Hochschule

Zukunft Bei der Studienwahl können Bedarfsprognosen nur bedingt helfen, denn Akademiker haben allgemein gute Berufsaussichten

„Keine Kunst ist per se brotlos“

Die Anzahl der Studiengänge in Deutschland steigt. So konnten Studieninteressierte im Jahr 2017 bundesweit aus insgesamt 19 096 verschiedenen Studiengängen wählen. Das zeigen Zahlen des Centrums für Hochschulentwicklung aus dem vergangenen Jahr. 2014 waren es lediglich 17 192 Studiengänge, was einen Anstieg von 11,1 Prozent bedeutet. Auch die Zahl der Hochschulen hat sich enorm gewandelt. Blickte man laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung 1990 gerade einmal auf 232 Standorte, hat sich die Zahl im Jahre 2016 mit 619 Hochschulen nahezu verdreifacht. Das größte Wachstum habe es dabei bei den Fachhochschulen gegeben.

Anstieg der Möglichkeiten

Eine große Auswahl bringt auch viele Fragen mit sich: Welcher Studiengang ist der richtige für mich? Folge ich meinen Interessen oder lasse ich mich von zukünftigen Berufschancen bei meiner Wahl beeinflussen? So zeigte eine Umfrage des Personaldienstleistungsunternehmens „univativ“, dass neben dem persönlichen Interesse auch eine gute berufliche Zukunft zu den wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Studienwahl zählt.

Laut Claudia Bruns, Hochschulberaterin der Agentur für Arbeit in Mannheim, seien vor allem akademische Berufe im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, des technischen Ingenieurwesens, des Sozialwesens sowie der Informatik besonders gefragt. „Diese Prognose ergibt sich anhand der Zugänge gemeldeter Stellen für 2017“, sagt Bruns.

Darüber hinaus würden jene Berufe hohe Karrierechancen bieten, die laut einer aktuellen Engpassanalyse von einem Fachkräftemangel betroffen sind. Hierzu zählen insbesondere Ingenieure der Fahrzeugtechnik, IT- und Softwareentwickler sowie Humanmediziner und Mathematiker. Schlechtere Aussichten bieten hingegen die Sprach- und Literaturwissenschaften sowie Kommunikationsstudiengänge. Dies zeige sich laut Bruns an den etwas höheren Arbeitslosenquoten.

Doch es gibt Entwarnung: Auch hier liegen die Quoten auf einem sehr niedrigen Niveau. „Die Arbeitsmarktchancen für Akademiker sind als wirklich gut zu bezeichnen. Nach einer gewissen Suchphase gelingt der Einstieg in das Erwerbsleben meistens erfolgreich“, so Bruns. Katja Bär, Pressesprecherin der Uni Mannheim, empfiehlt daher, die Arbeitsmarktprognose nur dann als Entscheidungsgrundlage zu nehmen, wenn sich die Neigung und Eignung mit den vorhergesagten Trends decken. „Keine Arbeitsmarktprognose kann dem Einzelnen eine sichere Karriere garantieren“, so Bär. Werde nur auf Sicherheit studiert, sei die Gefahr größer, dass das Studium abgebrochen werde.

Die Hochschulinitiative „Artes Liberales“ der Uni Mannheim hat es sich zum Ziel gesetzt, Geisteswissenschaftler beim Berufseinstieg zu unterstützen. So sollen beispielsweise Studierenden in der Vortragsreihe „Wohin denn ich?“ verschiedenste Berufsfelder aufgezeigt werden. Die Referierenden geben dabei neben einem Einblick in ihr aktuelles Arbeitsleben auch einen Überblick über ihre berufliche Laufbahn.

Für Studierende der Geisteswissenschaften gibt es kein genaues Berufsbild, vielmehr erlangen sie viele verschiedene Qualifikationen. Artes Liberales deutet diese Tatsache als klaren Vorteil auf dem Arbeitsmarkt. „Man ist sehr frei, muss allerdings auch mit dieser Freiheit und Unsicherheit umgehen können“, so Maike Sambaß, Mitglied der Initiative. Wo es einen hin verschlägt, könne man nie genau sagen. Daher sei es wichtig, sich neben dem Studium für spätere Berufe zu qualifizieren, sei es durch Auslandsaufenthalte, Praktika oder ein Ehrenamt.

Der eigenen Leidenschaft folgen

Personen, die sich bei der Studienwahl schwertun, rät Sambaß, ihrer Leidenschaft zu folgen. „Dass man an seiner Wahl zweifelt, ist völlig verständlich. Wenn ich überlege, wie viel Zeit meines Lebens ich mit Arbeiten verbringe, dann wird mir jedoch schnell klar, dass ich lieber etwas studiere, was mich interessiert.“

Dass sich Geisteswissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt nicht verstecken müssen, bestätigt auch Sebastian Hempen, Studiengangsmanager der Philosophischen Fakultät der Uni Mannheim. „Keine Kunst ist per se brotlos. Tatsächlich kommt es immer darauf an, was man selbst daraus macht“, so Hempen. Für ihn geht es bei den Geisteswissenschaften neben der Fachkenntnis um das Erlernen von Methoden: Kommunikation, multiperspektivische Analyse sowie Problemlösung. Entscheidend sei daher das Bewusstsein, dass man sich seinen Arbeitsmarkt gegebenenfalls selbst schaffen muss – mit Mut und Selbstbewusstsein.