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Performance Größte gleichzeitige Aufführung Deutschlands auch in Mannheim / 100 Städte per Smartphone vernetzt

Theater auf Knopfdruck

100 Menschen sollen sich auf dem Alten Meßplatz in Mannheim versammeln. Was sie dort machen? Synchron mit 9 900 anderen Menschen, in 100 verschiedenen Städten Deutschlands pantomimisch Theater spielen – so ist zumindest die größte Performance Aktion Deutschlands, das „Theater der 10 000“, geplant. Ins Leben gerufen wurde das Spontantheater von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Entwickelt und umgesetzt wird die Theateraktion von einem Kreativteam und einem bundesweiten Netzwerk von ehrenamtlichen Unicef-Gruppen, darunter auch die Unicef Hochschulgruppe Mannheim-Ludwigshafen.

Eine Zeitreise in das Jahr 2019

„Bei dem Stück geht es darum, dass die Darsteller gemeinsam eine Zeitreise erleben“, sagt Ann-Kathrin Nebe. Die 24-Jährige studiert Kultur und Wirtschaft im Master an der Universität Mannheim und ist eine der Organisatoren der Theateraktion. „Die Geschichte startet in der Zukunft. Die Welt wie wir sie heute kennen, ist von Naturkatastrophen und Armut geprägt. In dem Stück ,reisen’ die Darsteller dann zurück in das Jahr 2019, damit sie sehen, was heute geändert werden kann, damit viele Kinder eine bessere Zukunft haben“, ergänzt Zarah Westrich, die ebenfalls Mitglied der Unicef Hochschulgruppe ist und bei der Organisation hilft. Wie Ann-Kathrin studiert die 21-Jährige Kultur und Wirtschaft, jedoch im Bachelor.

Momentan hat die Unicef Hochschulgruppe Mannheim-Ludwigshafen 40 Studierende, die zusammen Benefizkonzerte, Spendenläufe und Vorträge für den guten Zweck organisieren. „Sechs von uns helfen bei der Organisation des Theaters und der Rest kümmert sich um andere Projekte“, sagt Ann-Kathrin. Zusätzlich werde das Team der Hochschulgruppe von der Unicef-Arbeitsgruppe Mannheim-Ludwigshafen unterstützt.

Damit alle Darsteller wissen, was sie überhaupt schauspielern sollen, erhalten sie über die Kopfhörer ihres Smartphones alle die gleiche Geschichte mit den Anweisungen, was sie darstellen sollen. Die Audio-Datei laden sich die Schauspieler am Aktionstag herunter. „Man muss also wirklich keinen Text auswendig lernen und auch Laienschauspieler ohne Erfahrung können mitmachen“, sagt Ann-Kathrin. „Deshalb mache ich mir auch gar keine Gedanken, wie ich mich darauf vorbereiten könnte, sondern freue mich einfach darauf, mit so vielen Menschen in unterschiedlichen Städten zusammenzukommen“, verrät Miriam Keller. Die 25-Jährige studiert ebenfalls Kultur und Wirtschaft im Master und hat sich bereits für die Aktion angemeldet. „Von dem Theater erwarte ich mir, dass es für uns Teilnehmende ein berührendes Erlebnis wird, das uns alle zum Nachdenken anregt und vielleicht auch einzelne Handlungen anstößt“, sagt die Teilnehmerin.

Bei dem Theaterstück würden sich die Sequenzen immer wieder wiederholen, sodass es nicht so wichtig sei, wenn Darsteller einen Schritt nicht ganz synchron ausführen. „Hauptsache man macht den Schritt, das ist das Wichtige daran“, sagt Zarah. Mit der Aktion möchte Unicef für die Themen Kinderarmut und Klimawandel sensibilisieren. „Für mich ist vor allem der Gedanke wichtig, dass wir vielleicht die letzte Generation sind, die aktiv anfangen kann, etwas dagegen zu unternehmen. Das ist ein wichtiges Signal, das wir mit dem Theaterstück weitergeben wollen“, ergänzt die Organisatorin. Außerdem sei die Theateraktion eine andere Form der Aufmerksamkeit. Deshalb gehe es primär nicht um die Spenden-Akquise, sondern vielmehr darum, dass Menschen, die sich für das Thema einsetzen möchten, dies auch aktiv tun können. Nach der Theateraktion plant die Unicef-Hochschulgruppe einige Stände mit Informationen passend zum Thema anzubieten.

Findet auch bei Regen statt

Auch Johanna Eiworth, die Esemble Mitglied des Nationaltheaters in Mannheim ist, findet das Ausprobieren eines solchen Spontantheaters spannend: „Wenn viele Menschen zusammenkommen und es einen live-Moment gibt, dann kann das magisch sein und echt toll werden.“ Daher sieht die berufliche Schauspielerin keine Probleme in der Umsetzung, sondern den Spaß an der Sache.

Viele fragen sich, was gegen die Kinderarmut und den Klimawandel unternommen werden kann. „Das Theaterspielen ist deshalb ein Schritt, um sich aktiv zu beteiligen“, so Ann-Kathrin. Die Aktion werde auch stattfinden, falls es regnet. „Dann werden wir Pavillons aufstellen. Mit der richtigen Kleidung ist das dann kein Problem.“