Hochschule

Serie Einblick in die Welt von Professoren und Dozenten

Grenzen überwinden

Archivartikel

Professoren und Dozenten haben sich der Forschung verschrieben. Sie halten Vorlesungen und Seminare, doch woran forschen sie eigentlich? Unsere neue Serie guckt durch das Schlüsselloch.

Was verarbeiten der italienische Kriminalautor Carlo Lucarelli und die afro-italienische Schriftstellerin Igiaba Scego in ihren Texten? Das sind nur einige der aktuellen Themen, denen sich Stephanie Neu- Wendel, Juniorprofessorin für Lite-ratur- und Medienwissenschaften am Romanischen Seminar der Universität, widmet. Die Halbitalienerin studierte von 1998 bis 2004 Italienisch, Medienkultur und Politische Wissenschaft an den Universitäten Hamburg und Bologna. Die Italianistin weist ein vielfältiges Forschungsprofil vor, das die Gattungsgeschichte zum Epos, historischen Roman oder die Barock- und Grenzliteratur in der Romania umfasst.

In Zusammenarbeit mit Maria Zannini forscht sie zu literarischer Identitätskonstruktion, Selbst- und medialer Fremdwahrnehmung transkultureller italophoner Autoren. Gemeint sind damit Verfasser, die neben der italienischen auch von anderen Kulturen geprägt sind, aber auf Italienisch schreiben. Dabei können komplexe Kulturverflechtungen zum Vorschein kommen.

Ziel des Projekts sei es, ein besseres Verständnis für die politische Dimension des literarischen Feldes in Italien zu schaffen. „Bezüge zu Diskursen um Postkolonialismus, Migrationspolitik oder Etikettierung des Autors sind dabei besonders aufschlussreich“, sagt Neu-Wendel. „Literarische Texte sind Austragungsorte von historischen Ereignissen, von Wechselbeziehungen zwischen Individuen und kulturellen Räumen, die Sinn und Zugehörigkeit stiften, aber auch Grenzen ziehen können, wo keine hingehören. Die literarische Aushandlung von Grenzen und Identität könnte Antworten auf aktuelle Fragen in der europäischen Debatte formulieren.“ lok