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Lehre Philosophin Tatjana Visak hat dieses Semester ein Seminar zur Tierethik gegeben, die sich mit dem Tier in der Moral beschäftigt

„Möchte Denkanstöße geben“

Haben wir moralische Pflichten gegenüber Kühen, Hühnern, Eisbären und Mücken? Sollen wir uns vegan ernähren? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich Philosophie-Studierende der Uni Mannheim innerhalb eines Tierethik-Seminars. Mit der Dozentin Tatjana Visak sprachen wir über ihre Motivation und vegane Hundeernährung.

Frau Visak, wieso ein Tierethik Seminar?

Tatjana Visak: Ich finde es sehr spannend, dass es direkt mit unserem eigenen Leben zu tun hat. Deshalb können die Studierenden auch gerne selbst Ideen und Themenvorschläge mit einbringen. Ich möchte sehen, was die Teilnehmer bewegt. Insgesamt ist das Seminar also eher locker gestaltet. Das liegt auch daran, dass die Tierethik eines meiner Lieblingsthemen ist. Die Beteiligung ist sehr gut, und ich denke, den Studierenden gefällt das Seminar. Das hoffe ich zumindest.

Was ist Ihre Motivation?

Visak: Meine Motivation als Dozentin ist, dass ich einen Einblick in das Fach und die angewandte Ethik im Allgemeinen geben will. Darüber hinaus möchte ich die Studierenden zum Nachdenken anregen. Generell ist es mir wichtig, unnötiges Leid zu verringern. Dabei will ich aber kein Mitleid oder andere Emotionen hervorrufen, sondern eine Auseinandersetzung mit Argumenten der Tierethik anregen. Es geht mir nicht darum, eine bestimmte Position zu verteidigen, sondern verschiedene Positionen und Argumente vorzustellen und Denkanstöße zu geben.

Ernähren Sie sich selbst vegetarisch oder vegan?

Visak: Eigentlich versuche ich das nie an die große Glocke zu hängen, auch wenn ich diese Frage sehr oft von Studierenden gestellt bekomme. Dadurch will ich verhindern, dass sich jemand in eine gewisse Position gedrängt fühlt. Jeder soll die besprochenen Argumente frei beurteilen können, ohne eine vorher eingenommene Position oder Meinung aufrecht erhalten zu müssen. Da das Seminar nun sowieso zu Ende geht, kann ich Ihre Frage aber doch beantworten. Ich lebe seit über 20 Jahren vegan. Bei mir ist das ethisch begründet und passierte von einem Tag auf den anderen. Ich verurteile aber niemanden, der Fleisch isst. Für mich sollte sich jeder mit der Thematik auseinandersetzen. Auch Veganer sind nicht unbedingt perfekten Menschen.

Hat sich die Haltung gegenüber Veganern verändert?

Visak: Auf jeden Fall. Als ich Veganerin wurde, war diese Art der Lebensweise noch nicht sehr weit verbreitet. Noch vor fünf Jahren konnten wenige etwas mit dem Begriff anfangen. Inzwischen hat sich einiges getan. Dieser Boom ist wirklich faszinierend. In fast jedem Supermarkt gibt es eine tolle Auswahl an Produkten, und man muss als Veganer auf nichts mehr verzichten. Natürlich ist es für mich sehr angenehm, dass ich einfacher an alle Produkte komme. Doch ich sehe auch den Nachteil daran. Manche rein veganen Hersteller werden von größeren Herstellern für Discounter aus dem Markt gedrängt.

Wirkt sich dieser Wandel auch auf Ihr Seminar aus?

Visak: Ja! Seit Peter Singer vor 40 Jahren sein Werk „Animal Liberation“ veröffentlichte, hat sich in der Tierethik inhaltlich nicht viel verändert. Aber die Teilnehmer des Seminars haben sich gewandelt. Sie stehen den Ansichten der Tierethik nicht mehr so kritisch gegenüber und stimmen vielen Punkten zu. Einige ernähren sich auch selbst schon vegetarisch oder vegan. Und wenn nicht, dann verstehen sie zumindest den Ansatz und die Beweggründe dahinter.

Was raten Sie jenen, die sich vegan ernähren wollen?

Visak: Die „Vegan Taste Week“ ausprobieren. Dafür kann man sich online anmelden, um vegane Rezepte und Betreuung bereitgestellt zu bekommen. Alternativ dazu kann ich jedem nur raten, sich ein veganes Kochbuch zu kaufen und einfach mal ein paar Gerichte zu testen. Atilla Hildmann hat in Deutschland mit seinen veganen Kochbüchern vielleicht mehr erreicht als so mancher Ethiker.

Haben Sie selbst ein Haustier?

Visak: Ja, ich habe einen ehemaligen rumänischen Straßenhund. Dieser ernährt sich übrigens auch vegan.

Vegane Hundeernährung?

Visak: Ich kaufe spezielles Futter über das Internet. Es versorgt den Hund mit allen für ihn notwendigen Nährstoffen und verzichtet dabei auf tierische Inhaltsstoffe. Mir ist schon bewusst, dass Hunde von Natur aus Fleischfresser sind. Aber meinem Hund schmeckt es und bietet ihm alles, was er braucht. Warum soll ich dann nicht versuchen, auch beim Hundefutter darauf zu achten, so wenig Leid wie möglich zu verursachen. Ab und zu bekommt er aber auch ein bisschen Fleisch. Dagegen hat er auch nichts einzuwenden.