Hochschule

Ehrung Hochschule Ludwigshafen verleiht Preis an internationale Studenten / Serdar Ferhad aus Bulgarien für Soziales Engagement und Studienleistungen gewürdigt

„Ein sicheres Leben für mich und meine Familie“

Serdar Ferhad, Student im Masterstudiengang Controlling, gewinnt den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Der mit 1000 Euro dotierte Preis wird für besondere Studienleistungen sowie herausragendes ehrenamtliches Engagement vom Bereich für internationale Angelegenheiten der Hochschule Ludwigshafen am Rhein verliehen. Die Hochschule zeichnet jedes Jahr internationale Studierende aus.

Herr Ferhad, Sie sind in Bulgarien aufgewachsen. Was hat Sie für das Studium ins Ausland geführt?

Serdar Ferhad: Meine Familie und ich sind Türken. Wir gehörten in Bulgarien einer türkischen Minderheit an, die nahe der Grenze zu Griechenland und der Türkei angesiedelt ist. Als Junge besuchte ich ein Fremdsprachengymnasium und lernte dort vier Jahre Deutsch. Den Plan, im Ausland zu studieren, fasste ich schon in der siebten Klasse, denn die Möglichkeiten in Bulgarien wären für mich sehr begrenzt gewesen. Mein Ziel war es, mir und auch meiner Familie ein sicheres Leben zu bieten.

. . . für welches Sie in Deutschland am ehesten die Chance zur Verwirklichung sahen?

Ferhad: Schweden kam für mich ebenfalls in Frage, allerdings hätte ich mir die Studiengebühren finanziell nicht leisten können. Deutschland erschien mir sinnvoll, da ich schon über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügte. In Ludwigshafen erschienen mir nicht nur die Mieten bezahlbar, sondern ich fand auch die vielen Unternehmen in der Nähe als potenzielle spätere Arbeitgeber oder für Werksstudentenstellen attraktiv. Daher bewarb ich mich dort im Jahr 2012 für den Studiengang im Controlling.

Woher kam das Interesse für Controlling?

Ferhad: Eigentlich lagen mir eher Managementstudiengänge am Herzen, allerdings dachte ich mir: „Mit Controlling bist du auf der sicheren Seite, selbst mit nicht perfekten Sprachkenntnissen, denn Zahlen und Exceltabellen sind überall gleich.“

Semestergruppensprecher, Buddy für andere internationale Studierende und Mentor für Wiedereinsteiger – Ihr Engagement an der Hochschule in Ludwigshafen ist groß – lässt sich das immer gut mit Ihrem Studium vereinen?

Ferhad: Es ist auf jeden Fall stressig, muss ich zugeben. Allerdings möchte ich der Hochschule Ludwigshafen gerne etwas zurückgeben, da sie mir so viel gegeben hat.

Was zum Beispiel?

Ferhad: Das International Office hat mich zu Beginn bei der Wohnungssuche unterstützt, da es als Auslandsstudierender nicht einfach ist, einen Vermieter zu überzeugen. Außerdem bin ich meinem Mentor, den mir die Hochschule im ersten Semester zur Seite gestellt hat, sehr dankbar. Dieser war Professor Johannes Kals und hat mich mein ganzes Studium unterstützt.

Des Weiteren unterstützen Sie das SAP-Projekt „Cleverlinge“. Was ist das genau?

Ferhad: Bei dem Projekt lädt SAP Grundschulklassen aus Heidelberg wöchentlich ein. Viele Kinder stammen aus Familien mit Migrationshintergrund. Als Türke aus Bulgarien, dessen Familie mittlerweile auch in Deutschland wohnt und arbeitet, kann ich ihnen Perspektiven zeigen und Mut geben, dass ein Migrationshintergrund kein Hindernis sein muss.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ferhad: Mit dem Preisgeld möchte ich meiner Familie etwas Gutes tun. Beruflich würde es mich freuen, wenn ich im Vertrieb Fuß fassen kann.

Dieses Interview wurde telefonisch mit Serdar Ferhad geführt und ihm vor Abdruck vorgelegt.