Hochschule

Förderung Der Studienkompass unterstützt Kinder aus nicht-akademischen Familien bei ihrem Weg ins Studium

Mehr Selbstvertrauen erlangen

Im Wintersemester 2017 gab es in Baden-Württemberg circa 1400 Bachelorstudiengänge, für die sich Abiturienten hätten bewerben können. In ganz Deutschland sind es rund 19 000 Bachelorstudiengänge. Kein Wunder also, wenn da die Entscheidung für einen Studiengang schwer fällt und die Abbruchquoten in den ersten Semestern hoch sind.

Noch schwieriger wird die Entscheidung, wenn weder Eltern noch Verwandte helfen können, da sie selbst keinen Hochschulabschluss haben. Statistisch gesehen gehen Kinder aus Nicht-akademischen Haushalten seltener studieren.

Immer mehr Unterstützende

Ein Projekt, welches genau dagegen vorgehen will, ist der Studienkompass. Es richtet sich speziell an Jugendliche, die mit dem Gedanken spielen, als erste aus ihrer Familie zu studieren. Das Projekt will sie auf dem Weg zum geeigneten Studium unterstützen und ihnen helfen, ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenzulernen. 2007 von der Deutschen-Bank-Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft gegründet, arbeitet es heute mit vielen weiteren Partner-Stiftungen in einer Stiftungsinitiative zusammen – Tendenz steigend.

Gefördert werden Schüler in ihren letzten beiden Schuljahren auf dem Weg zum Abitur und in ihrem kompletten ersten Hochschuljahr. Sie werden dabei durch Workshops, Vorträge und gezielte Persönlichkeits-Trainings vorbereitet – auf das Berufsleben, aber auch auf sich selbst.

Ulrich Hinz ist Bereichsleiter der Schülerforderung bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und betreut das Projekt bereits seit mehreren Jahren. Er sieht die Stärken des Projekts vor allem in der vertrauten und persönlichen Art und Weise, wie die ehrenamtlich tätigen Betreuer und Schüler in den Seminaren miteinander umgehen. „Den Schülern tut es gut, von einem Außenstehenden zu hören, wo ihre Stärken liegen und was sie alles erreichen können“, so Hinz.

Außerdem verringere die Teilnahme an den Projekten die Angst vor dem Versagen und auch die Angst vor dem großen Unbekannten. „Die Schüler fühlen sich sicherer und motivierter. Sie haben mehr Selbstvertrauen und sind sich klarer über ihre Stärken. Außerdem können sie Informationen besser bewerten“, sagt Hinz.

Die regionalen Treffen finden alle sechs bis acht Wochen außerhalb der Schulzeit statt. Ein bestimmter Notendurchschnitt sei nicht erforderlich. „Wichtig ist nur, dass die Schüler Interesse daran haben, sich mit der eigenen Zukunft zu beschäftigen und sich auf eine sehr persönliche Art und Weise klar machen wollen, was sie alles erreichen können mit dem Potenzial, was sie haben“, sagt Hinz.

Der bundesweit agierende Studienkompass verabschiedete nun in Berlin auch Teilnehmer aus Mannheim aus ihrem Projekt. Drei Jahre arbeiten die Schüler im engen Kontakt mit ihren Betreuungspersonen und den Mitwirkenden der Stiftung zusammen – sie alle studieren heute. Darunter auch Matthias Neuwert. Sein Abitur hat er vor einem Jahr am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Mannheim gemacht und studiert jetzt an der Dualen Hochschule Mannheim BWL und Dienstleistungsmarketing im zweiten Semester.

Zum Studienkompass ist er durch eine Empfehlung seiner Klassenlehrerin in der zehnten Klasse am Gymnasium gekommen. „Ich wusste schon früh, dass ich ein duales Studium machen wollte, aber hatte keine Ahnung, was ich genau studieren soll. Meine Betreuungsperson hat mir dabei sehr viel geholfen und mich auch zu meinem jetzigen Studiengang ermutigt“, sagt der 19-Jährige.

Eine große Hilfe für den Erfolg

„Dank dem Studienkompass habe ich es überhaupt in den dualen Studiengang geschafft. Meine Betreuerin hat mir geholfen, ein perfektes Anschreiben und einen tollen Lebenslauf zu schreiben. Die Konkurrenz bei dualen Studiengängen ist riesig und sie war mir eine große Hilfe, ohne die ich es vermutlich nicht geschafft hätte“, so Neuwert.

„Ich habe die Hilfe zwar nicht in Anspruch genommen, da auf der Dualen Hochschule die Stundenpläne und alles vorgegeben sind, aber es war trotzdem gut zu wissen, dass wir uns immer und jeder Zeit an unsere Betreuer und die Stiftung wenden können“, sagt der Student über sein erstes Studienjahr.

Neuwert würde sich wünschen, dass bei dem Studienkompass mehr Schulen und Stiftungen mitwirken würden. Mehr Unterstützer, mehr Teilnehmer, mehr Aufmerksamkeit, so Neuwert.