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Im Netz Die Mannheimer Studentin und Bloggerin Lisanne Barbu ist für ihre Rezeptideen bekannt

Eine Inspiration für mehr als 50 000 Menschen

Archivartikel

Lisanne Barbu kauft im Biomarkt ein, um dann aus den besten Zutaten vegane und gesunde Gerichte zuzubereiten. Ihre Koch- und Backkünste hält sie mit der Kamera fest und stellt die Fotos auf ihren Blog. Mit den Beiträgen begeistert sie mittlerweile eine große Fangemeinde. Neben den Berichten auf ihrer Internetseite ist sie aber auch auf dem sozialen Netzwerk Instagram unter dem Accountnamen „aspoonfulofhealthde“ zu sehen. Instagram ist eine Plattform, auf der Nutzer Fotos und Videos veröffentlichen. In den neusten Beiträgen erklärt sie, wie sie Pasta mit cremigem Avocadopesto zubereitet, erklärt Rezepte mit saisonalen Früchten wie einem Zwetschgenkuchen und gibt Anregungen für vegane und gesunde Frühstücksideen.

Harte und kreative Arbeit

Wer die Instagramseite von Lisanne Barbu anschaut, dem fallen gleich die bunten Farben auf. Ansprechend fotografierte Gerichte machen Appetit darauf, diese nachzukochen oder nachzubacken – das ist der Bloggerin wichtig. Zu jedem Bild schreibt die 22-Jährige einen kleinen Text und verweist auf das Rezept, das auf ihrem Blog zu finden ist. Was vor drei Jahren als Hobby begann, ist inzwischen zu einem beliebten Foodblog mit mehr 50 000 Abonnenten gewachsen. Dort teilt die Studentin ihre veganen Frühstücksideen, bunten Pasta-Variationen oder Anregungen für einen gesundheitsbewussten Lebensstil.

Dass die Beliebtheit in den sozialen Medien nicht vom Himmel fällt, ist der Bloggerin bewusst. Hinter jedem einzelnen Rezeptbild steckt harte und kreative Arbeit. Wo die Hobbyfotografin farbenfrohe Gaumenfreuden inszeniert, wurde das Genussobjekt mit viel Liebe zum Detail ins rechte Licht gerückt. Aber nichts wirft sie wegen der Ästhetik weg, nach dem Fototermin wird auch immer alles verspeist, erzählt die Studentin.

Mit 15 Jahren wollte Barbu fitter werden und abnehmen – so sehr, dass sie daraus eine Essstörung entwickelte. In den Jahren darauf hat sie gelernt, wie wichtig es ist, gesund zu leben und ausreichend zu essen. Zu dieser Zeit hat sie sich auch dazu entschieden, sich vegan zu ernähren, also auf sämtliche Fleisch- und Tierprodukte zu verzichten. „Mein Hobby für gesundes, veganes Essen soll eine Inspirationsquelle für andere sein – und keine Verkaufsfläche“, erzählt die 22-Jährige. „Meine eigene Meinung behalte ich mir bei und werbe nur für bestimmte Marken, von denen ich überzeugt bin.“ Von ihren Lesern werde sie dabei nicht als Werbefläche, sondern als vertrauenswürdige Ratgeberin wahrgenommen, erklärt Florian Stahl, Professor am Lehrstuhl für Quantitatives Marketing und Konsumverhalten an der Uni Mannheim. Er sieht den Erfolg von Influencern, also Blogger, die Einfluss auf das Konsumverhalten ihrer Leser nehmen, in der persönlichen Interaktion. Unternehmen würden diese Art des freundschaftlichen Verhältnisses nutzen, um Werbung zu betreiben und eine neue junge Personengruppe zu erreichen, die bewusst klassische Werbung meide. „Sie machen Produkte nicht nur erlebbar, sondern können die für mich beste Option liefern, von der ich eventuell vorher nichts wusste, die aber genau meinen Bedürfnissen entspricht. Das bietet einen Service von enormen Suchkosten- und Zeitersparnissen“, sagt Stahl.

Barbu definiere sich selbst nicht gerne als „Influencer“. Dabei ließe sich das Phänomen des „Influencer“ recht neutral beschreiben, sagt Stahl. „Jeder Mensch hat Vorbilder, die besonderen Einfluss auf einen ausüben – seien es Popstars, intellektuelle Größen oder Freunde. Es ist Teil des Lebens, dass man sich an inspirierenden Leitfiguren orientiert. Und in der Regel können wir bewusst wählen, wer das ist.“

Gewinnbringende Bilder

Neben ihrer „digitalen Existenz“ führt Barbu ein normales Leben einer Studentin der Wirtschaftspädagogik an der Uni Mannheim, die sich hinter der Kamera am wohlsten fühlt. Ihren Aktivitäten auf den sozialen Medien geht sie wohl dosiert nach, damit genügend Zeit für Freunde und Studium bleibt – aber auch, um sich selbst nicht in der perfekten, mitunter verklärten Scheinwelt zu verlieren. „Teilweise macht es mich nervös, jeden Tag ein Foto hochzuladen und andere Beiträge zu kommentieren. Das freut meine Leser und sie lieben die hohe Interaktion. Doch würde einiges an Druck abfallen, wenn ich meinen Alltag weniger mit regelmäßigen Blogposts füllen würde“, sagt sie. Außerdem treibt sie gerne Sport, insbesondere Krafttraining und Laufen. Auch in der Natur verbringt sie viel Zeit und geht mit ihrem Hund spazieren. Ein Vollzeitjob seien ihre Beiträge im Netz noch nicht und auch zukünftig strebe sie beruflich etwas anderes an.

Dass ihre Rezeptbilder gewinnbringend seien, sei ein netter Nebeneffekt, dennoch werde ihr zukünftiger Hauptverdienst nicht aus den sozialen Medien stammen. Lieber möchte sie als Lehrerin arbeiten. In einer Realität ohne Filter.