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Uni Mannheim Abteilung der Rechtswissenschaft bietet zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes neun Vorträge an / Kooperation mit Konrad-Adenauer-Stiftung

„Der Mensch steht im Zentrum der Verfassung“

Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland feiert in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. Dazu hat die Abteilung der Rechtswissenschaft der Uni Mannheim in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Ringvortragsveranstaltung organisiert. Diese trägt den Titel „70 Jahre Grundgesetz – Bewährte Verfassung oder Verfassung in der Bewährung?“. Darin wird an neun Terminen jeweils ein halbstündiger Vortrag gehalten. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion des Themas.

Rechte der Studierenden

Doch inwiefern berührt uns das Grundgesetz in unserem alltäglichen, studentischen Leben? Auf diese Frage hat Ralf Müller-Terpitz, der die Veranstaltungsreihe konzipiert hat und Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Recht der Wirtschaftsregulierung und Medien der Universität Mannheim ist, eine Antwort: Die Verfassung ermögliche den Studierenden Freiheit. Dabei gehe es zum einen um die Studierfreiheit, und zum anderen auch um die Wahlfreiheit des Studienplatzes. Beides sei auf Artikel 12 des Grundgesetzes zurückzuführen.

In Bezug auf den Titel der Veranstaltung erklärt der 51-Jährige, was seiner Meinung nach das Bewährteste am Grundgesetz ist: „Der Mensch steht im Zentrum der Verfassung.“ Denn durch den Grundrechtskatalog am Anfang werde verdeutlicht, dass der Staat dem Menschen zu dienen habe und nicht umgekehrt.

„Der Grundrechtskatalog gepaart mit der Möglichkeit, seine Grundrechte auch gerichtlich durchzusetzen, ist eines der wichtigsten Dinge, das uns die Verfassung bietet.“

Das sieht die Studentin Hanna Hellmuth ähnlich: „Das Grundgesetz ist etwas, das uns in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eine Grundlage für ein gutes Leben im Gesamten ermöglicht“, sagt Hellmuth. Die 25-Jährige des Masterstudiengangs Literatur, Medien und Kultur der Moderne der Uni Mannheim fügt hinzu: „Jedoch wissen, glaube ich, viele Leute nicht, was eigentlich darin beinhaltet ist und was das Grundgesetz alles schützen kann.“ Trotzdem gibt es auch hier Probleme, etwa in der Verfassung: Hier hakt es in den Details, glaubt Müller-Terpitz. Vor allem seien die Bundesländer zu schwach und die Idee des Föderalismus erodiere immer mehr, so der Juraprofessor. Er schreibt dem Grundgesetz aber eine hohe integrative Funktion zu. Müller-Terpitz sieht die Verfassung als Lagerfeuer, um das sich die meisten Menschen dann doch versammeln und sagen können: „Ja, das macht für mich Deutschland aus.“

Jonathan Uhrig studiert VWL an der Uni Mannheim und stellt fest: „Das Bewusstsein, dass man die Grundrechte schützen sollte, ist nicht groß genug und muss gestärkt werden.“ Dies sei in Bezug zu dem kürzlich vom Europäischen Parlament verabschiedeten Artikel 13 der Urheberrechtsreform klar geworden, der in Konflikt mit dem Grundgesetz stünde.