ILMA - Ich liebe Mannheim

Schöner schwitzen

Archivartikel

Trockene Luft und 90 Grad Celsius Raumtemperatur, der Saunaofen knackt leise vor sich hin und die Menschen kämpfen schwitzend mit der Hitze. So weit, so normal in der Sauna. Unüblich ist aber, sich geschminkt hineinzusetzen und Makeup, Eyeliner und Co. verlaufen zu lassen. Komische Blicke sind einem so sicher. Jennifer Lapidakis hat es trotzdem gemacht und das Saunieren in einem Mannheimer Fitnessstudio zur Marktforschung erklärt. Das war vor einigen Jahren, heute ist sie die Geschäftsführerin von Strong Fitness Cosmetics – die erste Kosmetiklinie, die dem Schwitzen standhält.

Welche Frau kennt sie nicht? Die typischen Pandaaugen beim Sport

Dass es bisher keine Schminke gab, die man auch beim Sport tragen kann, fiel Jennifer 2015 auf. Da machte sie zum ersten Mal Crossfit. „Ein Kollege sagte mir, was für eine Tussi ich sei: Ich ginge mit Schminke zum Sport und ließe alles verlaufen“, erzählt die Pfälzerin. Aber wie hätte ich es anders machen können, fragt sie. „Ich kam ja direkt von der Arbeit und konnte mich nirgends abschminken.“

Also ging sie auf die Suche nach funktionierender Kosmetik für den Sport. Sie fand jedoch keine – die Idee, selbst aktiv zu werden, war geboren. „Ich dachte mir, das ist einfach viel zu gut, um es nicht zu verfolgen“, sagt die Gründerin. Denn einfach ungeschminkt ins Studio gehen, sei so einfach nicht. Für viele Frauen würde das bedeuten, den ganzen restlichen Tag ungeschminkt zu sein. Das sei keine Alternative.

Makeup als Zeichen von Emanzipation

Männer verstehen das oft nicht, sagt sie und lacht. „Makeup ist ein Ausdruck unserer eigenen Persönlichkeit. Es gibt uns Frauen mehr Spielraum, Dinge unseres Selbst zu unterstreichen“, erklärt Jennifer. Mit Eitelkeit oder Tussi-Attitüden habe das nichts zu tun. Das Auftragen des Makeups sei für sie jeden Morgen ein Ritual  bevor sie in den Tag starte. Für die Pfälzerin hat das viel mit Emanzipation zu tun. „Von modernen Frauen erwarten alle, dass sie immer nur stark sind“, erzählt sie. Aber das sei abseits der Realität. Frauen seien anders als Männern – etwa im Aussehen oder bei den Hormonen, die im Körper eine Rolle spielen. „Moderne Emanzipation bedeutet auch, seine Weiblichkeit zuzulassen“, fordert die Gründerin.

Eine Grundausstattung für den Sport

Ihre Produkte arbeiten mit nicht-wasserlöslichen Bienenwachsen oder mit Puderpartikeln, die die Poren nicht verstopfen sollen. So löst der Schweiß die Schminke nicht auf, sondern kann einfach abgetupft werden. Aber nicht auf extravagante Künstelei setzt Jennifer, sondern auf schlichte Funktionalität. Lediglich ein Makeup, Mascara und ein Eyeliner vertreibt sie bisher für das tägliche Schmink-Ritual. „Mit diesen drei Produkten kann man sichergehen, dass einem niemand ansieht, geschminkt zu sein“, sagt sie.

Denn Makeup, das bedeutet für Jennifer vor allem Selbstbestimmung und nicht eine Fokussierung auf Äußerlichkeiten. Der Kosmetikmarkt werde bisher von Männern dominiert, erzählt sie. Zur Folge habe das, dass die Bedürfnisse von Frauen nicht wirklich berücksichtigt werden. Für ihr Unternehmen aus der Hafenstraße im Jungbusch heißt das vor allem eines: Es gibt noch zahlreiche Ideen zu verwirklichen. Sie spricht von Kosmetik, die der Entschlackung des Körpers dienen soll, von Produkten, die entspannend wirken oder von Kosmetik, die dem Zyklus der Frau entspricht und unterschiedliche Bedürfnisse der Haut abdecken kann. 

Das Konzept hat Erfolg

Mit Strong Fitness Cosmetics hat die erfahrene Gründerin Erfolg. Bereits zuvor gründete sie, die aus einer Unternehmerfamilie stammt, ein Synchronstudio, das ihr den Aufbau der Kosmetik-Linie finanziell ermöglichte. Letztes Jahr stieg „ProsiebenSat.1 Accelerator“ als Investor ein. Für einen Wert von über einer Millionen Euro kann das Unternehmen für die Bedürfnisse sportlicher Frauen nun Werbung in dem Medienhaus schalten. Das zeigt seine Wirkung: In immer mehr Drogeriemärkten kann man die Produkte kaufen. Auch der Umsatz steigt kräftig: Betrug er im letzten Jahr 80.000 Euro, schätzt ihn Jennifer in diesem Jahr auf 2 Millionen Euro. Zwei Festangestellte beschäftigt sie, zehn weitere sollen bald folgen.

Das ist eine Erfolgsgeschichte einer starken Frau. Lange Zeit war dies das Motto der Kosmetikprodukte: Von starken Frauen für starke Frauen. Jennifer hat es mit ihrem Team jetzt geändert. „Sweat. Smile. Repeat“ heißt das neue Unternehmensmotto. Schwitzen, lächeln und von vorn: ob in der Sauna, im Crossfit oder im eigenen Unternehmen, wenn alles läuft, dann sitzt auch das Makeup.