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Campus Die Portionsgröße in den Mensen des Studierendenwerks Mannheims ist genau berechnet / Manchen Studierenden ist die zu groß, die Reste werfen sie weg

Ohne Frühstück aus dem Haus und trotzdem satt

15 000 Mittagessen sind genug, um eine Kleinstadt satt zu machen oder gerade ausreichend, um die Studierenden, die in der Mensa der Uni Mannheim essen, eine Woche lang mittags zu versorgen. Wie viel Arbeit dahinter steckt, bleibt den meisten Gästen verborgen. Im Keller befindet sich die Küche, das Herz der Mensa. In riesigen Dampfkesseln aus Edelstahl wird dort ab halb elf Uhr morgens gekocht.

Oben, im Erdgeschoss im Speisesaal ist die Schlange vor den Fleischgerichten traditionell am längsten. "Nur etwa 25-30 Prozent der Studierenden essen vegetarisch. Die meisten sind Flexitarier", so Rainer Wedel, der stellvertretende Leiter der Wirtschaftsabteilung des Studierendenwerks Mannheim, der schon fast 30 Jahre in der Mensa arbeitet.

"Aus den Erfahrungen des sich alle sechs Wochen wiederholenden Speiseplans lässt sich der ungefähre Bedarf errechnen, so dass selten zu viel gekocht wird", sagt Wedel. Gäbe es doch mal Überhänge in der Produktion, würden diese in der Regel am nächsten Tag wiederverwertet. Die Größe einer Standardportion festzulegen, sei schwierig. "Zuhause steht ein Topf auf dem Tisch und jeder kann sich so viel nehmen, wie er will. In der Mensa müssen wir aber mit der gleichen Menge eines Gerichtes jeden satt machen."

Variable Preise sind unbeliebt

Ein Menü besteht immer aus Hauptgericht, Salat und Suppe mit einem Gesamtgewicht von 450-500 Gramm und kostet zwischen 2,90 Euro und 3,80 Euro. "Eine Standardportion muss den durchschnittlichen Studierenden, der in der Regel auf sein Frühstück verzichtet, satt machen", sagt Wedel.

"Manchmal fehlt einfach die Zeit, alles aufzuessen. Und teilweise kann ich gar nicht so viel essen", erzählt die VWL-Studentin Marie Schmidt. Sie ist nicht die einzige Studierende, die findet, dass die Portionen manchmal zu groß sind. "Kleinere Portionen kann es nicht geben, weil sich die Menüpreise aus Wareneinsatz und Personalkosten zusammensetzen. Es ist schwierig zu definieren, anhand welcher Kriterien die Preise gesenkt werden. Das ist ein rein technisches Problem", sagt Wedel. Auch Gewichtspreise stießen vonseiten der Studierenden nicht auf Begeisterung, weil viele nicht einschätzen könnten, wie viel sie schon genommen haben. "Es bestehe aber immer die Möglichkeit, weniger zu bekommen. Umgekehrt natürlich auch." Trotzdem kommt es oft vor, dass Studierende halbvolle Teller zurückgeben und somit noch genießbares Essen in den Müll landet, der dann zu Biogas weiterverarbeitet wird.

Essen mit nach Hause nehmen

In der Mensa gibt es keine Infoschilder, die darauf hinweisen, dass es möglich ist, auf Anfrage weniger zu bekommen. Auch Marie Schmidt wusste davon nichts. "Ich würde das Essen ja auch mit nach Hause nehmen, wenn ich eine Box hätte. Doch oft habe ich nichts dabei", sagt sie. Das gleiche Problem wie beim Coffee to go. Für den gibt es an der Uni seit Kurzem einen Mehrwegbecher (wir berichteten).

Ein Pfandsystem für Essensdosen könnte auch hier Abhilfe schaffen. Doch bis dahin gilt: Wer einen kleinen Magen hat und Lebensmittelverschwendung reduzieren will, sollte sich eine Dose in die Tasche packen. leb