Hochschule

Internationales Felix Hartmann war für sein Auslandssemester in Budapest / Bericht über Einbruch im Wohnheim und Schwierigkeiten mit der Sprache

„Eine Stadt, die von Gegensätzen geprägt ist“

Archivartikel

Felix Hartmann ist 26 Jahre alt und studiert Politikwissenschaften und Geschichte an der Universität Heidelberg. Im Gespräch erzählt er von seinem Auslandsaufenthalt in Budapest im vergangenen Semester.

Wie kam es, dass du dich zu einem Auslandssemester in Budapest entschlossen hast?

Felix Hartmann: Mich hat an Ungarn gereizt, da wir mit dem Land aus historischer Sicht große Verbindungen haben. Heute kommen jedoch nur negative Schlagzeilen auf uns zu. Für mich war es spannend, einfach mal dahinzugehen und zu erleben, wie es heute wirklich aussieht und was an der großen Kritik dran ist, die man jeden Tag in den Medien von Ungarn hört.

Wie hast du diese Zeit erlebt?

Felix: Was mich am Anfang sehr beschäftigt hat, war die Tatsache, dass ich kein Wort dieser Sprache gesprochen habe. Und daraus konnte ich rückschließen, wie wichtig es ist, wenn man in einem Land lebt, dass man auch die Sprache spricht. Sonst ist man im Alltag in einem Tunnel. Man hört zwar Laute, aber weiß nicht, was das heißt. Später habe ich dann ungarisch gelernt. Das war recht schwierig und meine Kenntnisse halten sich in Grenzen.

Was war dein persönliches Highlight?

Felix: Das größte Highlight war das Leben in einer Stadt mit zwei Millionen Einwohnern, die sehr von Gegensätzen geprägt ist. Auf der einen Seite gibt es ein perfekt saniertes Parlamentsgebäude, an anderen bröckelt der Putz und man sieht Einschusslöcher aus dem Krieg. Dieses Spannungsfeld im Alltag mitzuerleben, war eines meiner Highlights. Was mich auch sehr begeistert hat, war, dass die Ungarn sich gar nicht als Ost-, sondern als Mitteleuropäer sehen, obwohl sie eins der östlichsten Länder der Europäischen Union sind.

Wovon hast du am meisten profitiert während deines Auslandssemesters?

Felix: Ich würde sagen von meinem Bild auf Europa. Ich habe mich vorher schon europäisch gefühlt, aber dieses Gefühl wurde durch die neuen Bekanntschaften nochmals verstärkt. In einem Seminar ging es um Krisen der EU, an dem Studenten aus verschiedenen Mitgliedsstaaten teilgenommen haben. Es war sehr bereichernd, den Blick von anderen auf Deutschland zu sehen.

War es auch mal schwierig?

Felix: Am Anfang gab es ein paar Schwierigkeiten mit unserer Wohnung. Unser Bezirk war noch etwas im Umbruch, weshalb wir unsere Tür mit zwei Gittern abgeschlossen haben – und trotzdem wurde mal eingebrochen. Bei der Uni war es eine Herausforderung, dass das System zur Buchung der Kurse für internationale Studenten fälschlicherweise nicht freigeschaltet war. Da ist man uns aber dann mit sehr viel Wohlwollen begegnet.

Wie unterscheidet sich der Uni-Alltag von Heidelberg?

Felix: Die Veranstaltungen, die ich besucht habe, waren viel freier und praxisbezogener. In einem Seminar hat der Dozent in der ersten Sitzung gefragt, welche Schwerpunkte die Studenten setzen wollen.

Aus welchen drei Gründen sollte man unbedingt mal nach Budapest gehen?

Felix: Zum einen um den interessanten Kontrast einer Stadt zu sehen, die unter zwei Diktaturen gelitten hat. Das hat sich heute zu einer richtigen Weltoffenheit entwickelt. Zum anderen ist es auch spannend, die Entwicklung der Stadt zu sehen. Und drittens hat man in Budapest die Möglichkeit in eine – auf den ersten Blick – fremde Kultur einzutauchen, die aber auf der anderen Seite gar nicht so fremd ist und diese Fremdheit nur durch die Sprache kriegt.

Dieses Interview wurde persönlich mit Felix Hartmann geführt und ihm vor Abdruck vorgelegt.