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Popakademie Das erste deutsche Hip-Hop-Symposium bringt Wissenschaftler und Rapper zusammen / Schwerpunkt liegt auf der Rhein-Neckar-Region

Von der Straße in den Hörsaal

Archivartikel

Im Mutterland USA ist HipHop das meistgehörte Musikgenre. In Deutschland ist seine Relevanz klar steigend. Ein Drittel aller Musikstreams sind inzwischen Rap-Titel. Diese Fakten und die starke mediale Präsenz lassen die akademische Seite zunehmend auch hierzulande aufhorchen. Hip-Hop gilt als ein Kulturgut, das an US-Unis wie Harvard längst Forschungsgegenstand ist. Grund genug für die Popakademie Baden-Württemberg, ihr jährliches Format „Konferenz Zukunft Pop“ in seinem achten Jahr ganz und gar diesem Musikgenre zu widmen und das erste deutsche Hip-Hop-Symposium zu initiieren.

„Die Popakademie will einen Impuls setzen, einen nachhaltigen Diskurs anregen. Immer mehr Bachelor- und Masterarbeiten behandeln dieses Gebiet, doch es mangelt an Literatur“, betont Andreas Margara, Leiter der Pressestelle der Popakademie und Organisator des Symposiums. Als Kurator des Symposiums hat er sich den Vater des deutschen Hip-Hop und gebürtigen Heidelberger Frederik „Torch“ Hahn ins Boot geholt. „Unser Blick richtet sich inhaltlich auf die Region Rhein-Neckar, die von der hiesigen Szene als Wiege der Hip-Hop-Kultur empfunden wird“, betont Hahn den regionalen Schwerpunkt der öffentlichen Konferenz.

Rap als Forschungsgegenstand

Die Besonderheit, so sind sich die Veranstalter einig, bestehe in der Zusammenführung aus Wissenschaft und Akteuren der Rap- und Hip-Hop-Szene. Vertreter verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, wie der Sprachwissenschaft, der Humangeografie oder der Soziologie treffen in drei Diskussionsrunden auf Szene-Größen wie Jan Delay, Megaloh, Samy Deluxe oder Graffiti Legenden wie „Gismo“.

Die Themenvielfalt ist groß und spannt einen Bogen von den Anfängen des Hip-Hop in der Rhein-Neckar Region bis zu Politik- und Medienwahrnehmung. Als Einstimmung auf die Thematik dienen die beiden 1980er Jahre Dokumentationen „Stations of the Elevated“ und „Breakout“ – Tanz aus dem Ghetto, beide mit regionalem Bezug, die das Odeon Kino ausstrahlt. „Wir erwarten rund 500 Teilnehmer“, freut sich Margara über die große Resonanz. Deshalb habe er zusätzlich auf Räumlichkeiten außerhalb der Popakademie zurückgreifen müssen, wie beispielsweise die Jungbuschhalle.

Graffiti, das definitorisch zu den Elementen des Hip-Hop zählt, hält ebenso Einzug in das wissenschaftliche Format wie ein Beatbox-Workshop mit dem Hamburger Rapper und Popakademie-Absolventen Luis Baltes oder DJ- und Sampling-Workshops.

Die teilweise zu den Diskussionen parallel laufenden Vorträge könnten sich als harte Konkurrenz mit hohem Unterhaltungswert erweisen, wenn die Kurpfälzerin Eva Ries im Gespräch mit Andreas Margara erzählt, wie sie Anfang der 1990er Jahre als Managerin beim Wu Tang Clan landete, oder Miriam Davoudvandi, Chefredakteurin des Splash! Magazins, zusammen mit Lena Grehl den Rap-Kosmos fernab feministischen Schubladendenkens aufrollt.

„Mit der Kombination aus UNESCO City of Music Mannheim und UNESCO City of Literature Heidelberg ist diese Region der richtige Ort für die Austragung“, resümiert Hahn.