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Forschung Historiker suchen Menschen, die sich erinnern

„Euthanasie“ während der NS-Zeit

Archivartikel

Im April 2017 startete am Lehrstuhl für Zeitgeschichte des Historischen Instituts in enger Kooperation mit dem Marchivum ein besonderes Forschungsprojekt, das jetzt erste Ergebnisse veröffentlicht, aber noch Zeitzeugen oder deren Angehörige sucht. Es geht um die Auswirkungen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms für Mannheim ab 1939. Durch den Massenmord an Menschen, die sich auf Dauer nicht selbst versorgen konnten, sparte der NS-Staat Gebäude, Pflegekräfte, Medikamente, Ärzte, Nahrung und vor allem Geld ein – um diese Ressourcen für den Zweiten Weltkrieg zu nutzen. Alleine im Deutschen Reich fielen dem Programm zwischen 150 000 und 200 000 Männer, Frauen und Kinder zum Opfer. Das Mannheimer Forschungsprojekt hat das Ziel, die „Euthanasie“-Verbrechen im Kontext der Stadt Mannheim zu untersuchen. Denn, so die ersten Ergebnisse, allein in der Quadratestadt sind mehr als 1000 Todesopfer zu beklagen.

Das Projekt will die Schicksale erhellen, aber auch untersuchen, welche Rolle der Stadtverwaltung, der Gesellschaft, den Behörden und Institutionen bei diesen Verbrechen zukam. Für Mannheim, wie für die meisten deutschen Großstädte, liegt bislang keine systematisch-wissenschaftliche Untersuchung der „Euthanasie“-Verbrechen vor. Es ist ein besonderes Anliegen der Forschungsarbeit, neben den amtlichen Quellen auch Zeitzeugen-Interviews einzubeziehen. Angehörige von Opfern sind eingeladen, aber auch Personen, die sich an das Thema „Euthanasie“ während der NS-Zeit in Mannheim erinnern. Kontakt: Lea Oberländer, Tel.: 0621/1813681. red