Hochschule

Popakademie Gemeinsamer Rhythmus verbindet Studierende aus aller Welt / Internationales Summer Camp

„Mit Musikverrückten abhängen“

Bei der zehnten Auflage des International Summer Camps (ISC) an der Popakademie war auch in diesem Jahr wieder viel los. „Es ist eine ideale Plattform für junge Menschen, die vorhaben, Popmusik zu studieren. Sie können ihre Chancen ausloten – und das auf internationalem Niveau“, sagte Catherine Galliou, Managerin für Internationalisierung an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim.

Jedes Jahr tickt anders

Für die Akademie sei das Camp ein wichtiger Baustein für die Nachwuchsförderung. Auch wenn die meisten Teilnehmer aus Deutschland stammten, mangelte es keineswegs an internationalem Flair. Unter den knapp sechzig Teilnehmern befanden sich Studierende der Partnerhochschulen aus den USA, Schweden, Irland oder Holland. Auch Dozenten waren von den internationalen Partnerunis eingeladen worden. Die Teilnehmer erwartete erneut ein facettenreiches Programm.

Morgens fanden Workshops oder Einzelunterricht statt. Die Nachmittage gehörten den Band-Proben. Besonders für die Vokalisten waren die Workshops mit Annette Marquard eine wahre Fundgrube. Von Atemübungen bis hin zu Schauspielkunde verlangte die Popakademie-Professorin für Gesang den Teilnehmern so manches ab. „Kommt schon, ihr wollt Rockstars werden“, feuert sie an. Auf das ISC freue sie sich stets, denn: „Jedes Land tickt anders und es ist wunderbar, wenn unterschiedliche Einflüsse einen beseelen.“ Die Studenten konnten sich für Einzelunterricht eintragen, der von Instrumentalunterricht bis Songwriting reichte, dem heimlichen Schwerpunkt des Camps, wie Galliou zugab.

Die 20-jährige Julia Kelsch aus Ulm, die im dritten Semester Bachelor Popmusidesign studiert, hatte sich gleich für mehrere Einzelstunden Songwriting eingetragen. „Ich kann hier unterschiedliche Herangehensweisen aus anderen Ländern kennenlernen“, erklärte sie. Sie hatte gerade Pause und saß alleine am Klavier in einem der acht Proberäume des Hauses. Es fehle noch der Text für den Chorus ihres Band-Songs. Aus den Teilnehmern formten sich am Eröffnungsabend Bands für eine Woche, deren Aufgabe darin bestand, eine Eigenkomposition beim Abschlusskonzert zu präsentieren. Einen Tag vor dem großen Konzert klafften bei manchen der insgesamt sieben Bands zwar noch Lücken, doch die Ruhe bewahren gehörte hier zum Handwerk.

Jeder Band stehe während des Camps ein sogenannter „Band-Coach“ zur Seite, ein Ansprechpartner für die Studierenden. Ein paar Zimmer weiter verfeinerte der 23-jährige Ellerstädter Singer- und Songwriter Silvan Regenbauer mit Popakademie-Dozent Peter Wölpl sein Gitarrenspiel. „Es hat mir schon viel gebracht“, lautete das Fazit des Musikstudenten aus Freiburg.

Wer es exotischer mochte, konnte zusammen mit dem Sitar-Spieler Hindol Deb, Dozent aus der Weltmusikabteilung, andere Klangkosmen ergründen. Faszinierendes Neuland und Gänsehautmomente erwarteten seine Gitarrenschüler, darunter zwei Mitglieder der Band Yellow, die beim Songwriting-Wettbewerb „Songs“ die diesjährige Freikarte zum Camp gewonnen hatte. „Allesamt sind Schüler des Ursulinen Gymnasiums und machen sehr reife Musik für ihr Alter“, verriet Galliou. Obwohl gerade Semesterferien sind, drang Musik aus allen Ecken der Akademie ins Ohr des Besuchers. Man stieß überall auf kleine Grüppchen, vertieft im Erfahrungsaustausch, wie beispielsweise Luke, Adam und Frank im Foyer. Die Sprache der Musik verband auch sie.

Erfahrungen sammeln

Luke Jackson ist vom Ballyfermot College aus Dublin angereist. Er habe von den großartigen Möglichkeiten gehört und wolle von dem reichen Erfahrungsschatz der hiesigen Dozenten lernen. „Gerade beim Songwriting hat man hier so viele Wahlmöglichkeiten“, schwärmte der Ire. Auch Adam Olafsson aus Växjö in Schweden wollte das ISC einmal selbst miterleben, ein paar seiner Stücke mit anderen Musikern arrangieren und eine Woche mit „Musikverrückten abhängen“.

„Ich habe jetzt viel mehr Selbstvertrauen, was mein Songwriting angeht, und es ist so einfach, sich mit anderen Kulturen zu vernetzen“, resümierte der Schwede. Der Deutsch-Mexikaner Frank Bayer sah das ähnlich: „Ich will lernen, wie andere Menschen über Musik denken.“ Sicherlich nimmt jeder Teilnehmer seine eigenen Eindrücke mit in die Heimat, aber durch die gemeinsame Sprache der Musik bleiben sie doch auf gewisse Art und Weise miteinander verbunden.