Hochschule

Campus Studierende können die psychologische Beratung auf dem Unigelände in Anspruch nehmen / Versagens- und Zukunftsängste mit die häufigsten Probleme

Stress durch zu hohen Leistungsanspruch

Archivartikel

Für Studierende der Uni Mannheim stehen im Dezember und im Februar Prüfungen an. Der 18-jährige Christian Armbrust, der seit diesem Semester Volkswirtschaftslehre studiert, ist noch ganz gelassen. „Im Moment fühle ich mich noch nicht gestresst, aber das kann sich ja mit Beginn der Prüfungsphase auch ändern“, sagt er.

Die 23-jährige Hanna Böhn sagt dazu: „Die Klausurenphase ist für mich die Zeit, in der ich möglichst alle Hobbys fallen lasse. Die Weihnachtszeit war die letzten beiden Jahre besonders schwer, da ich bis kurz vor Weihnachten lernen musste.“ Sie studiert im fünften Semester Soziologie. Manche haben Angst, Prüfungen nicht zu bestehen. Andere wissen nicht, wie sie mit der großen Menge an Lernmaterial umgehen sollen. Das alles kann sogar zu psychischen Problemen führen. Deswegen steigt zum Semesterende hin auch die Nachfrage nach Beratungen in der Psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerk Mannheim, die sich in der Mensaria am Schloss befindet. Hier finden Studierende aller Mannheimer Hochschulen eine erste Anlaufstelle, zu der sie mit jeglicher Art von stu-dienbezogenen persönlichen und psychischen Problemen kommen können.

Zwei Gespräche kostenfrei

Die ersten beiden Gespräche können kostenfrei in Anspruch genommen werden. Der Leiter der Einrichtung, der 32-jährige Diplompsychologe Andreas Steimer, ermutigt die Studierenden: „Es lohnt sich immer, hierher zu kommen, egal mit welchem Problem.“ Denn die Beratungen haben eine hohe Erfolgsquote aufzuweisen. „Mehr als 90 Prozent der Studierenden, die beraten worden sind, geben in der Abschlussbefragung an, ihre Problematik habe sich durch die Beratung gebessert“, sagt Steimer. Dabei sind die häufigsten Probleme, wegen derer die Studierenden in die Beratung kommen, Versagens- und Zukunftsängste, Lern- und Leistungsprobleme sowie depressive Verstimmungen. Wichtig ist laut dem Psychologen, dass man nicht wartet, bis alles über einem einstürze, sondern vorher Hilfe sucht. Im Falle des Prüfungsstresses wird den Betroffenen in der Beratungsstelle, die Möglichkeit geboten die eigenen Ansprüche und die eigene Arbeitsweise zu reflektieren. Oft seien übertriebene Leistungsansprüche, die von den Studierenden selbst oder ihrem Familienkreis an sie herangetragen werden, der Grund für die Belastung. Andere Faktoren, wie finanzielle Schwierigkeiten oder ein Mangel an Lernstrategien begünstigten den Stress zusätzlich.

Die Probleme seien in den seltensten Fällen durch mangelnde Intelligenz entstanden, weshalb Steimer zu mehr Gelassenheit rät. „Es kann auch gute Gründe geben, mal noch ein Semester länger zu studieren.“ Persönliche Reife würde inzwischen auf dem Arbeitsmarkt positiv gesehen. Steimer hält für die Studierenden auch noch Tipps bereit, um die Prüfungsphase möglichst gut zu überstehen. Zum einen sei es wichtig, realistische Ziele zu haben und einen Sinn hinter dem Lernen zu sehen. Zum anderen helfe es, Pausen zu machen und sich zu belohnen, wenn man etwas geschafft hat.