Ilvesheim

Ilvesheim Improvisationstheater Drama light strapaziert im Schwarzen Salon die Lachmuskeln der Besucher

Aufwendige Tanzszenen im Dunkeln

In der Reihe Kultur im Dunkeln der Schloss-Schule Ilvesheim sind die Künstler vom Improvisationstheater Drama light aus Mannheim durchaus keine Unbekannten. Sie sind Garanten für eine gelungene Unterhaltung, bei der die Lachmuskeln stark strapaziert werden. So auch bei ihrem jüngsten Auftritt im Schwarzen Salon. Das Improvisationstheater lebt von den Vorgaben des Publikums, das zu Co-Autoren des Geschehens auf der Bühne wird.

Nach der Begrüßung durch Organisator Gunter Bratzel und der kurzen Vorstellung der sehbeeinträchtigten Schüler mit ihren Aufgaben, sorgte das Theaterensemble gleich für die ersten Lacher. „Wer von Euch ist das erste Mal im Schwarzen Salon? Ihr braucht euch nicht zu melden“, so die Frage und Ansage. Die Ensemble-Mitglieder versprachen im tiefschwarzen Salon verschiedene tolle Tanzszenen mit aufwendigen Kostümen. Zum Aufwärmen für die Theatergruppe dienten die Vorgaben des Publikums „Lehrer“, „Spinne“ und der Satz „der Kopierer ist kaputt“.

Schon die ersten Minuten verhießen einen kurzweiligen und humorvollen Abend mit Szenen mal komisch, mal emotional und mal absurd kitschig. Im weiteren Verlauf des Abends entwickelten die Theaterspieler Sabine Strobach, Helgi Schmid, Hans-Peter Stoll und Danny Jaffé (Musik/Keyboard) gekonnt „Das Vermächtnis der Klopapierrolle“, ein Musical mit spontanen Dialogen, Gesängen und Musik mit unvorhersehbaren und herrlich absurden Entwicklungen. Anschaulich beschrieben die Akteure wie der Besitzer einer alteingesessenen Toilettenpapierfabrik, Herr Schmitt, zusammen mit seiner Mitarbeiterin Susi, der Konkurrenz, die mittels einer Brausezutat mit Johannisbeerengeschmack Toilettenpapier wesentlich kostengünstiger produzierte, den Kampf ansagte.

Fantasie ohne Grenzen

Auch wurden aufwendige Tanzszenen mit Klopapierrollen beschrieben und so der Fantasie der Besucher keine Grenzen gesetzt. Am Ende des Musicals ist das Überleben der Fabrik gesichert, ein neuer Unternehmensslogan „Ein neuer Duft geht durch das Haus“ kreiert sowie eine Hochzeit angesagt.

Stellen für die Theatergruppe die Vorgaben des Publikums die Herausforderung dar, so ist bei den Gästen schon das Betreten des Schwarzen Salons eine Herausforderung und aufregend. Nach wie vor hat die Veranstaltungsreihe, die sich bereits in der 14. Saison befindet, nichts an Attraktivität eingebüßt und so konnte Gunter Bratzel wieder neue Gäste begrüßen wie Ute Hofmann aus Seckenheim: „Ich bin außerordentlich neugierig alles im Dunkeln zu erleben und es wird eine andere Art der Wahrnehmung sein, da ich nicht sehe“. Vor dem einzelnen Hineinführen der Gäste in den lichtlosen Raum durch die Schüler, bat Gunter Bratzel die Gäste, alle Lichtquellen auszuschalten oder tief in ihre Taschen zu packen, denn die Schwärze des Raumes sollte auch nicht durch den kleinsten Lichtstrahl gestört werden.

Mit der Kulturreihe ermöglicht Gunter Bratzel mit seinen Schülern Kulturinteressierten in die Lebenswelt von Menschen mit Sehbeeinträchtigung einzutauchen. Entsprechend der vorweihnachtlichen Zeit durfte am Ende der Vorstellung auch eine weihnachtliche Szene mit den vorgegebenen Begriffen „Weihnachtsmarkt“, „Ekel“, „Euphorie“ und „Hunger“ nicht fehlen.

Kein Vorschlag zu unsinnig

Kein Vorschlag des Publikums ist zu unsinnig oder zu hanebüchen, um daraus von den Akteuren mit ihrer grenzenlosen Phantasie eine Geschichte „zu spinnen“. Das Publikum dankte den Akteuren mit viel Applaus. Ein Highlight war auch die Zugabe, bei der sich viele vormals genannten Vorgaben und Charaktere wiederfanden. Helgi Schmid von Drama light ließ gegenüber dem „MM“ wissen: „Es war ein super Publikum – alle haben mitgemacht“. Das Publikum merkte dem Ensemble den Spaß an, mit dem es den ganzen Abend über bei der Sache war. Eine besondere Vorbereitung für die Aufführung im Dunkeln hatte das Ensemble nicht.