Hochschule

Schloss Nachdem er antisemitische Parolen in der Bibliothek entdeckt hat, schildert Dima Bilyarchyk, warum er den Fund auch bei Facebook öffentlich gemacht hat

Student und Universität erstatten Anzeige

Freitagabend, 1. Juli: Dima Bilyarchyk, BWL-Student, lernt mit einem Kommilitonen im Gruppenraum der Ehrenhofbibliothek der Universität Mannheim. „Ich hatte eine Aufgabe eher fertig, habe hochgeschaut und da war ein Flipchart, auf dem VWL-Formeln standen. Dann sehe ich das Hakenkreuz und die judenfeindlichen Beschimpfungen“, erzählt Bilyarchyk – der selbst jüdisch ist. „Mein erster Gedanke war, dass das doch wohl nicht wahr sein darf. Ich war erstaunt, all das an diesem Ort zu sehen, in der Universitätsbibliothek.“

Beim Rausgehen aus dem Gruppenraum sei ihm ein zweites Plakat aufgefallen, ebenfalls mit einem Hakenkreuz und einem antisemitischen Spruch beschmiert. Nachdem der Student den Sicherheitsdienst über die Straftat informiert hatte, nahm er die Plakate mit nach Hause: „Ich war sehr nachdenklich, habe mir Notizen gemacht. Es war für mich aber schnell klar, dass ich die Straftat öffentlich machen will.“ Am nächsten Tag habe er dann bei der Polizei „Anzeige gegen Unbekannt“ erstattet und die Plakate als Beweismittel abgegeben. Die Strafverfolgungsbehörde ermittelt bereits, Hinweise auf den oder die Täter gebe es bislang nicht (wir berichteten).

Plakate mit Schmierereien

Am Abend entschloss er sich, einen Post auf Facebook zu verfassen: „Ich wollte damit ein Bewusstsein schaffen, dass Juden ein Teil unserer Gesellschaft sind und Deutschland seit Jahrhunderten ein florierendes jüdisches Leben hat“, sagt er.

Mittlerweile zählt sein Post auf Facebook knapp 700 Likes, über 80 Kommentare und wurde über 200 Mal geteilt. Da er viele jüdische Freunde auf Facebook habe, habe er mit einer gewissen Resonanz gerechnet, sagt der BWL-Student. „Den Beitrag haben aber auch viele Kommilitonen und Leute geteilt, die ich gar nicht kenne – vielleicht ist das ja die Unterstützung der digitalen Welt“, sagt er.

Kritik kam nur von einer Seite: In seinem Post schreibt Bilyarchyk, dass die Schmierereien „vermutlich von einem Kommilitonen“ stammen. Dies bezeichnen einige in Kommentaren als „polemisierend“ oder „unsachlich“, da die Bibliothek doch öffentlich zugänglich sei. Darauf, dass die Straftat nicht unbedingt von Studierenden begangen wurde, entgegnet Bilyarchyk nur: „Macht es einen Unterschied? Soll ich mich weniger angegriffen fühlen, wenn so etwas von Schülern oder anderen Personen kommt?“

Auch habe er bereits ein gemeinsames Gespräch mit dem Rektorat der Uni, der Bibliotheksleitung und dem Allgemeinen Studierendenausschuss über das weitere Vorgehen geführt, die Uni Mannheim hat ebenso eine Strafanzeige erstattet. In ihrer Stellungnahme distanziert sie sich „klar von den antisemitischen Aussagen und verurteilt diese aufs Schärfste.“ Weiter äußert sich Rektor Ernst-Ludwig von Thadden: „Menschenverachtende und rassistische Parolen haben hier keinen Platz.“ Bilyarchyk sagt: „Die Uni Mannheim hat grundsätzlich kein Antisemitismus-Problem, die Plakate waren ein Einzelfall.“ Dennoch werde überlegt, eine öffentliche Veranstaltungsreihe zur Frage des Hasses und speziell auch zu Antisemitismus an der Uni zu halten.