Hochschule

Wettbewerb Beim ersten „Absolventum Photo Contest“ haben Studierende ihren Blick auf Mannheim gezeigt

Mehr als ein Postkartenmotiv

Das Schloss, versteckt hinter einem Schilderwald, ein verträumter Blick vom Alten Meßplatz oder Jung und Alt auf dem Nachtwandel im Jungbusch: Zu all diesen Motiven und Eindrücken hat der erste „Absolventum Photo Contest“ unter dem Titel „Mannheim – (m)eine Stadt“ Studierende der Uni Mannheim bewegt. „Wir haben ein buntes Kaleidoskop an Bildern erhalten, die überraschende, außergewöhnliche, aber auch faszinierende Einblicke in das Studierendenleben bieten“, sagt Borislav Bjelicic, Honorarprofessor für Verkehrsbetriebslehre am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Logistik der Universität Mannheim.

Als Mitglied des Vorstandes von Absolventum hat er gemeinsam mit Rebecca Rasp, der Referentin der Geschäftsführung, den ersten „Photo Contest“ ins Leben gerufen. „Wir haben eine Möglichkeit gesucht, stärker mit den Studierenden ins Gespräch zu kommen“, so Bjelicic. Vor allem da sonst die Betriebswirtschaftslehre an der Uni Mannheim sehr stark sei, habe man versucht, etwas fakultätsübergreifendes zu finden, sagt Rasp.

Das hat der „Photo Contest“ geschafft: Neben Bildern von Unternehmensjuristen hängen im Absolventum-Kunstflur nun etwa die von Politikwissenschaftlern, von Studierenden im zweiten Bachelor-Semester bis hin zu Promovenden. Der Jury fiel es schwer, aus 250 Bildern nur 30 auszuwählen. Die Jury war hochkarätig besetzt: Neben Bjelicic wählten Claude W. Sui, Leiter des „Forum Internationale Photographie“ der Reiss-Engelhorn-Museen, und Stephanie Herrmann, die dort wissenschaftliche Leitung ist, der Fotograf Mateo Hamann, dessen Ausstellung zuletzt im Kunstflur hing, und Eva Stolz, Kulturbeauftragte des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), Bilder aus.

Jedes Foto hat etwas Besonderes

„Wir haben uns die Bilder in mehreren Durchgängen angesehen, manche haben sich erst nach dem dritten Mal erschlossen“, erzählt Claude W. Sui. Er habe darauf geachtet, ob ein Konzept hinter dem Bild steht, auf die Komposition, ob das Bild ein Schnappschuss ist oder eine gewollte Ordnung, vielleicht sogar eine Aussage sozialer Art beinhaltet. „Es sollte über die Postkartenperspektive hinausgehen“, sagt Sui. So entdeckt er beim Rundgang an jedem Bild etwas Besonderes – sei es eine besondere Spiegelung, eine Bildachse oder hervorstechende Farbtöne. „Es ist überraschend, wie der Blick auf das Mannheim, das wir jeden Tag sehen, durch ein Bild ganz anders werden kann“, fügt Bjelicic hinzu. Man fange an, Mannheim mit neuen Augen zu sehen.

Deswegen nennt Sui die Fotografie auch „gestaltendes Sehen“. Dass Mannheim nicht nur aus Postkartenmotiven wie dem Schloss oder dem Wasserturm besteht, zeigen die Bilder der drei Sieger: Theresa Moosmann, von der gleich zwei Bilder in der Ausstellung hängen, hat den ersten Platz erreicht. Auf ihrem Bild spiegelt das Hotel „Speicher 7“ am Hafen mit dem Himmel um die Wette. Auf die Idee sei die 23-Jährige gekommen, weil sie gerne am Hafen entlang spaziere: „Der industrielle Blick auf Mannheim hat mich schon immer begeistert und fasziniert“, erzählt die Studentin der Wirtschaftspädagogik (Wipäd). Den industriellen Blick zeigt auch das Foto des Zweitplatzierten, Manuel Neumann. Der Master-Student der Politikwissenschaft wusste genau, welches Motiv er fotografieren würde, als er von dem Wettbewerb gehört hat: „Jeden Morgen, wenn ich den Rollladen hoch mache, sehe ich die Haltestelle Rheinstraße am Jungbusch“, erzählt er.

„Rot-Grün-Schwäche“

Diese verschlungenen Straßen, Brücken und Unterführungen repräsentieren in gewisser Weise auch das Drunter und Drüber, das er in seiner Zeit in Mannheim bis jetzt gehabt habe. „Es ist interessant zu versuchen, aus etwas, das eigentlich gar nicht schön ist, etwas Schönes zu machen“, erklärt Neumann. Von der Idee, seinen Blick auf Mannheim zu zeigen, war auch Ye Fung Tchen begeistert: „Viele Leute, die nach Mannheim ziehen, sind beschränkt auf die Quadrate und den Jungbusch. Aber Mannheim besteht aus viel mehr, auch aus allen Leuten, die hier leben.“

Mit seinem Foto, das ein vor einem roten und einem grünen Container stehendes Rapper-Kollektiv aus Mannheim zeigt, hat der 26-Jährige den dritten Preis erreicht. Er habe das Fotografieren erst vor Kurzem wiederentdeckt und nun zu seinem Nebenberuf gemacht. Sein Bild hat er „Rot-Grün-Schwäche“ getauft. Damit wolle er zeigen, dass viele etwas nicht erkennen, obwohl es direkt vor ihren Augen liege.