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Campus Summer School an der Uni Mannheim / Amerikanische Professorin erforscht Zusammenhänge von Gemeinschaften

„Zwischen Essen und Kultur“

Archivartikel

An Tacos lässt sich ein Exempel statuieren: ursprünglich stammen sie aus der Grenzregion von Texas (USA) und Mexiko und sind eine Mischung der Essenstraditionen beider Kulturen. In der diesjährigen Summer School an der Uni Mannheim untersucht Elizabeth Duclos-Orsello genau solche Phänomene mit ihren Studierenden. Die Professorin der Salem State Universität in den USA sprach mit dieser Zeitung über ihren in den Semesterferien angebotenen Kurs „Foodways in Grenzregionen“.

Ihr Kurs handelt von „Foodways“ in Grenzregionen. Was sind „Foodways“?

Elizabeth Duclos-Orsello: Beim Reden über Essen würde man die Zutaten und die Zubereitung erwähnen. Mit „Foodways“ ist aber die Schnittstelle zwischen Essen und Kultur gemeint. „Foodways“ einer bestimmten Region oder Kultur zu untersuchen, berücksichtigt nicht nur, was Menschen essen oder zubereiten, sondern auch, warum, was es bedeutet oder was es über andere Themen aussagt. Es geht um die Normen und Geschichten, die Beziehung zur Geografie und zu Themen wie Rasse oder Geschlecht, alle kulturellen Komponenten eben. „Foodways“ sind ein anderer Weg, um über soziale und kulturelle Praktiken nachzudenken, die mit dem Konsumieren und Produzieren von Essen zusammenhängen. Ein dritter Weg, es zu übersetzen, wäre das Untersuchen einer Kultur oder einer Gruppe von Menschen durch die Dinge, die sie essen.

Was sind Grenzregionen?

Duclos-Orsello: Die Idee der Grenzregionen ist ein theoretisches Konzept, das Gloria Anzaldua populär gemacht hat. Grenzregionen sind Orte, seien diese physisch, geografisch oder flexible Identitäten, wo zwei oder mehr Gruppen von Menschen, Ideen oder Kulturen aufeinandertreffen. Und diese Unordnung und Verwirrung bedeutet eine Herausforderung und manchmal auch Schmerz, Kampf und Verletzungen, aber auch Hoffnung. Über Grenzen zu reden, bedeutet, über Gegensätze zu reden. Das Reden über Grenzregionen beinhaltet dagegen die komplizierten Räume in der Mitte, die eine Herausforderung darstellen, aber auch das Potenzial für neue Dinge, neue Ideen des Zusammenlebens, bieten.

Was haben Sie bei Ihren Forschungen über die europäischen und nordamerikanischen „Foodways“ herausgefunden?

Duclos-Orsello: Eine Beobachtung, die ich gemacht habe, ist, dass das Essen sowohl in Europa als auch in Nordamerika zeigt, wie verschiedene Menschen über Jahrhunderte zusammengekommen oder gereist sind und dabei neue Nahrungsmittel und Nahrungstraditionen mitgenommen haben. So gehören beispielsweise Tomaten in Italien zur traditionellen italienischen Küche. Die Tomate selbst kommt gar nicht aus Italien, aber sie wird nun damit assoziiert. Genauso werden Tomaten in Gerichten vieler anderer Erdteile verwendet. Essen ist also das Produkt von Menschen, die über Jahrhunderte hinweg Ozeane und Landmassen überquert haben, entweder freiwillig oder aus Zwang.

Was ist das besondere an „Foodways“ gerade in Grenzregionen?

Duclos-Orsello: Wenn wir über „Foodways“ und die Zubereitung von Essen in geopolitischen Grenzregionen nachdenken, dann zeigt Essen ganz offensichtlich, dass verschiedene Kulturen oder Menschen zusammenkommen. Dort kann man verschiedene Sorten von Essen oder verschiedene Essenstraditionen sehen, die nebeneinander leben. Neue Gerichte und neue „Foodways“ entstehen, weil es diese Kombination der Kulturen an eben diesem Ort gibt. Und ich denke, dass Essen einen guten Weg darstellt, eine Kultur kennenzulernen, weil etwas zu probieren, zu fragen, wie und warum es gemacht wird, ein Weg ist, etwas über die Menschen, die es zubereiten und essen, herauszufinden. Essen ist ein guter Ausgangspunkt, um zu verstehen, dass es alle möglichen Arten bereichernder Kulturen auf der ganzen Welt gibt.

Wie ist das bei Mannheim?

Duclos-Orsello: Wenn Sie auf eine Karte schauen, dann sehen Sie, dass Mannheim zwischen zwei Flüssen liegt. Das macht es, historisch gesehen, zu einer Grenzregion. Bis zur Erfindung von Zügen und Autos haben sich Menschen, Ideen und Güter über das Wasser fortbewegt. Und Städte wie Mannheim waren Treffpunkte davon. Zurzeit begeistert mich Mannheim – im Jahr 2018 wohnen in Mannheim viele verschiedene Menschen, und es scheint dies zu feiern und diese Menschen integrieren und einbinden zu wollen. Dadurch wird es zu dem, wie das moderne Deutschland aussieht. Es ist sichtbar, man kann es wörtlich schmecken, wenn man durch die Stadt geht und Gerichte verschiedenster Länder der Welt isst.