studiengang nicht das Richtige für sie war. Darum entschied sich die damals 21-jährige Konstanzerin schon im ersten Semester, ihr Studium des internationalen Personalmanagements an der Hochschule Ludwigshafen aufzugeben, um stattdessen an der Universität Mannheim zu studieren.

„Nachdem mir klar wurde, dass ich falsche Vorstellungen vom Personalmanagement hatte, habe ich mich auf meine zweite Wahl zurückbesonnen: das Lehramt“, so Knauber. Vor allem der Rückhalt von Familie und Freunden hätten ihr die Entscheidung einfach gemacht. Auf die Frage, ob ihr erstes Studium für sie verlorene Zeit bedeutet, reagiert sie gelassen: „Mein erstes Studium hat mir gezeigt, worauf es mir wirklich ankommt. Aus jeder Erfahrung lernt man.“