Hochschule

Seniorenstudium Gasthörerin Traude Hornig erzählt von ihrer Studienerfahrung / Geschichte besonders beliebt

Mit 60 Jahren noch mal an die Uni

Archivartikel

An einem Dienstagmorgen um 10 Uhr im Mannheimer Schloss eilen unzählige Studierende zu ihren Vorlesungen und Seminaren, kaufen noch schnell einen Kaffee, um die frühe Uhrzeit zu kompensieren, und um sich dann, meist samt Laptop, in ihren Veranstaltungen einzufinden. Auch im Nordteil des Schneckenhofs füllt sich der „Lautenschläger-Hörsaal“ allmählich für die Vorlesung von Philipp Gassert, der in diesem Semester über die Geschichte Deutschlands als Einwanderungsgesellschaft lehrt.

Jede Woche referiert er vor etwa hundert Studierenden, wie gewöhnlich sind viele unter ihnen gerade einmal Anfang Zwanzig. Doch die Zuhörerschaft seiner Vorlesung besteht zu einem beinahe genauso hohen Anteil aus Besuchern, die ihre Zwanziger längst hinter sich gelassen haben: die Seniorenstudierenden und Gasthörer.

„Zeit Online“ schrieb schon 2015, das Gasthörerstudium sei beliebter denn je, zudem sei kein Fach so gefragt wie Geschichte. Und tatsächlich: Überblickt man die Reihen des Vorlesungssaals während einer Veranstaltung wie der von Philipp Gassert, wird diese Aussage bekräftigt. Viele der Zuhörer absolvieren ein Seniorenstudium.

Warum gerade der Fachbereich Geschichte der Renner bei den Seniorenstudierenden ist, könnte damit zusammenhängen, dass viele etwa den Fall des Eisernen Vorhangs oder die Gastarbeiterströme in den 1960er Jahren selbst miterlebt haben – was reguläre Studierende nur aus Büchern oder dem Geschichtsunterricht kennen. Der persönliche Bezug zur Geschichte wird auch im Verlauf der Vorlesung deutlich. Zwischen vielen Beiträgen der Gasthörer befragt der Professor allerdings explizit die gängigen Studierenden zum Thema – immerhin müssen diese am Ende die Klausur zur Vorlesung bestehen, das fällt für Gast- und Seniorenstudenten weg. In Sachen Lerneifer stecken viele Seniorenstudierende allerdings ihre jüngeren Kommilitonen in die Tasche.

Lernen kennt kein Alter

Ein Gasthörerstudium ist nicht nur auf die Geschichtswissenschaft beschränkt. Mit einem Blick auf die Webseite der Uni ist schnell zu sehen, dass in Mannheim Gast- und Seniorenstudierende aus einer Vielzahl von Veranstaltungen aus allen möglichen Fachbereichen wählen können. Von Betriebswirtschaftslehre zu Volkswirtschaftslehre, von Romanistik zu Anglistik, von Jura zu Psychologie: Lerneifrige in jedem Alter, die keinen Hochschulabschluss anstreben, steht ein vielfältiges Bildungsangebot zur Verfügung.

Das Konzept zeigt, dass Alt und Jung zusammen und voneinander lernen können. Ob nun älteres Semester oder nicht, stets gilt: Man lernt nie aus.

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