Hochschule

Semesterzeiten Mannheim und Flensburg nehmen unter staatlichen Universitäten eine Sonderstellung ein

International ausgerichtet

Archivartikel

Während andere Universitäten in Deutschland das neue Wintersemester mit aller Ruhe Mitte Oktober beginnen, sind die Studierenden der Universität Mannheim schon längst im Unialltag angekommen. Seit 2007 ticken die Uhren der Universität Mannheim anders als die der meisten Universitäten Deutschlands. Hier beginnt die Vorlesungszeit für das Herbstsemester bereits Anfang September. Doch warum steht die Universität mit ihren frühen Semesterzeiten in Deutschland fast allein da?

Mannheim stellt um

Vor über 10 Jahren, am 4. Mai 2007, wurde auf der Hochschulrektorenkonferenz für die Harmonisierung der Semesterzeiten an deutschen Hochschulen im Europäischen Hochschulraum abgestimmt, so eine Sprecherin der Universität Mannheim. Demnach sollten die Vorlesungen ab 2010 Anfang März für das Sommersemester und Anfang September für das Wintersemester beginnen. Damals sei die Wissenschaft längst international gewesen, jedoch sollten nicht nur Studierende davon profitieren, sondern auch die Wissenschaftler, sagt eine Sprecherin der Pressestelle der Universität Mannheim. Durch die geänderten, internationalen Semesterzeiten könnten nun auch Wissenschaftler der Universität Mannheim an Tagungen teilnehmen, Forschungssemester im Ausland verbringen und als Gastprofessoren wechseln. Dennoch sei die Universität Mannheim neben Flensburg die einzige staatliche Universität, die den Spurwechsel vorgenommen habe.

Edgar Erdfelder ist seit 2002 als Professor der Psychologie an der Universität Mannheim tätig. Als die Änderung der Semesterzeiten beschlossen wurde, stand er dem Ganzen eher skeptisch gegenüber: „Am Anfang war ich vor allem gegen die Änderung, weil wichtige wissenschaftliche Konferenzen im September stattfinden, an denen ich besser teilnehmen kann, wenn die Uni noch nicht wieder begonnen hat. Mit der Zeit habe ich mich jedoch auf die neuen Zeiten eingelassen und gemerkt, dass es lediglich eine Frage der Eingewöhnung ist.“

Heute ist Erdfelder überzeugt von den internationalen Semesterzeiten, da sich mit kleinen Kompromissen auch die entstehenden Probleme lösen ließen. Weiter sagt er: „Eigentlich ergeben sich die Nachteile der Mannheimer Semesterzeiten lediglich dadurch, dass die anderen deutschen Universitäten bei den alten Zeiten geblieben sind. Würden die anderen Unis nachziehen, gäbe es keine Nachteile mehr.“

Vorteil für Kontakte im Ausland

Dieter Zinser ist der Leiter des Rekoratsbüro der Universität Mannheim und sieht die Umstellung der Semesterzeiten durchweg positiv: „Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, schaut man auf die hohe Zahl an Auslandsaufenthalten der Uni Mannheim.“ Der Trend ginge nun mal zu Auslandsaufenthalten in englischsprachigen Ländern. Weiter sagt Zinser: „Und da man Auslandsaufenthaltsplätze an anderen Unis nur erhält, wenn man selbst Plätze anbietet, verschafft das Mannheim einen großen Vorteil.“ So seien die Mannheimer Semesterzeiten eine erhebliche Erleichterung, um internationale Kontakte zu pflegen. „Wären mehr Universitäten auf die neuen Semesterzeiten umgestiegen, hätte Mannheim sicher mehr Konkurrenz. So bleiben die Semesterzeiten jedoch das Alleinstellungsmerkmal der Uni“, sagt Zinser.

Dennoch wurde die Änderung der Semesterzeiten stark diskutiert. Oftmals wurde die Kritik laut, dass der frühe Vorlesungsbeginn gerade für Studienanfänger Nachteile mit sich bringe, da diese Schwierigkeiten hätten, eine neue Bleibe zu finden. So erging es auch Yannik Lütke. Er studiert im Bachelor Kultur und Wirtschaft mit Geschichte im ersten Semester an der Universität Mannheim. „Da ich noch im Ausland war, war es für mich wirklich stressig pünktlich zum Semesterbeginn in Mannheim eine Wohnung zu finden. Ich hatte gerade einmal zwei Wochen Zuhause. Zum Glück habe ich einen Platz im Studentenwohnheim bekommen.“

Patrizia Biermann studiert Wirtschaftsmathematik im vierten Mastersemester an der Universität Mannheim und ist überzeugt von den Mannheimer Semesterzeiten: „Ich bin total zufrieden. Auch wenn meine Schulfreunde andere Semesterzeiten haben, bin ich froh, dass ich im Sommer und vor Weihnachten wirklich frei habe und nicht wie andere in den Semesterzeiten noch Prüfungen schreiben muss.“