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Kultur Gregor Schwung betreibt seinen eigenen Podcast / Er behandelt vor allem die Themen Außenpolitik und USA

Politik auf die Ohren

Archivartikel

Gregor Schwung läuft suchend durch die Gänge eines lokalen Medienunternehmens. Er ist gleich zu einem Interview mit Daniel Caspary, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament verabredet. Wie bei allem, was er macht, kommt er immer frühzeitig, um spontan auf Unvorhergesehenes reagieren zu können. Nach einer Weile hat er einen Raum bekommen, in dem er seine Ausrüstung aufbauen kann. Laptop aufklappen, Reisemikrofone einrichten, Kamera aufbauen – innerhalb von Minuten ist alles aufnahmebereit.

Wissen in sechs Minuten

Schwung hat Politikwissenschaften und Wirtschaft an der Universität Heidelberg studiert. Politik ist seine große Leidenschaft. Seit etwas mehr als zwei Jahren betreibt er unter anderem auf der Plattform Spotify einen Podcast. Früher hieß dieser noch „6 Minuten Politik“, seit Anfang des Jahres hat er ihn zu „Politik mit Schwung“ umbenannt. „Wenn man so einen geilen Namen hat, muss man ihn irgendwie verwenden“, erzählt Schwung. Dort veröffentlicht er jeden Freitag eine neue Folge, in der er ein aktuelles politisches Thema erklärt. Seine Folgentitel beinhalten stets die Warum-Frage, da sie in den Medien oft ausgelassen würde, aber eigentlich die Wichtige sei. Sein Motto dabei: informativ, kurz und mit Substanz.

Auf die Idee zu seinem Podcast ist er aufgrund der Entwicklung des politischen Geschehens in der Welt gekommen. „2016 war ein politisch beunruhigendes Jahr“, sagt Schwung. Donald Trump war zum Präsidenten der USA gewählt worden und Großbritannien hatte für den Brexit gestimmt. Hinzu komme, dass „Leute sich nicht mehr richtig informieren oder nur noch die Informationen kriegen, die sie hören wollen.“ Im September 2017 standen in Deutschland Bundestagswahlen an. Zu dieser Zeit analysierte Schwung in seinem Studium politische Ereignisse. Und da dachte er sich: „Das, was ich in meinem Studium mache – Politik analysieren und erklären – könnte ich doch auch bezogen auf alltägliche Politik für eine größere Hörerschaft machen.“ Währenddessen hatte er bereits beim Uni-Radio „RadioAktiv“ Erfahrungen bei einem Hörmedium gesammelt. Das Medium Podcast war für ihn von Anfang an klar, da er nichts von linearen Medien wie Radio oder Fernsehen hält. „Ich glaube, das ist unpraktisch. Niemand setzt sich mehr um eine bestimmte Uhrzeit vor ein Empfangsgerät, um eine Sendung zu hören. Man will etwas hören, wenn man Bock und Zeit hat.“ Was Podcasts noch zum perfekten Medium mache? „Weil es Zeit spart und man während einer anderen Tätigkeit Wissen passiv aufnehmen kann“, so der 23-Jährige.

Lieblingsthema ist Außenpolitik

Sein Podcast richte sich insbesondere an junge Leute, die sich nicht hauptsächlich über klassische Medien informieren und keine Zeit haben, sich lange Hintergrundartikel durchzulesen.

Seine Lieblingsthemen: Außenpolitik und USA. „Ich schaue immer, was in der Woche so aktuell ist. Meistens gibt es ein Thema, das dominant ist.“ Mittwochabend steht dann der Titel, Donnerstag nimmt er auf, Freitagmorgen kommt die Folge online.

Ursprünglich war sein Podcast als Projekt neben dem Studium bis zur Bundestagswahl 2017 geplant. „Danach habe ich dann gesehen, dass es gut läuft, mehr als ich erwartet habe“, blickt Schwung zurück.

Abgeordnete im Gespräch

In den vergangenen Wochen hat er sich intensiv mit der Europawahl auseinandergesetzt. Zum ersten Mal hat er sich um einen Sponsor gekümmert, um aufwendigere Folgen in Form einer Serie produzieren zu können. Dabei ging es um die Geschichte der Europäischen Union und um das Europäische Parlament. Außerdem hat er mit Europaabgeordneten der sechs wichtigsten Parteien Deutschlands Interviews geführt, eines davon mit Daniel Caspary.

Während des Interviews hört Schwung aufmerksam zu. Gleichzeitig achtet er darauf, dass mit der Aufnahme alles funktioniert. Seine Fragen sind gut recherchiert und zugespitzt formuliert. Stellt ihn eine Antwort nicht zufrieden, bohrt er nach. Die Zeit zwischen Bachelor und Master nutzt er auch, um Praktika im journalistischen Bereich zu machen. Ab Oktober will er einen Master machen. Wie es dann mit dem Podcast weitergehen soll, ist für ihn schwer abzusehen. Fest steht: „Es ist immer noch mein Hobby.“