Hochschule

Initiative Fortschritte für Projekt „Blauherz“ / Studierende arbeiten seit ihrem Sieg bei „Social Project Contest“ weiter / Kleidung für Rollstuhlfahrer

Vom Hosen-Prototyp zum eigenen Unternehmen

Archivartikel

Ab dem 1. Januar 2019 ist „Blauherz. Style without borders“ (Stil ohne Grenzen) kein Projekt mehr, sondern eine gGmbH, ein gemeinnütziges Unternehmen. Warum ist das etwas Besonderes? Weil dieses Projekt erst vor rund eineinhalb Jahren von einer neunköpfigen Gruppe von Studierenden der Uni Mannheim ins Leben gerufen wurde.

Gestartet mit dem Namen „Clothing the Gap“ (die Kleidungslücke schließen) hat es sich das Team der Studierendeninitiative Enactus zum Ziel gesetzt, eine nicht allzu teure, modische Hose auf den Markt zu bringen, die perfekt auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern zugeschnitten und von guter Qualität ist(wir berichteten). In Kooperation mit dem Pilgerhaus Weinheim, in dem am 6. Juni eine offizielle Nähwerkstatt von „Blauherz“ eingerichtet wurde, sind die Studierenden ihrem Ziel ein Stück nähergekommen. In der Werkstatt, die Platz für sieben Näherinnen bietet, sollen in naher Zukunft Geflüchtete und sozial benachteiligte Menschen angestellt werden.

Eigene Nähwerkstatt in Weinheim

„Mit dem Pilgerhaus als Kooperationspartner haben wir den Jackpot gezogen“, erzählt Johanna Stolch. Die Projektleiterin des Mannheimer Teams ist zurzeit, in den Semesterferien, sechs Wochen am Stück täglich vor Ort. Dort macht die Studentin des Bachelor Kultur und Wirtschaft vor allem Projektarbeit: „Ich erfasse die eingegangenen Bestellungen und leite diese an die Nähwerkstatt weiter, dort wird produziert und verpackt“, sagt Stolch.

In den letzten Monaten ist das Arbeitspensum der 22-Jährigen stetig gewachsen: „Zu Beginn habe ich ein paar Stunden in der Woche investiert, jetzt ist es eher eine normale Arbeitsstelle“, sagt Stolch. Vor allem in der Klausurenphase kann es daher auch mal stressig werden: „Dadurch, dass wir so viele im Team sind, die alle dahinterstehen und so viel Zeit investieren, wird man enorm entlastet“, so Stolch.

Doch nicht nur die Teammitglieder scheinen elektrisiert von „Blauherz“. So erhielt das Team kürzlich im Rahmen der „Google Impact Challenge“ 20 000 Euro, die nun in eine Erweiterung des Produktportfolios und in die Gründung der „Blauherz. gGmbH“ investiert wird. Der Social Project Contest, veranstaltet von der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim, war im letzten Jahr der erste Wettbewerb, den das Team gewonnen hat. Für den Wettbewerb werden die Einnahmen aus dem Verkauf des Absolventenweins gespendet, die Business School Mannheim verdoppelt den Betrag.

Damit erhielt Blauherz als Startkapital 1010 Euro, die sie in den Hosen-Prototypen investierten. Der Sieg sei für Stolch und das Team ein überwältigender Gedanke gewesen, das Team habe damals nur einen unfertigen Prototyp und eine Idee gehabt: „Denn egal, wie viel Herz und Zeit man in ein Projekt steckt, durch finanzielle Unterstützung kann man das Projekt weiter vorantreiben.“ Es konnten bereits mehr als 20 Hosen, 70 T-Shirts und 30 Beutel verkauft werden. Auch die Bestellungen im Online-Shop laufen nun an, ab Mitte September soll ausgeliefert werden.