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Campus Renommierte Ökonomen mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten diskutieren über die Entwicklung seit der Finanzkrise

Wambach: „Das ist ein absurder Vorwurf“

Ein Jahrzehnt ist vergangen, seitdem die anfängliche Immobilienkrise in den USA in einer globalen Finanzkrise gipfelte. Dies nahm die Fachschaft Volkswirtschaftslehre (VWL) der Universität Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Verein für Plurale Ökonomik zum Anlass, um über die Forschung und Lehre in der Volkswirtschaftslehre zu diskutieren. Themen waren hierbei, inwiefern die globale Finanzkrise die VWL beeinflusst hätte und ob sich die Ökonomik noch verändern müsse.

Zum Streitgespräch eingeladen waren Achim Wambach, Professor an der Universität Mannheim, und Svenja Flechtner, Inhaberin der Junior Professur an der Universität Siegen im Bereich Plurale Ökonomik. Wambach ist der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und seit 2006 Teil des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums. Er hatte sich klar gegen die Plurale Ökonomik ausgesprochen, weil sie Probleme nicht genügend anpacken würde und die Ökonomik inhaltlich nicht weitergebracht hätte.

Positives Fazit

Die Diskussion war in drei thematische Blöcke gegliedert, zu der sich beide Wissenschaftler nacheinander äußerten. Vor der Diskussion hielten beide einen Impulsvortrag, in der sie sich jeweils zur Frage „Welche Kritik an der VWL war im Zuge der Finanzkrise berechtigt?“ positionierten. Im Anschluss an die Diskussion beantworteten die Referierenden einige Fragen aus dem Publikum, die zuvor eingereicht werden mussten.

Wambachs Fazit zur globalen Finanzkrise fiel überwiegend positiv aus, da er den Weg Deutschlands und der USA aus der Krise als anzuerkennenden Erfolg bewertete. Die oft laut gewordene Kritik, eine Prognose der Krise wäre damals möglich gewesen, nannte er einen „absurden Vorwurf“ und distanzierte sich damit klar von dieser Aussage. Die Finanzkrise habe zur Veränderung der Forschung geführt. Dass Banken damals trotz anderweitiger Anlagen nicht mehr an Geld gekommen seien, hätte erheblich zur globalen Krise beigetragen, sagte Wambach.

Svenja Flechtner hingegen bewertete die Kritik, dass die Volkswirtschaftslehre realitätsfern sei, als unberechtigt und nannte als Ziel der Ökonomik die Ausbildung guter Ökonomen. „Die Forschung ist progressiver als die Lehre“, sagte Flechtner, die das Lehren der immer selben Modelle kritisiert. Auf die Frage, ob Plurale Ökonomik die Volkswirtschaftslehre weiterbringe, sagte Wambach, dass er die Abgrenzung des Begriffs der Pluralen Ökonomik als schwer erachte und, dass die Einbringung in Tagungen und Konferenzen den Pluralisten nicht engagiert genug sei. Flechtner gab ihm hierbei recht und sagte, dass sich beide Seiten mehr dem Diskurs stellen müssten.

Auf die Frage eines Zuhörers, was die beiden tun würden, wären sie neuer Wirtschaftsminister, waren sich Wambach und Flechtner weitestgehend einig: „Mir ein gutes plurales Beratergremium zusammenstellen“, antwortet Flechtner, woraufhin Wambach erwiderte: „Ein gutes Team, gute Netzwerke, denn Politik ist ein hartes Feld.“ jfa