Hochschule

Ausbildung Die Band Fibel von der Popakademie spricht über die Vereinbarkeit des Musiker-Daseins mit dem Studium / Viele Klischees

Lieber auf die Bühne als in den Hörsaal

Das Klischee vom wilden und zügellosen Musikerleben hält sich hartnäckig. Wie passt da eine Hochschule für Popmusik ins Bild? Mit anderen Worten: Wie lässt sich dieses Musikerbild mit einem straffen und disziplinfordernden Unialltag kombinieren?

Dem vermeintlichen Mythos der Unvereinbarkeit weiß die Mannheimer Post-Wave-Band Fibel, deren Mitglieder allesamt an der Popakademie studieren, schlagkräftige Argumente entgegenzusetzen. Fibel haben sich zwar erst in ihrer aktuellen Besetzung mit Jonas Pentzek (Gesang), Lukas Brehm (Bass), Dennis Border (Gitarre) und Noah Fürbringer (Schlagzeug) an der Hochschule zusammengefunden, sind aber trotzdem keine Popakademie-Band im eigentlichen Sinne.

Sprich: ein Musikprojekt, das im Rahmen der Studienanforderungen gebildet wurde. Fibel hat sich buchstäblich in den Gängen der Akademie formiert. „Man unterhält sich über Musik, die man gerne macht“, beschreibt Dennis, der wie seine Bandkollegen im vierten Semester Popmusikdesign (B.A.) studiert, den Formationsprozess. Grob einordnen lässt sich ihre Musik unter „Post-Wave“ mit Elementen der Neuen Deutschen Welle und der Post-Punk-Ära. „Wir nehmen Dinge heraus und fügen sie neu zusammen“, erklärt Jonas.

Es bietet sich ein gutes Netzwerk

Ihne gehe es mehr um die Musik an sich als um ein bestimmtes Genre. „Jeder bringt das, was er beisteuern kann, und am Ende steht Fibel darunter“, sagt Jonas. Die anderen nicken unisono. Hätte man sich nicht auch außerhalb einer Hochschule finden können? „Man hat hier ein Netzwerk, indem man sich bewegen kann“, entgegnen Lukas und Dennis, die aus Kaiserslautern und Ludwigshafen stammen und diese Gegend eher als Kreativ-Ödland empfinden.

Die Popakademie stelle in ihren Augen ein „kreatives Ökosystem“ dar. Deshalb sollte man gedanklich Künstlertum und Hochschullandschaft gar nicht voneinander trennen. „Warum sollte man die Möglichkeiten einer Hochschulausbildung nicht nutzen, um das Handwerk richtig zu erlernen?“, so Jonas. Und mit dem maßgeschneiderten Konzept der Popakademie seien Musiker- und Studienalltag ohnehin zu meistern. Lediglich die ersten zwei Semester, die der Grundlagenausbildung, ließen keinen ausgedehnten Konzertplan zu. Hier hätten sie schon mal den einen oder anderen Unter-der-Woche-Gig absagen und den Hörsaal dem Konzertsaal vorziehen müssen. Trotzdem: „Musik geht vor“, sagt Jonas lachend.

Mit dem Auftritt beim diesjährigen Maifeld Derby Festival habe sich ein großer Traum der noch jungen Band bereits erfüllt, strahlen Dennis und Lukas, die aus der Region stammen. „So ein Festival bedeutet mehr als acht Stunden Arbeit“, sagt Lukas wohlwissend. Auch wenn es unglaublichen Spaß bereite. „Professionalität erfordert Disziplin, sonst kann es nicht funktionieren“, sagt er. Auch wenn er weiß, dass er dem Mythos des ausschweifenden Musikerlebens damit den Todesstoß verpasst. Womöglich braucht man heutzutage das gleiche Maß an Disziplin, eine Band am Laufen zu halten, wie ein Studium zu absolvieren. Träumen ist aber noch erlaubt.