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Siebdruck

Ein abgetrennter Pferdekopf à la „Der Pate“, ein Fährmann mit Pestmaske auf einem Rennpferd, ein Darth-Vader-Helm samt preußischem Pickel und der Aufschrift „Jawohl Darth Vader“ in gotisch-martialischen Buchstaben – in der Siebdruckwerkstatt „Antighost“ im Herzen des Szeneviertels Jungbusch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hier ist Martin Burkhardt außerhalb seiner Tätigkeiten als Illustrator und Gerichtszeichner kreativ unterwegs. In seiner Freizeit widmet er sich dem nicht alltäglichen, dafür aber umso zeitaufwendigeren Hobby „Siebdruck“. Zusammen mit Christian Fernandez und Götz „Götzilla“ Bockstedte erstellt er in der Hinterhof-Werkstatt vor allem Gigposter, also siebgedruckte Konzertankündigungen, und Artprints.

Handgemachte Unikate

Die nötige Technik eignete sich Burkhardt 2007 in der Alten Feuerwache an, im Februar 2015 stieß er zum Antighost-Team dazu. Das besondere Verfahren beim Siebdruck: Die Druckfarbe wird mit einer Gummirakel durch ein schablonenhaft farbdurchlässiges Gewebe auf das Material gedruckt. „Dafür kommt fast alles in Frage“, erklärt Burkhardt, solange die Oberfläche glatt ist“ – also Papier, Metall, Holz, Karton, Glas. Für einen Verein aus Live-Rollenspielern habe das Antighost-Team sogar eine „Magna Carta“ auf einen Hirschrücken gedruckt.

Für jede Farbe benötigt man einen eigenen Durchgang, mehr als fünf habe das fertige Werk also eher selten. Dafür sind die Farben aber „unheimlich leuchtend und kräftig – sie müssen nicht zuerst aufgerastert werden wie bei einem normalen Druck“, sagt Burkhardt. 30 bis 50 Exemplare drucken er und seine Freunde für gewöhnlich. Jedes davon ist handgemacht und irgendwie auch ein Unikat: „Beim Siebdruck passieren manchmal komische Sachen, es gibt 1000 kleine Fehlerquellen“, gesteht der 34-Jährige. „Man hat eine Vorstellung… Wie könnte es funktionieren?“ Kleine Fehler seien da kein Problem.

Handwerkliche Arbeit zum günstigen Preis

 „Mir gefällt am Siebdruck, dass es eine handwerkliche Arbeit ist.“ Der Diplom-Designer sieht die Arbeit mit Sieb, Schablone und Gummirakel als gelungene Abwechslung zu seinem üblichen Handwerkszeug, also entweder Stift und Papier oder Computer und Tastatur. Auch die Herangehensweise an ein neues Werk ist komplett verschieden. „Bei meiner Arbeit als Zeichner bekomme ich einen Auftrag, beim Siebdruck suche ich ihn mir selbst“, sagt Burkhardt. Häufig fragt er bei Bands aus der Nähe an, ob er zu einem bestimmten Event einen Druck erstellen darf. Schließlich will er die Sachen danach auch verkaufen, ohne allzu weit dafür reisen zu müssen. Denn das Hobby ist teuer. Neben den Materialkosten schlagen vor allem die Werkstattmiete und die Reparaturen (einen Sieb neu zu bespannen kostet 100 Euro) zu Buche. „Das alles finanziert sich aber komplett selbst“, sagt Burkhardt über sein Hobby.

Preislich bewegt man sich ohnehin im niedrigen Spektrum. „Der Rahmen ist zuweilen teurer als das Bild selbst“, erklärt Burkhardt und ergänzt: „Wenn man also sagt, es ist Kunst, dann ist es sehr günstig für den Aufwand. Hält man es aber nur für ein Ankündigungsposter, dann ist es sehr teuer.“ Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen oder einfach nur im Auge des Betrachters.