Hochschule

Serie Der Unbekannte neben uns auf dem Campus

Kaffee steht schon bereit

Brille auf der Nase und große Kopfhörer auf den Ohren. Konzentriert guckt Marius Neuberger auf den Bildschirm, hebt dann aber doch die Hand zum Gruß. Seinen Namen weiß ich erst jetzt, obwohl ich ihm schon seit zwei Jahren in der A3-Bibliothek der Uni Mannheim immer mal wieder über den Weg laufe.

Der 27-Jährige studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft (MKW) an der Uni Mannheim im Master und wohnt seit zwei Jahren in der Quadratestadt. Davor hat er seinen Bachelor in Hohenheim gemacht. "Ich lebe sehr gerne hier. Ich komme ursprünglich aus Heilbronn, das ist ähnlich industriell geprägt."

Aktuell schreibt der MKW-Student an seiner Masterarbeit. Das sei stressig, aber nicht der gleiche Stress wie bei der Arbeit in einem Unternehmen. "Da hat man meist geregelte Zeiten. Für mich ist es tatsächlich Stress, wenige Vorgaben zu haben. Genau so ist das aber bei der Masterarbeit, man hat lediglich ein Zeitfenster und danach muss alles sitzen." Bei ihm ist das Anfang Januar der Fall, bis dahin müssen 70 Seiten geschrieben sein.

In der Arbeit geht es um die Inszenierung von Schamgefühlen im Reality-TV (Realitätsfernsehen). "Deshalb schaue ich mir gerade vier oder fünf Staffeln 'Germany's Next Topmodel' an." Auf das Thema sei er durch sein Interesse an Sartre und einem Seminar an der Uni gekommen. "Ich glaube, ich hätte auch Philosophie studieren können. Ich mag das Abstrakte und Theoretische", so Marius. Wie es nach der Abgabe weitergeht, ist noch offen, die Verlagsbranche könne er sich jedoch vorstellen. Ablenkung von Zukunftsplänen und den zu füllenden Seiten im Worddokument bietet sein Nebenjob: Der Masterstudent arbeitet hobbymäßig als DJ und legt in Mannheimer Bars und Clubs auf.

Marius trinkt einen Schluck Kaffee aus einem Café-Sammo-Becher. "Die Leute da kennen mich schon, die stellen mir das Getränk eigentlich immer schon direkt hin." Er müsse jetzt weiter 'Germanys Next Topmodel' schauen - "auf doppelter Geschwindigkeit, weil die Zeit sonst einfach nicht reichen würde." mjk